Das Reh

Nun war der Winterschmuck wieder abgehängt. Blaue Feder hatte alle Kugeln, Anhänger und Figuren wieder sorgfältig in die Weihnachtskiste verstaut. Gestern hatte sie ein Feuer entzündet und ihre Zweige und Kränze verbrannt. Hatte sich noch einmal bei den Bäumen bedankt, die ihr die Zweige geschenkt haben. Die Feuer-Devas tanzten ganz schön wild, dass Blaue Feder Angst und Bange wurde. Sie hatte einen riesen Respekt vor dem Feuer. Blaue Feder war schon ein Bangbüx in solchen Dingen. Sie tat neun Hölzer in das Feuer und verbrannte dann nur kleine Tannenzweige. Sie tat auch etwas Beifuß und getrocknete Misteln mit hinzu.

Als sie am Ende in die Glut schaute, sah sie darin lauter kleine Herzen, wie ein Freundschaftsangebot des Feuers.

In der Nacht träumte Blaue Feder von etwas Neuem, wenn sie auch nicht wusste, was es war. Als sie morgens auf den Hof ging, fing es ganz sanft an zu schneien. Frau Holle schüttelte ihre Betten aus und Blaue Feder freute sich. Sie musste schon wieder arbeiten und der Gang an den Computer fiel ihr etwas schwer. Die Tigerin war bei ihr und kuschelte sich in eine Decke auf dem Sofa. Sie war froh, dass sie noch eine Weile vom Land aus arbeiten konnte.

Da tauchte ein Reh vor ihrem Fenster auf. Es lief die Straße hoch und runter.

Dann blieb es eine ganze Weile vor ihrem Fenster stehen. Da wunderte sich sogar die Amsel.

Blaue Feder beobachte wie seine Ohren in alle Richtungen lauschten. Es hatte ganz schöne große Ohren. ‚In alle Richtungen lauschen‘, hörte sich Blaue Feder noch einmal sagen.

Es hatte einen Knopf am Ohr. Bist du vielleicht ein Steif-Tier? Vielleicht hatte das Reh schon einmal Kontakt zu Menschen gehabt und hatte nun eine Ohrenmarke? Hier werden die Kitze vom Feld abgesammelt, bevor gemäht wird. Blaue Feder hatte aber noch nicht davon gehört, dass in SH den Rehen Chips ans Ohr getackert wurden.

Auch fragte sich Blaue Feder, ob es ein Bock oder eine Ricke war? Vielleicht eine Hirschkuh? Aber das sagt man wohl nur beim Rotwild. Sie fand es aber passend. Vielleicht war es das Reh von ihrem Küstenstein? Es hatte aber keine Rote Nase. – Naja, vielleicht war die rote Nase unsichtbar?

Auf jeden Fall war es mutig, sich so weit ins Dorf vorzuwagen. Manchmal kamen die Rehe im Winter nachts ins Dorf auf Futtersuche. Tagsüber kamen sie eher selten. Sie fand das Reh sehr anmutig.

Die Kelten sagen, dass sich in Rehen oft Feen zeigen. Bist Du eine Fee? Eine Fee des Waldes? Vielleicht die Fee der 13. Raunacht.

‚Was möchtest Du mir sagen?‘

Sie schaute in seine sanftmütigen Augen. Rehe sind so bedingungslos sanftmütig und doch so eigenständig dabei. Nur im Winter finden sie sich zu Rudeln zusammen und gehen sonst allein ihren Weg. Vielleicht begann mit dem Reh etwas Neues. Auf jeden Fall hatte Blaue Feder viele Fragen in sich, die nach Antworten suchten. Dann sprang das Reh weiter – weiter in das neue Jahr hinein und die Räder fingen an, sich ganz langsam wieder zu drehen. Sehnsüchtig schaute Blaue Feder immer wieder über ihren Computer in die zarten Schneeflöckchen. Sie hatte die ruhigen und freien Tage genossen. Mittlerweile schneite es etwas mehr und Blaue Feder freute sich auf einen kleinen Spaziergang in der Mittagspause.

3 Kommentare zu „Das Reh

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