Den inneren Zweifler bei der Hand nehmen

Minus 5 Grad, gefühlt wie minus 11. Die Mondin stand im Löwen und die Sonne im Wassermann. Es wurde immer kälter und ihr Traum von einem kalten Winter bewahrheitete sich immer mehr und die Vögel brauchten neues Futter. Eine Amsel fragte nach Äpfeln

Blaue Feder hatte am Vollmondabend ein kleines Licht im Brigid-Feld aufgestellt, aber der kalte Nord-Ost-Wind pustete es schnell wieder aus.

Dafür ließ sie die Flamme in ihrem Herzen ordentlich lodern.

Die volle Luna fragte sie im Seelenflug ihres Traumes:

Wieviel von Dir zeigst Du wirklich und wieviel passt Du an, um dazugehören?

Das war eine gute Frage und lud sie ein, ein wenig aus dem Nähkästchen zu plaudern.

Von wegen – sie ließ mal schnell ein paar Bücher ausdrucken. Ihr Manuskript war noch gar nicht fertig, fehlten immer noch die Seitenzahlen. Blaue Feder erzählte beim Frühstück ihrem Schatz von ihrem Vorhaben, neue Bücher drucken zu lassen und er spiegelte ihr ihren Zweifler. Er fragte nur, wie viele Bücher sie von dem ersten Druck verkauft hatte – waren es drei oder vier? Die meisten hatte sie verschenkt. Sie sprachen noch eine Weile weiter über das liebe Geld. Ihr Hauskonto war leergefegt, standen im Januar immer alle Versicherungen an. Brauner Bär wartete auf seine erste Rentenzahlung. Er wollte sie nicht ausbremsen, aber sie einigten sich auf erst einmal 10 Bücher, wussten sie nicht, wie die Qualität der neuen Druckerei war. Blaue Feder machte die Dachsanierung viel mehr Sorge. Das waren mal eben 20.000,- Euro und nicht 200,-. Alles wäre anders, wenn vielleicht über ihre Kunst Geld reinkommen würde. – Nun, am lieben Geld zeigte sich oft, was noch nicht im Gleichgewicht war.

Dann saß Blaue Feder wieder einen kompletten Tag an der Weltenkiste und versuchte ihr Manuskript für den Druck vorzubereiten. Am Abend war sie völlig gefrustet, hatte sie es wieder mit den Seitenzahlen nicht hinbekommen. Weinend saß sie auf ihrem Bett, ließ los und bat um Hilfe. Gleichzeitig war der innere Zweifler voll in seinem Element, spürte er seine Chance. Er flüsterte ihr ein, vielleicht sollte der Traum mit ihren Büchern überhaupt nicht sein. Irgendwann zweifelte sie dermaßen an sich, dass sie am besten gleich alles sein ließ, auch die Kunst, denn mit ihrer Motte kam sie auch nicht voran. Was konnte sie denn überhaupt? An diesem Abend blieb nur ein Häufchen Asche von ihr übrig.

Brauner Bär sah, wie traurig sie war und nahm sie in den Arm. Er kannte sich mit Word nicht aus, aber er hatte eine neue Idee mit den Seitenzahlen, die sie wieder hoffen ließ.

Am nächsten Morgen stand sie wie Phönix aus der Asche ( – den Umhang hatte sie vorsorglich vor 30 Jahren genäht) wieder auf, probierte es aus und es funktionierte wieder nicht. Dann kam sie auf die schlaue Idee mal Google zu fragen und KI antworte und siehe da, es war ganz leicht, wenn sie wusste, wie es ging. Nun musste sie das Format mit Beschnitt vorbereiten und wieder verschob sich ihr gesamter Entwurf. Am Ende wusste sie nicht mehr, wie oft sie das gesamte Manuskript überarbeitet hatte.

Ein Rotkehlchen saß rund aufgeplustert vor ihrem Fenster und riet, in ihr Herz zu lauschen.

Wieder saß sie einen Tag an der Weltenkiste und las dabei ihre Geschichten und es berührte sie, was die Schweinebande ihr erzählte. Es kam ihr vor, wie eine Sammlung von Samen, die sich in den folgenden Jahren alle entfaltet hatten.

Die Schwanzmeisen über ihrem Altar lachten sie an und sie war so froh über ihren Herzkompass. Der war wirklich Gold wert. Sie nahm ihren inneren Zweifler bei der Hand, wie auch Brauner Bär und sagte ihm, lass uns einfach mal schauen, wohin der Weg führt und das finanzielle Risiko hatten sie eingegrenzt. Am zweiten Abend war dann auch die erste Rente überwiesen und Brauner Bär entspannte sich. Nun fehlte noch das Cover für das Buch. Es war sein Part und er fing an zu zaubern. Das konnte er wirklich wunderbar.

Blaue Feder hatte diesen Traum mit ihren Büchern und sie erinnerte sich, wie sie im vergangenen Jahr mit Cambra zu diesem Thema auf die Pirsch gegangen war. Nun stand wieder ein Seminar mit ihr vor der Tür: Die Blumenkriegerin besänftigt die Welt

Was hatte sich im vergangenen Jahr in Bezug auf ihren Bücher-Traum verändert?

