Fünfe im Kreis

Die Blumenmondin hatte rund am Himmel gestanden. Ein Igel kugelte sich durch ihren Garten. Noch war er oder sie allein. Er fragte sie im Flüsterton: ‚Kannst Du Dich auch einkugeln?‘

Am Morgen schauten Brauner Bär und sie gemeinsam aus dem Fenster und tranken ihren Kaffee im Bett. Die Sonne schien und zauberte Lichter in den Garten. Nun bekam auch die Walnuß Blätter. Sie war oft die Letzte, deren Blätter ausschlugen. Sie ließ sich Zeit.

Was sprach dagegen, sich Zeit zu lassen?

In ihren Zweigen saßen am Morgen Spatzen. Ein Spatz kommt selten allein. Wo ein Spatz ist, ist meist eine ganze Spatzenbande.

Es sah schön aus – die Spatzen im Walnuß-Grün mit dem violetten Flieder im Hintergrund. Nun duftete es überall im Garten. Egal, wo Blaue Feder hinkam, stieg ihr ein Duft in die Nase, mal vom Flieder und mal von einer Blume. Brauner Bär würde an diesem Tag die passende Zündkerze für den Rasenmäher bekommen und dann würde er sich an den Rasen machen. Vorher ging Blaue Feder mit ihm durch den Garten und erklärte ihm, was stehen bleiben mußte. Inseln aus kriechendem Günsel, Sauerampfer und fliegende Wale im Weidenhain.

Lausche den Walen!

Die Weidenfrau hatten die Winterstürme mit sich genommen, aber ein paar Weidenzweige waren standhaft geblieben. Vielleicht würde sich aus ihnen eines Tages eine neue Weidenfrau formen.

Blaue Feder hatte zu Beginn des Jahres Lindensamen in einen kleinen Tontopf gesät. Neben Schnittlauch und Pilzen, kamen nun auch Baum-Babys zu Vorschein. Doch wie Linden-Babys sahen diese nicht aus. Sie hatte den Eindruck, es waren A-Horn-Babys. Ja, so ist es manchmal, wir pflanzen einen Samen, doch die Natur behält es sich vor, uns zu überraschen. Manchmal wächst etwas anderes, als gedacht. So, wie Blaue Feder zu Beginn des Jahres dachte, sie würde eine andere Geschichte erzählen, als die, die sie jetzt erzählte. Der A-Horn hatte sich ihr im vergangenen Jahr, als ‚Pausen-Baum‘ vorgestellt und so hörte sie ihn flüstern:

‚Wie wäre es mit einem Päuschen?‘

Sie hatte den Silvester-Glücksklee mit in den Topf gepflanzt. Vielleicht hatte er alles verändert? Sie ging in den Garten und sammelte das Wiesenschaumkraut von der Elfenwiese, die bald gemäht wurde. Einst war ihr eine Elfe aus einem Traum direkt auf die Leinwand gesprungen. So kam Frida in ihr Leben, die Elfe mit der Wiesenschaumkelle.

Die Hasenglocken klingelten blau und erinnerten sie an La Blue Belle, die Geschichtenerzählerin. Auch sie, war eines Tages zu Blaue Feder gekommen, wie aus dem Nichts.

Rund um den Schwalbenhof blühten nun die Akeleien, die auch Feenhandschuhe, Zigeunerglocken, Narrenkappen und Venuswagen genannt wurden. Vielerlei Namen wurde den Feenblumen gegeben, die aussehen, als würden fünf Vögel ihre Köpfe zusammen stecken. Da war sie wieder die Fünf. Hatte ein Feenshandschuh auch fünf Finger? Sie erinnerte sich an die Hände auf dem Bunsoher Schalenstein und ihr kamen die ‚Die fünf Freunde‚ in Erinnerungen, deren Abenteuer sie als Jugendliche verschlungen hatte.

Die Fünf hatte etwas Freudiges im Gepäck, Freunde und Leichtigkeit. Die Akeleien tanzten im Wind und zeigten ihre wilde Blütenpracht.

Zur vollen Mondin saß Blaue Feder still in ihrem Garten und fragte sich, wie es nun weiter ging.

Was war der nächste Schritt?

Ihre Freunde meldete sich zu Wort. Es ging um die Freunde aus der geistigen Welt, die uns auf unserem Weg begleiten. Es ging um ihre Spirits, wie auch den Wesen vom Blauen, vom Grünen, dem Kleinen Volk. Oft hatte Blaue Feder ihnen Gestalt gegeben. Sie ging in ihr Atelier und rief ihre Freunde zusammen und fragte sie:

‚Könnt ihr mir sagen, welches der nächste Schritt ist?‘

Sie kamen alle: Aslan – der Drache, Esmeralda – das wilde Mädchen und La Blue Belle die Geschichtenerzählerin- , Gloria – die Kröte und Hugo – der Frosch, Emil – der Bär, Frida – die Elfe, Heartly – die Libelle und zuletzt kam auch Taiga, ‚ihre‘ Katze. Die Freunde steckten die Köpfe zusammen und berieten sich. Dann waren sie sich einig.

Nis Puk muß her!‘

‚Wie jetzt, Niss Puk muß her?‘

‚Na, so wie wir, gib ihm eine Form, ein Gesicht, einen Körper und ein paar Kleider. Näh ihn, strick ihn, häkel ihn – wie auch immer.‘

‚Ich weiß doch garnicht wie er aussieht!‘

‚Wer weiß das schon!‘

Blaue Feder bedankte sich bei ihren Freunden für den Rat und dachte sich, vielleicht würde sie in der Woll-Kiste fündig.

Das Bad im Wollgras hatte ihr gut getan. Sanft weich flauschig hatte es sich um sie gelegt. Ihr war aufgefallen, wie sie in der vergangenen Zeit, viel vom ‚richtigen‘ Weg sprach. Wenn es einen ‚richtigen‘ Weg gab, dann gab es wohl auch einen ‚falschen‘. Wann war sie in dieses Denken von Schwarz und Weiß gerutscht? Das Wollgras holte sie zurück in einen Zustand des absichtlosen Seins. Es gab nur einen Weg, nämlich den, den sie ging. Es gab kein richtig oder falsch. Sie war unsicher – ja! Sie hatte sich entschieden, ihren Job weiterzumachen und sie war sich nicht ganz sicher, ob es die ‚richtige‘ Entscheidung war. Doch ging sie mit dieser Entscheidung nun ihren Weg weiter und schaute, wie sie ihn flauschig und wollweich gestalten konnte. Der Vorteil bei ihrem Job war, dass sie die Menschen kannte und sie wusste, welche Weichen sie stellen musste, damit es ihr wieder gut ging. Nun tauchte sie wieder mehr ins Wahrnehmen, ins Beobachten und ins absichtlose Sein.

Zunächst einmal tauchte sie in ihre Woll-Kiste. Ein bisschen Zeit hatte sie noch, bevor sie auf Reisen ging. Sie nahm sich mal wieder eine Besinnungszeit. Das Tal der sprudelnden Quellen und die Drachensteine riefen sie. Sie war gespannt, auf welch wundersame Reise sie nun gehen würde. Vielleicht würde Nis Puk sie auf ihrer Reise begleiten.

4 Kommentare zu „Fünfe im Kreis

    1. Das freut mich – ja, die Namen sagen immer schon so viel. Herzensgrüße nach Fischerhude. Vor kurzem war mein Arbeitskolleg in Fischerhude und mit strahlenede Augen erzählte er mir davon und er fragte sich: Warum er nicht dort wohnen würde. Es muß dort sehr schön sein, wenn seine Augen so strahlen.

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