Frau Holle und der Lindwurm

Sie ging in ihr Atelier und schnackte eine Runde mit der Cocoa-Sau. Sie erörterten die Frage:

Macht allein Schokolade glücklich oder gibt es da noch etwas anderes?‘

(https://blauefeder.home.blog/cocoasau/)

Die volle Mondin hatte es ganz schön in sich, spülte alte Geister ans Land, die nun endgültig verabschiedet werden wollten. So war Blaue Feder auch nicht in den Mai getanzt. Brauner Bär und sie waren am Abend noch über das Land gefahren und hatten eine Freundin besucht. Hier und dort brannten ein paar Maifeuer. Hier und dort wurde etwas Altes verbrannt. Auch in ihrem Dorf gab es kein gemeinsames Maifeuer. Während Brauner Bär seiner Lieblingsfußballmanschaft beim Verlieren zuschaute, saß Blaue Feder müde mit einem heißem Holundersaft mit Zitrone und Honig auf dem Sofa. Sie ging früh schlafen und tauchte in das Reich von Frau Holle.

Als sie aufwachte, hatte sie ein wohliges, sehr geerdetes Gefühl, als wäre sie tief in die Erde getaucht. Da hatte sie wohl Frau Holle abgeholt. Die Linde wird auch mit Frau Holle in Verbindung gebracht. Vielleicht standen deshalb zwei Linden vorm Lindenhof, eine für Freya und eine für Frau Holle oder hatte es etwas mit den Sommer- und Winterlinden zu tun? Blaue Feder wusste es nicht.

Als sie sich morgens in ihrem Zimmer umschaute, merkte sie, dass sich über die Zeit wieder vieles angesammelt hatte – vieles, was sie garnicht brauchte. Sie fing an aufzuräumen, machte lauter Stapel, sortierte aus, was weg konnte. Zum Frühstück saß sie wieder auf dem Hof neben ‚ihrer‘ kleinen Gartensenfrauke. Diese Pflanze faszinierte sie, weil sie wie aus dem Nichts ihre Kraft schöpfte und immer weiter wuchs aus den Steinen. Woher nahm sie bloß diese Kraft?

Da sie gerade in die Linden getaucht war, kam ihr der Lindwurm in den Sinn. Der Lindwurm ist gewöhnlich die Bezeichnung für ein schlangen- oder drachenartiges Fabelwesen. Im Grunde ist der Drache von alters her ein Symbol für unsere Mutter Erde. Einst lebten wir im Einklang mit dieser Drachenkraft. Dann kamen die Drachentöter über das Land und Mutter Erde wurde unterdrückt und ihrer Ressourcen beraubt. Sie wurde ausgebeutet und nicht mehr als gleichberechtiges Wesen gesehen. – Nun, die ganze Geschichte kennt ihr ja, die musste sie nicht weiter ausführen.

Blaue Feder schrieb ihre Geschichte von Anfang an unter dem Titel ‚Die Drachen fliegen wieder‘. Dieser Titel kam ihr zugeflogen wie die Drachen. Was hatte es auf sich mit dem Drachen? Einst webte sie ein Bild und sie nannte es ‚Die Drachenreiterin‘. Dieser Drache hat wohl etwas mit dieser, unserer Urkraft zu tun.

Vielleicht flog ihr der Titel für diese Geschichte zu, weil nun immer mehr Menschen den Weg gehen und sich wieder mit der Erde verbinden. Dabei geht es wohl um eine gleichberechtige Beziehung – ein Geben und Nehmen auf Aufgenhöhe. Es erfüllte sie mit Hoffnung, wenn sie sah wie schnell sich die Natur regenerierte. Sie hatte das Gefühl, die Natur macht das schon, wenn wir sie lassen. Das ist wohl ein wichtiger Punkt – ‚wenn wir sie lassen‘. Wir sind es so gewohnt, viel zu tun, das uns gerade das Nichtstun schwer fällt.

Blaue Feder versuchte gerade selbst immer weniger in ihrem Garten zu tun. Hier und dort gab sie frische Erde auf die Beete, goß die Pflanzen mit Wasser und staunte, was da alles wuchs. Mehr und mehr saß sie nur noch im Garten und genoß es. Ihr schien dieses ‚Weniger machen‘ und genau schauen, was macht es mit mir, ein wichtiger Schlüssel zu sein.

‚Die Natur machen lassen‘, war wohl ein wichtiger Aspekt in dieser Geschichte. Wenn Blaue Feder mit ihrem Latein am Ende war, dann lehnte sich zurück an einen Baum und ließ los. So fand sie immer wieder in ihr Herz und in die Liebe zurück und zu dem, was dem Leben förderlich ist. Sie ging in die Natur, um zu lernen wie die Natur es macht und sie ist eine wunderbare Lehrerin. Im Grunde erzählen ihre Geschichten davon, wie sie langsam wieder mit dieser Urkraft in Verbindung trat, wie sie das Geheimnis ihres Ortes erkundete und dafür brauchte es eigentlich wenig.