Nun, es gab ein Buch ‚Das Haus der drei Farben‚- vielleicht war es nicht ‚perfekt‘, aber mit Liebe gestaltet und bald vielleicht sogar ein zweites. Klar wurde ihr auch, sie würde ihre Bücher nicht über Amazon verkaufen, kaufte sie selbst dort auch nicht. Am Frühstückstisch kam ihnen die Idee mit dem Schwalbenhof-Verlag. Wer ein Buch haben wollte, konnte es bei ihr direkt bestellen. Mit der neuen Druckerei wäre sie auch unabhängig von BOD und das gefiel ihrem Freiheitssinn sehr.

Eine Schar Stare fand sich im Garten ein. Waren sie schon zurück?

Ihre Bücher-Geschichte war ein langer Prozess, Schritt für Schritt und nach und nach lernte sie, wie sie mit einfachen Mitteln zu einem schönen Buch kam. Und sie spürte, was ihr wichtig dabei war. Sie wollte nicht reich und berühmt werden, wie die Stare, denn das war sie längst. Aber sie hatte gerne bei ihren Ausstellungen welche liegen für ihre Freunde und Gäste. Außerdem hatte sie das Gefühl, sie konnte die Kunstwerke, die sie in den Büchern verewigt hatte, endlich gehen lassen und Platz machen für Neues.

Nun, ihre Geschichte vom Haus der drei Farben hatte sie 2016 geschrieben und es hatte 9 Jahre gebraucht, bis sie ein Buch in der Hand hielt. Im Tal der BroklandSau schrieb sie 2019 und wie es aussah, brauchte es nur noch 7 Jahre bis zu seiner Geburt. – Hej, hej, es schien ihr als würde ihr Bücher-Traum rasant an Fahrt aufnehmen, wenn es so weiterging. Und sie freute sich, dass sie drangeblieben war. Davon handelte auch die Geschichte in ihrem Buch, wo die Seitenzahlen immer wieder bei Null anfingen zu zählen. Es war die Wintersonnenwende-Geschichte im Tal der BroklandSau. Und so half ihr, ihre eigene Geschichte, in dem Moment, wo sie Hilfe brauchte und die Blaumeise freute sich über den Riesenknödel.

Naja und die KI half ihr auch, hihi. Blaue Feder war kein Fan von der KI. Doch nun war sie gerade mal dankbar. Sie mochte die Bilder, die mit KI generiert wurden nicht, fehlte es ihnen an Herzblut und Liebe. Sie waren nicht echt und deswegen war ihr die Kunst so wichtig, war sie authentisch und echt. Mit der KI kam ein großes neues Feld auf uns zu, unterscheiden zu lernen. Bei Bildern fiel es ihr leichter zu erkennen, ob sie echt waren, bei Videos wurde es schon schwieriger – aber sie übte. Neptun-Mari stand für die höhere Liebe und gleichzeitig auch für die Illusion. Blaue Feder hatte bereits ihre Erfahrungen mit der negativen Seite der KI gemacht. Sie dachte besonders an die jungen Menschen, die einen Umgang mit den Sozialen Medien finden mussten. Neue Techniken können hilfreich sein, doch tragen sie oft zwei Gesichter.

Der Neptun im Widder fordert uns im Allgemeinen wohl auf, genau zu unterscheiden, ob etwas echt war oder nicht – authentisch oder nicht – von Herzen oder nicht. Blaue Feder fing an, genau zu schauen, womit und mit wem sie sich im World Wide Web verband. War es ihr zuträglich oder nicht. Als Fische-Frau mit einer starken Neptunbetonung konnte sie sich leicht verlieren.

Türkentaube kam zur Futterstelle und gurrte leise und in Blaue Feder gurrte es langsam auch wieder.

Nach drei Tagen drückte Blaue Feder auf den Knopf und schickte ihre Dateien zur Druckerei. Nach drei Tagen am PC freute sie sich wieder auf den Sport. Sie ging in die Runde der Alten und ihr Stuhl stand dort, wo einst Annelene gesessen hatte und als es ihr auffiel, wurde ihr klar, nun war es an ihr, wie einst Annelene, zu lächeln. Die letzte Zeit hatte sie sich etwas fremd gefühlt. Manchmal erwartete sie wohl, dass die Anderen auf sie zukamen. Nun ging sie auf die Anderen zu und siehe da, sie war eine von ihnen und fühlte sich viel integrierter als andere Tage und auch kraftvoller. Sie machte ihre Übungen mit mehr Schmackes und Freude. Ihr tat wohl etwas mehr Feuer unterm Hintern gut.

Nach dem Sport hatte die Druckerei bereits geantwortet. Die Qualitätskontrolle hatte hier und dort etwas zu bemängeln, aber für einen ersten Probedruck fand sie es völlig okay. Und für die nächste Auflage wusste sie, worauf sie achten musste, zum Beispiel ihre Foto-Collagen in Photo-Popp zu erstellen und mit YMCK abzuspeichern. Da konnte ihr Brauner Bär helfen. Nun freute sie sich auf die Bücher. Der Alte Vater wurde diese Woche 95 und mit Glück konnte sie ihm ein Buch schenken.

Sie freute sich auch auf das Seminar mit Cambra und anderen vertrauten Gesichtern. Ihre Freundin hatte sie auf eine Musikgruppe aufmerksam gemacht The Moth &The Flame. Das Musikvideo fand sie passend zu den Monster-Anteilen in uns, wie dem inneren Kritiker und auch Ängsten.

Und was hatte ihre Plauderei mit der Frage ihrer Seele zu tun?

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