‚Ins Narrenkastl schauen‘

Na, da wurde ihr aber ein schönes Ei ins Nest gelegt. Blaue Feder hatte den Stein behalten. Mit ihm zog ein lustiger Geist in den Schwalbenhof ein. Blaue Feder und Brauner Bär sprachen eine merkwürdige neue Sprache. Keiner verstand den anderen mehr richtig, aber es wurde viel gelacht. ‚Mit Humor heilen‘, kam Blaue Feder in den Sinn. Sie machten nur noch BlödSinn. Der Sinn kam ihnen mehr und mehr abhanden.

Schaute sich Blaue Feder ihren Stein genauer an, so war ein junger Rehbock darauf zu sehen mit einer Roten Nase. Die Rote Nase erinnerte sie an die Närrin. Da öffnete sich ein neuer Raum, ein Freiraum, in dem alles sein durfte. Sie suchte sich einen schönen Kasten für ihren Stein und der Nullraum war eröffnet. Dieser offene Raum war wertfrei, es war ein Spielraum. Die Närrin initiiert in uns die Kraft der Erneuerung, des Ungeordneten und Wilden und gibt uns eine wichtige Medizin für die herausfordernden Wandelzeiten unsere Tage.

Schon andere vor ihr hatten ins Narrenkastl geschaut. Die Cambra Skadé, die Luisa Francia, auch bei der Graugans fand sie das Narrenkastle. Es war wohl eine altbewährte Medizin. Bestimmt hatte auch schon Astrid Lindgren in das Kastle geschaut und Pippi diese Gaben mitgegeben. Die geringelten Strümpfe des Engelwurzweibes hatten Blaue Feder an Pippi errinnert.

Cambra schrieb einst zum Narrenkastl:

Die lange Weile zieht bei mir im Winter gerne ein. Vor allem in den Rauhnächten. Sie ist eine Keimzeit für vielerlei wundersame Ereignisse. Luisa Francia hat mich an etwas erinnert, ans Narrenkastl. Ins Narrenkastl schauen, nichts tun, tandeln, vor sich hinstieren, verweilen, Zeit verstreichen lassen. Das Narrenkastl könnte auch so eine Art Nullraum sein. Ins Nix schauen. Das wäre ja ein richtiges Winter-Contrary-Programm zum Standardwinterprogramm. Die Systemverweigerung im nur Schauen. Still die Geschäftigkeit betrachten. Gedankenverloren vor sich hinschauen, in eine leichte Trance gehen. Ins imaginierte Winterweiß eintauchen oder den Nebel, ins Himmelsblau oder andere Welten, mich in Zeit und Raum verlieren und alles rundherum vergessen. Keine Hektik, keine Geschenke, kein Unterwegssein, kein Streß – Zeit, lange Weile, viel und lange schlafen, träumen, lauschen. Alles einstellen, was Alltagsgemache ist, aussteigen, liegenlassen, innehalten, sich hineintrancen in andere Räume.
Letzthin bin ich gefragt worden, was ich gerade mache und weil ich gerade gar nichts gemacht habe und beim Überlegen auch nichts finden konnte, habe ich gesagt „bläd schaun.“ Ich tu´s gerne. Immer wieder nur schauen – ins Narrenkastl.
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https://cambraskade.blog/2015/12/25/ins-narrenkastl-schaun/

Blaue Feder hatte nun selbst zwei Steine gemalt. Einen mit einer Eule, den wollte sie zu ihre Dorf-Eiche bringen und einen mit einem Fuchs drauf, den wollte sie zur Eiche auf dem Fuchsloch bringen. So gagelte sie los und brachte den Eulen-Stein zur Dorfeiche mit guten Wünschen.

Dann brach sie auf zum Fuchsloch. Auf einer Wiese fiel ihr ein Baum auf, den sie bisher noch nicht so wahrgenommen hatte. Zwei Rehe ästen unter der alten Eiche. Sie wollte sie nicht stören und ging weiter.

Dann sah sie die Rehe doch in den Wald laufen. Irgendetwas hatte sie aufgeschreckt. Vielleicht die Hunde, die des Weges kamen. Ein geheimer Weg führte zu der alten Eiche, deren Laub noch nicht runtergefallen war. Dort gab es einen kleinen Weiher, in dem spiegelten sich die Bäume. Blaue Feder sah einen Hasen laufen und folgte ihm.

Sie kam bei der alten Holler vorbei und grüßte ehrfürchtig. ‚Soll ich den Fuchstein vielleicht bei Dir lassen?‘ fragte sie. ‚Nein, nein, den bringst du zum Fuchsloch. Das ist fein!‘

Auf dem Weg kam sie durch einen Buchenhain. Im Buchenhain sangen die Meisen: ‚Geh es spielerisch an‘. Dort gab es eine Buche, auf der war ein ‚Z‘ zu lesen. Buchen und Buchstaben gehören wohl zusammen. Dort war ein Loch in der Erde. Sie fühlte sich wie Alice im Wunderland. Sie kroch hinein in den Schoß von Mutter Erde und plötzlich fiel und fiel sie. Das Loslassen tat so gut.

Sie landete sanft auf einer grünen Wiese, sah noch einmal den Weg, den sie durch das alte Jahr gegangen war. Sie sah sich von hinten am Schreibtisch sitzen – schreiben, schreiben und schreiben. Alle Buchstaben von A-Z flogen ihr um die Ohren. Sie hatte wenig Pausen gemacht und ihren Körper ein wenig vernachlässigt. Was konnte sie ändern? Den Körper mit ins Boot holen und sich eine Struktur schaffen. Sie konnte besser loslassen, wenn sie etwas mit dem Köper machte. Eine Struktur hatte sie eigentlich. Die gab ihr der Mond vor. Sie hielt sich nur nicht immer dran. Das ‚Z‘ war der letzte Buchstabe im Alphabet. Nun war das Jahr zuende. Blaue Feder bedankte sich für den Blick zurück. Nun lag die Zeit zwischen den Jahren vor ihr und der 13. Mond.

Entlang der Wurzeln der Buche mit dem ‚Z‘ kam sie wieder an die Oberfläche. Sie verließ den Buchenhain und ging zum Fuchsloch. Sie kam an den Kräuterweiden vorbei. Dazwischen stand ein Weißdorn und darin hing an einem Band eine Feder mit einem Stein und einem Kraut. Blaue Feder freute sich. Da hatte wohl jemand Gebete in den Feenbaum gehängt. Sie war hier wohl nicht alleine unterwegs.

Auf dem Fuchloch saß sie eine Weile bei der alten Eiche und ließ den Fuchs-Stein dort. Nun war sie schon wieder so müde, dass sie beim Gehen fast einschlief. Sie fand sich zuhause auf dem Sofa wieder.

Nun waren die Steine verteilt. Das Spiel konnte beginnen – Zeit ins Narrenkastl zu schauen.

7 Kommentare zu „‚Ins Narrenkastl schauen‘

  1. Der Narrenkastelbeitrag ist ganz wunderbar!! Vielen Dank, liebe Susanne,
    das ist genau das, was in diesen “ Umbruchzeiten “ so wohltuend ist…
    In diesem Sinne: begrüßen wir die Null…! Alles Liebe wünscht sigrid

    Gefällt 1 Person

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