Blaukehlchens-Gesang

Die Traumweberin hatte ihr rätselhafte Träume ins Nest gelegt. Doch bevor sie sich weiter in die Rätsel ihrer Träume vertiefen konnte, lachte sie draußen ein schöner Sonnenaufgang an. Ihre Traumbilder waren so plastisch gewesen, dass sie auch noch später darüber nachsinnen konnte. Sie war ein bisschen traurig, weil sie sich die Tage zuvor von etwas Altem verabschiedet hatte. Es fühlte sich richtig an und als sie danach in den Garten ging, lachte sie ein Marienkäfer auf dem Rosmarin an.

Wenn Blaue Feder traurig war, dann zog es sie oft an die BroklandSau. Es tat ihr gut dem Fließen des Wassers zuzuschauen. Das gab ihr das Gefühl, alles ist im Fluß. Eine Krone auf dem Weg erinnerte sie daran, dass sie die Königin in ihrem Reich war. So traf sie die Entscheidungen, welche Dinge ihr gut taten und welche ihr die Kraft nahmen. Eine Zaunreiterin begrüßte sie am Dorfausgang. Das Tal der BroklandSau war noch in Morgenebel gehüllt.

Die Osterhasen versteckten schon ihre Eier.

Blaue Feder ging den Weg zum Weißdornhain. Zwei Baumwesen tanzten miteinander im Nebellicht

Ein Kiebitz sang ihr ein Lied von der Freiheit. Blaue Feder fühlte sich wie befreit, aber auch ein bisschen unsicher und nackig. Vielleicht war sie auch traurig, weil sie mit diesem Thema schon öfters die Runde gedreht hatte. Manchmal ist es nicht so einfach, das Altvertraute loszulassen oder alte Gewohnheiten zu ändern. Doch wenn im Herzen keine Freude mehr mitschwingt, ist es an der Zeit weiter zu gehen.

Sie ging an die BroklandSau. Sie liebte die schwarze Erde. Ein bisschen kam sie sich vor wie in dem Film ‚Vom Winde verweht‘, als Scarlett am Ende die rote Erde von Tara in den Händen hält und ihre legendären Worte spricht: ‚Ich werde nie mehr Hunger leiden!‘. Ihre Erde war tiefschwarz wie das Moor! Sie setzte sich in das taunasse Gras an der alten Ulra, denn das war ihr alter Name. Es tat gut hier zu sitzen und ihrem Lied zu lauschen. Ein paar Tränen kullerten die Wangen hinunter.

Abschiede gehören zum Leben dazu. Der Fluß schenkte ihr einen hohlen Knochen und ein kleine Figur. Sie sah aus wie eine kleine Maisgöttin. Blaue Feder bedankte sich für die Geschenke.

Auf dem Weg zurück erblühte eine kleine Weide im Morgenlicht und eine Erdhummel brummte ihr Lied von den Wundern dieser Erde. Blaue Feder fand sich wieder im Schein der goldgelben Weide.

Sie ging über die kleine Brücke über die BroklandSau. Als sie ins Wasser schaute, sah sie die Graue tot am Flußufer liegen. Sie sah fast schön aus wie sie da lag in ihrem grauen Kleid. Blaue Feder wurde immer auf ihren Wegen von den Reihern begleitet. Sie dachte kurz darüber nach, woran sie wohl gestorben war. Vielleicht war es für sie Zeit gewesen zu gehen. Manchmal reichen sich Tod und Leben die Hand. Sie stand noch eine Weile bei ihr und wünschte ihr eine gute Reise.

Immer wieder musste sie sich von Liebgewordenen verabschieden, dann ging sie weiter, ein neuer Weg tat sich auf und eine neue Blume erblühte zart am Wegesrand.

Versunken in ihren Gedanken über den Tod, hörte Blaue Feder einen Vogel im Schilf singen. Sie dachte erst, es sei ein Schilfrohrsänger. Sie konnte in dem Licht nicht genau erkennen, welcher Vogel es war. Es war ihr, als würde sie eine blaue Brust im Licht erkennen. Dann konnte es nur ein Blaukehlchen sein. Sie hatte noch nie ein Blaukehlchen gesehen und schon garnicht im Ostroher Moor. Sie war oft in die Lundener Niederung gefahren, im Wissen, dass es dort Blaukehlchen gab, aber hatte nie eines gesehen. Jetzt war die Zeit wohl günstig, die im Verborgenen lebenden Mitbewohner zu entdecken. Denn ab April beginnt die Balz der Blaukehlchen und die Männchen stellen sich auf exponierten Stellen zur Schau und singen. Sein Gesang erinnerte Blaue Feder entfernt ein wenig an das Schlagen einer Leine an der Fahnenmast eines Segelbootes.