Sie hatte die Tage einen Newsletter von Wolf Dieter Storl bekommen. Er beginnt mit den Worten:

„Im Wonnemonat Mai entledigt sich der Sonnengott seines Bärenfells – er hat seine Initiation als wilder junger Berserker im finsteren Wald hinter sich – und steht nun da, in strahlend jugendlicher Gestalt, als keltischer Belenos (auch Bel oder Baldur). Die Pflanzengöttin, die Tochter der alten Erdmutter, legt ihr schönstes, buntes Blumengewand an. In der Nacht des Maivollmonds wird das junge Götterpaar vermählt. Die ganze Natur feiert mit. Der Kuckuck ist ihr Herold und lädt mit seinem Ruf alle zum freudigen Fest. Auch die Menschen werden vom Festesrausch mitgerissen. Dieselbe unbändige Lebenskraft, die die Natur durchströmt, strömt auch durch sie hindurch.“

Diese Zeilen berührten Blaue Feder sehr und erinnerten sie an das Märchen von ‚Schneeweißchen und Rosenrot‘ und dem Bären, unter dessen Fell schon im Winter ein wenig Gold durchschimmerte. Dieses Märchen begleitete sie nun schon seit dem Winter. Vielleicht sind auch wir den Kinderschuhen entwachsen und bereiten uns auf die Hochzeit vor?

Wir sind wohl hier um diesen Wandel zu begleiten, mit all den Kleinigkeiten, die wir in unserem Umfeld tun oder sein lassen können. Was lernte Blaue Feder gerade von den Bäumen? Die Bäume sind alle über ein Netz miteinander verbunden. Verändert ein Baum etwas, dann bekommen alle etwas davon mit. Verändern wir etwas Kleines in unserem Leben, dann wirkt es sich wohl auch im ganzen Netz aus.

Der Wind hat die Samen verteilt. Sie liegen nun im Schoß der Erde und brauchen die Wärme der Sonne und die Kühle des Wassers, damit sich das neue Leben entfalten kann. Lassen wir die Natur machen und wenden uns den Veränderungen im Kleinen bei uns selbst zu. Was können wir tun oder sein lassen?

Vielleicht besuchen wir eine Linde, wenn ein Schmerz ‚Linderung‘ braucht. Sie ist wohl eine große Heilerin. Bestimmt kann sie uns wieder mit unserer eigenen Urkraft verbinden und uns erzählen, was uns glücklich macht.

Wir könnten auch unseren Garten ein wenig verwildern lassen und die Blumen gießen. Blaue Feder hatte die Tage von einer Großmutter gehört, die ihrer Enkelin erzählte:

‚Die Blumen, die wir am Tage wässern, dürfen am Abend auf das Große Fest gehen.‘

11 Kommentare zu „Frau Holle und der Lindwurm

  1. Du sprichst mir aus dem Herzen! Verbundenheit ist ein ganz großes Thema und je mehr wir hinschauen, hinhorchen oder unsere Intuition befragen, um so mehr und deutlicher können wir sie erkennen, wird sie immer augenscheinlicher. Als ich deine Worte las, hätte ich zu allem jajaja sagen können, einfach toll. Danke Dir sehr für Deine Worte, so zeigen sie mir wieder einmal, wie sehr wir alle zusammen gehören! Lieben Gruß, Christine PS: „Die Drachenreiterin“ ist wunderschön und sehr ausdrucksstark!

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    1. Danke, liebe Christine, für’s Lesen! Manche Texte gehen so leicht und fluffig von der Hand und durch andere ackere ich mich irgendwie durch. Dann war das Ackern‘ wohl okay. Freut mich sehr, wenn Dir die Drachenreiterin gefällt. Nun geht es raus. Wünsche Dir einen schönen Sonntag. Liebe Grüße, Susanne

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  2. Danke, das wünsche ich Dir auch! Ich glaube wirklich, dass dies „Durchackern“ etwas Positives ist, denn es ist nicht nur ein ernsthaftes Auseinandersetzen mit dem Stoff, sondern ein aktives und bewusstes Wachsenlassen. Ein durch und durch kreativer Prozeß des Entwickelns und das ist echt spannend. 😀

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    1. Moin liebe Susanne,
      danke für Deine liebe Rückmeldung. ❤
      Wir haben übrigens die Ausstellung in Meldorf abgesagt. Wir hätten dort vier Wochen präsent sein müssen. Die Zeit haben wir garnicht. Mir ist auch bei dem Besuch der Kuratorin klar geworden, dass ich meine Werke garnicht verkaufen möchte, solange nicht ihre Geschichten erzählt sind. Zum Geschichtenerzählen ist wohl unser Hof ein guter Rahmen und vielleicht komme ich ja mal mit den kleinen Büchern in die Pötte. Dann habe ich auch was in der Hand, was ich weitergeben kann.
      Herzliche Grüße, Susanne

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  3. Die Drachenreiterin ist wunderschön geworden! Auch sonst stimme ich dir zu. Die Natur machen lassen. Ich versuche auch, von ihr zu lernen. Immer wieder sehe ich, wie das Leben in der Natur kommt und geht, der ständige Kreislauf, bei dem nichts verloren geht. Auf dem Balkon lasse ich inzwischen mehr dort wachsen, wo etwas auftaucht. Nicht immer, aber immer öfter 🙂 LG Almuth

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  4. Liebe Almuth, das war wohl ein kleines Missverständnis, das ‚ Nicht immer, aber immer öfter‘ bezog ich darauf, die Pflanzen dort wachsen zu lassen, wo sie erscheinen, nicht auf das ‚ Vorbeischauen ‚. Ich kann auch nicht überall in diesem kleinen Bloggeruniversum präsent sein, dafür ist das wirkliche Leben grade zu spannend. Genieße Deinen zauberhaften Balkon und erhole Dich. Herzliche Grüße, Susanne

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