Visionen in den Baum gewebt

Die Fasane zogen weiter mutig durch das Dorf. Der Dauerfrost erschwerte ihre Futtersuche.

Die Eichelhäher kamen gleich zu Dritt und holten sich ihre Erdnüsse.

Die Reiher sind gemeinsam unterwegs. Sie verweilte in stiller Meditation, während er nach Futter suchte.

Als sie die Reiher betrachtete, wurde ihr klar, es war an der Zeit ihre Kräfte zu bündeln. Sie konnte nicht pausenlos auf Sendung sein. Es brauchte die Ruhe, um neue Kraft zu schöpfen, um dann zum geeigneten Zeitpunkt schöpferisch tätig zu sein. Doch wie schaltete sie den Sender mal ab? Wie konnte sie ihr Gleichgewicht halten? In diesem Punkt konnte Blaue Feder wohl noch viel von der Natur lernen.

Ein paar Haselnuss-Blüten waren erblüht.

Zur Wintersonnenwende fand Blaue Feder einen Küstenstein mit einem ‚Red-Nose-Rehbock‘ darauf unter ihrer Eiche. Sie nahm ihn mit. Als sie ihn daheim am Feuer in den Händen hielt, hatte sie ein Bild von einem Baum vor ihrem inneren Auge.

War es die Eiche, ein Lebensbaum oder ihr Visionsbaum?

Sie hatte schon einmal Lebensbäume gewebt. Sie nahm das Thema noch einmal auf und suchte sich einen schönen Stoff. Es war eine ältere Gardine mit Blumen und Blätterranken. Zu Weihnachten hatte sie sich ein paar Pflanzenfarben von Artemis gegönnt, weil ihre Farben-Herstellung noch nicht so angelaufen war. Die waren recht teuer, also nahm sie nur kleine Flaschen. Jetzt öffnete sie sie das erste Mal und fing an den Baum damit zu malen. Ein zauberhafter Duft breitete sich in ihrem Atelier aus. Mit den Farben zu malen, machte große Freude. Auch leuchteten sie schön. Ob sie lichtecht waren – vermutlich nicht. Aber ihre Kunst war auch nicht für die Ewigkeit gedacht.

Nachdem sie den Baum gemalt hatte, nähte sie seine Konturen mit der Nähmaschine nach. Im Stamm fanden die Weiße, die Rote und die Schwarze ihr Zuhause. Dann fing sie an zu sticken. Wenn Zeit war, saß sie am Feuer und stickte. Das tat sie gerne im Winter. Manchmal leistete ihr die Tigerin Gesellschaft und webte mit.

Sie fand ‚Shishas‘ unter ihren Knöpfen. Die bunt umrandeten Spiegel erinnerten sie an die Geschichten von 1001 Nacht. Sie schmückten früher die traditionellen Folkoregewändern in ganz Asien. Weiße Wäscheknöpfe lachten sie an. Knöpfe dürfen nie fehlen. Knöpfe sind Küsse und erinnerten sie daran, immer liebevoll mit sich selbst und anderen umzugehen. Bunte Edelstein-Perlen nähte sie an den Rand des Bild. Sie schillerten wie das Gefieder des Fasanes in allen Erdtönen. Ein paar Federn wollten auch hineingewebt werden, als Erinnerung an ihre Vogelfreunde. – Sie musste wohl noch mal ein paar Nüsse nachlegen.

Ein bunter Baum lachte sie nun an.

Was sie wohl in seinen Spiegeln entdecken wird?

Sie spannte ihr Tuch auf eine runde Leinwand und nähte die Woll-Triskele als Aufhängung an. Am Abend wollte sie den Neumond feiern und Imbolc. Sie feierte Imbolc gerne zum zweiten Neumond des Jahres oder kurz danach mit zunehmenden Mond. Sie war ja auch erst jetzt mit ihrem Visionsbäumchen fertig. Blaue Feder ließ sich gerne mal etwas Zeit. Der Winter zog sich eh grad in die LLLLääännngggeeee. Sie hatte das Gefühl, alles war eingefroren – nichts bewegte sich. Vielleicht war die Bewegung auch grad mehr im Inneren, als im Außen. Manchmal ist solch ein ausgedehnter innerer Aufenthalt genau das, was wir brauchen, um uns selbst neu zu definieren und zu regenerieren. Die Erde selbst, brauchte wohl auch ihre Zeit und nahm sie sich.

Schaute Blaue Feder ein wenig in die Sterne, so sah sie, dass die Mondin schon von dem Saturn, dem Jupiter, der Venus, dem Merkur und der Sonne im Wassermann zum Fest erwartet wurde. Die Venus flirtete heute ordentlich mit dem Jupiter. Sie feierten gemeinsam im 5. Haus, dem Haus der Kreativität und der Liebes-Affairen. Wir lieben es uns frisch zu verlieben, weil wir uns dann so lebendig fühlen. Blaue Feder fühlte sich lebendig, wenn sie kreativ war. Das war ihre andauernde Liebes-Affaire. Die Sonne stand ganz hinten in der Reihe und erwartete die Mondin schon auf der Spitze des 6. Hauses. Da lief Blaue Feder ein warmer Schauer durch Körper und ihr wurde ganz warm ums Herz. Da lag etwas sehr Heilsames in der Luft.

Eine ihrer Liebes-Affairen nahm auch schon Gestalt an. Sie hatte ihre Geschichten an die Holunderelfe geschickt. Kristin von der Holunderelfe, hatte ihre erste Geschichte für die Frühjahrsausgabe bereits gestaltet. Gestern bekam sie den Entwurf. Es sah wunderschön aus. Blaue Feder freute sich, bei dieser wunderschönen Zeitschrift mitwirken zu können, gemeinsam mit den anderen Frauen.

Das Jahr liegt nun jungfräulich vor uns. Blaue Feder hatte schöne Ideen. Sie würde in diesem Jahr ihr Augenmerk mehr auf die Bäume legen und ihrem alten Wissen lauschen. Da freute sich der Eichelhäher, der Hüter des Waldes, sehr.

Wohin die Wege führen? Sie wusste es nicht – aber es war Freude in ihrem Herzen. Mehr brauchte es nicht.

Grad fängt es wieder zart an zu schneien. Wer wohl zur Zeit bei Frau Holle Dienst schob und die Betten ausschüttelte? Nun geht die Sonne auf und Blaue Feder wünscht Euch eine inspirierende Neumond-Zeit!

Die Frühjahrsausgabe der Holunderelfe erscheint am 18. März 2021.

https://holunderelfe.com

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