Nun musste sie bis nach Hause warten und ihre Bilder anschauen, bis sie Gewißheit hatte. Sie war voller Vorfreude und sich ziemlich sicher, dass sie ihr erstes Blaukehlchen gesehen und gehört hatte. Die Gänse im Moor riefen sie.

Beim See der Trauerseeschwalben hörte sie eine Haubentaucherfee rufen. Sie beobachete die Haubentaucherfee und hörte dann einen zweiten Haubentaucher auf der Kuhle dahinter. Ihr kamen die beiden Haubentaucher vor, wie die beiden Königskindern, die nicht zueineinander fanden. Blaue Feder wollte schon gehen, als einer der Haubentaucher sich ein Herz nahm, zum Flug ansetzte und zu der Geliebten oder dem Geliebten flog.

Ein zauberhafter Tanz nahm seinen Anfang und Blaue Feder schaute verzückt zu.

Ihre Trauer war vergessen. Blaue Feder war einfach nur berührt. Sie ging weiter zum großen Mondsee. Unterwegs sah sie noch den alten Moormann. Zum Glück hatte er sie nicht bemerkt. Mal wieder folgte sie den blauen Kacheln, die hier und dort in den Weg gewebt waren, wie kleine Stücken vom Himmel.

Auf dem großen Mondsee schwamm eine Taubenhaucher-Fee allein. Blaue Feder leistete ihr Gesellschaft. Sie hörte wieder die 1000 Glöckchen klingeln und zusammen tauchten sie ab in Goldene Reich. Sie mussten garnicht tief tauchen. – Wer die Geschichte von der ‚Taubenhaucher-Fee‘ noch nicht kennt, kann sie hier nachlesen. Sie ereignete sich zur FrühlingsTagundNachtGleiche im vergangenen Jahr.

https://blauefeder.home.blog/2020/03/20/eine-haubentaucher-feen-geschichte/

Blaue Feder hatte mal wieder nasse Füße und auch einen nassen Popo. Also, ging sie heim zu ihrem Schatz.

Auf dem Heimweg läuteten schon die Osterglocken. Ihr Schatz war Brötchen holen und ihr Schlüssel hing drinnen am Schlüsselbord. Manchmal wäre es sinnvoll einen Schlüssel mitzunehmen.

Vielleicht konnte sie mit diesen Schlüsseln die Türen und Tore öffnen?

Die Blaue Feder wünscht Dir schöne Ostertage!

11 Kommentare zu „Blaukehlchens-Gesang

  1. Ich wünsche dir auch Frohe Ostern! Es war wieder sehr schön, dich auf deinem Weg zu begleiten. So viel Schönheit, eine Freude. Blaukehlchen sind doch sehr selten oder? Wie wunderbar, daß du eins getroffen hast! Es sieht so niedlich aus. Und blau paßt zu blau scheint mir 🙂 LG Almuth

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    1. Liebe Almuth, ich glaube, ich habe gerade mein ‚Blaue Phase‘! Die Blaukehlchen waren tatsächlich schon mal vom Aussterben bedroht. Doch haben ihre Bestände dann stetig wieder zugenommen. Sie lieben es sich im Schilf zu verstecken. Im Ostroher Moor gibt es nur kleine Schilfflächen. Aber eine hat es sich wohl als Revier auserkoren. Herzensgrüße, Susanne

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      1. Das ist wirklich schön! Vielleicht begegnest du dem Blaukehlchen jetzt noch öfter 🙂 Solche Nachrichten tun gut, wenn man hört, daß sich manche Arten wieder vermehren und einen Ort für sich finden. Das Moor wird ein guter Platz sein, da hat es seine Ruhe und ist wenigstens vor menschlichen Störungen geschützt. Liebe Grüße
        Almuth

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