Eine Kleinigkeit noch…

Am Vollmondabend zündete Blaue Feder viele Kerzen in ihrem Atelier an und feierte ihr neues Bild. Sie tanzte ein wenig zu Zone Unknown. Es war eine wilde Musik von Gabrielle Roth & The Mirrors. Doch bald wurde es ihr zu warm. Das Atelier hatte sich in der Mittagshitze aufgeheizt. So ging sie raus in den kühlen Innenhof. Lange saß sie dort und beobachtete die Sterne. Sie musste still sitzen, denn Brauner Bär hatte überall Bewegungsmelder angebracht. Sie sah Sterne, die ein Stück flogen, wie Flugzeuge und dann erloschen, um am Ausgangspunkt wieder aufzutauchen. Es sah aus wie die Lichter von Leuchttürmen. Gab es Leuchttürme hoch oben am Himmelszelt? Bestimmt gab es eine Erklärung, doch sie konnte es sich nicht erklären. Die volle Mondin ging hinter dem Hof auf. Sie ging zur Eiche, um sie zu sehen.

Tiefer in der Nacht setzte sie sich nochmals raus, sah eine Sternschnuppe und eine Fledermaus fliegen, die ihr Herz beglückten. Sie lauschte den Geräuschen der Nacht – der Maus im Efeu und eine Kuh rief.

Am Morgen entschied sie sich eine kleine Runde durchs Moor zu gehen solange es noch kühl war. Sie ging den kleinen Weg vor ihrem Hof entlang und sah nun das Ausmaß der Bescherung. In der vergangenen Woche war ein Mann durch das Dorf gefahren vom Amt Heider Umland und machte sie darauf aufmerksam, dass die Müllwagen nicht mehr durch die Straßen kamen, ohne Schaden zu nehmen an den Sträuchern. Sie ließ sich darauf ein, zwei tiefhängende Zweige von der Walnuss abzuschneiden und den Jelängerjelieber etwas zurückzuschneiden.

Der Nachbar hingegen machte kurzen Prozess und ließ seinen Gärtner die gesamte Straßenseite einen Meter zurückschneiden. Der Gärtner sah sie am Fenster und holte sie raus und besprach sich mit ihr, welcher Teil zu ihrem Hof gehörte. Er sagte noch: ‚Die Menschen haben den Bezug zur Natur verloren.‘ Irgendwie war Blaue Feder nicht ganz bei der Sache und so musste sie mit ansehen, wie auch der alter Holler-Strauch runtergeschnitten wurde. Es tat ihr im Herzen weh. Hätte sie es verhindern können? Vermutlich ja! Es tat ihr so leid.

Sie fühlte sich wie Lauscher aus ihrer Geschichte, der auch alles verkehrt machte, wenn er auch aus seinen Fehlern lernte.

Blaue Feder zog den Morgen los, weil sie den Eindruck hatte, der A-Horn-Stock war nicht der Richtige für das Bild. Sie hatte den Impuls gehabt einen Hasel-Stock zu nehmen, aber es ihr war zu heiß, noch einmal loszugehen. Jetzt am Morgen ging es mit den Temperaturen und so zog sie los. Taiga begleitete sie ein Stück.

Im Hasel-Weg im Dorf lagen grüne Haselnüsse auf der Straße und erinnerten sie daran, dass dieser Vollmond manchmal auch Haselmond genannt wurde. Sie steckte eine grüne Frucht in ihre Hosentasche.

Die Sonne war schon aufgegangen und es war schon in der Früh warm. Am Wegesrand fiel Blaue Feder besonders der Blutweiderich auf, der in diesem Jahr üppig wuchs. Er war beliebt bei kleinen weißen Schmetterlingen – Kohlweißlingen.

Man konnte aus den Spitzen vom Blutweiderich einen schönen Tee bereiten bei Problemen mit dem Verdauungstrakt oder Magenschmerzen. Ihr bereitete das Baumgemetzel noch Magenschmerzen und allein der Anblick vom Blutweiderich tat ihr gut.

Es roch nach frisch gemähten Gras. Jeder Weg, den sie ging, hatte seinen eigenen Duft. Die Große Weberin webte schon ihre Netze.

Als sie auf der kleinen Brücke ins Wasser schaute, einem Ableger der Ullra, entdeckte sie ein für sie neues Kraut. Sie dachte erst, es wäre Fieberklee, den sie im Moor noch nicht entdeckt hatte. Wie sich aber herausstellte, handelte es sich um ein kleines Kolbengewächs, den Igelkolben. Deutlich zu erkennen an seinen stacheligen Igel-Blüten. Nach und nach wurden ihr jetzt wohl die Wasserpflanzen nahegebracht.

Blaue Feder ging ins Moor und stand bald vor der Alten Haselin.

Hast Du vielleicht einen Stecken für mich?

Ich hatte Dir doch schon einen geschenkt. Was hast Du denn mit dem gemacht?

Den habe ich zersägt für das Geschichtenhaus.

So, so, dann komm mal rein und schau Dich um.

Am Boden entdeckte sie einen Hasel-Stock, der aber krumm war.

Hast Du nicht einen graden Stock für mich?

Ach Kind, was willst Du denn mit einem graden Stock?

Na, meine Lungenkraut-Zauber-Libelle aufhängen.

Da ist der krumme Stab grad recht. Schau Dich mal um. Ist hier im Wald irgendetwas grade. Ist auf eurem Hof irgendetwas grade? Wieso also möchtest Du plötzlich einen graden Stock?

Blaue Feder war etwas bockig heute morgen. Die starken Energien der vollen Mondin pulsierten noch in ihr. Sie fand noch drei Haselnüsse unterm Baum und dachte, es war alles wie am Anfang, als sie das Land der Hasel entdeckte. Sie bedankte sich etwas unwillig und dampfte ab. Am Erlensee, wäre sie beinahe auf eine Krönchen-Natter getreten.

He, pass mal auf, wohin Du trittst!

Oh, entschuldige, ich habe vor mich hingeträumt.

Du träumst wohl gerne, Blaue Feder?

Ja, sie träumte gerne und dann verstand sie, warum der Stecken so krumm sein musste. Er schlängelte sich wie eine Schlange. Er schlängelte sich, wie sich die Ullra durch das Tal schlängelte. Sie setzte sich eine Weile mit dem Hasel-Stock hin und schloss die Augen. Sie spürte die Energie der Hasel in ihren Fingern vibrieren. Sie spürte seine Schlangenkraft und ihre eigene. Eine Kraft, die sie wohl für das, was kommen würde, brauchte.

Dann naschte sie im Brombeerweg noch ein paar Brummbären und ging sichtlich versöhnter heim mit ihrem Hasel-Stock. Am Großen Mondsee lachte sie überall die Engelwurz an. Eine Pflanze, die sie mit Zuversicht erfüllte.

Daheim ging sie ins Atelier und bedankte sich bei dem A-Horn. Er würde sicher bald eine andere Aufgabe bekommen. Dann knotete sie ihr Bild an den Hasel-Stab. Tatsächlich fühlte es sich nun stimmiger an. Es gab dem Lungenkraut-Libellen-Zauber noch eine kleine wilde Note.

Heartly, the Dragonfly, fand es ebenfalls stimmiger und auch das Engelwurz-Weiblein lächelte versonnen.

Manchmal kam es auf Kleinigkeiten an. Blaue Feder dachte an den Spruch auf dem Schild bei der Haselnuss auf dem Treetop-Way im schönen Kew Garden.

„Hazel’s male and female sides are brought together by the winds of fate“

7 Kommentare zu „Eine Kleinigkeit noch…

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