Der Winterlauch und eine Umarmung

Das schwarze Eichhörnchen lockte sie hinaus in ihren Garten.

Nachdem die Nachbarin ihren Garten schön hergerichtet hatte, drehte auch Blaue Feder eine Runde durch ihren Garten – wild sah er aus! Der Winterlauch lachte sie an. Er war reichlich gewachsen und selbst der Frost tat ihm nichts. Es würde eine feine Lauch-Kartoffelsuppe geben.

Jedes Jahr zu Imbolc läutete sie das Gartenjahr mit einem kleinen Ritual ein. Dafür hatte sie sich ein paar Binsen geholt. Das süßartige Gras hatte ihr gerne ein paar Halme geschenkt. Blaue Feder las immer noch das wunderbare Buch ‚Geflochtenes Süßgras‚ von Robin Wall Kämmerer und nun flocht sie selbst ein Brigid-Kreuz.

Im Garten hatte sie ein kleines Brigid-Feld mit einem Steinkreis. Sie befreite es vom alten Laub, entfernte das Gras, das alles überwuchert hatte und wusch die Steine. Hier und da, sprossen schon ein paar Frühblüher aus der Erde. Sie hatte einen weißen Stein für Imbolc, den sie diesmal an die Stelle der Frühlingstagundnachtgleiche legte.

Erst wollte sie es ändern, doch dann fand sie es irgendwie stimmig. Den Herzstein, den sie gefunden hatte, legte sie in die Mitte zu den Schneeglöckchen. Eine Kollegin hatte ihr eine Kerze geschenkt mit einem Anhänger, auf dem stand: Umarmung. Sie hängte ihn in die Weide, sich daran zu erinnern, sich zwischendurch immer mal selbst zu umarmen.

Wenn sie an die Arbeit dachte, wurde ihr schwer ums Herz. Sie wusste noch nicht, wie sie in der merkwürdigen Athmosphäre einen Abschied hinbekam. Sie wollte mit ein paar lieben KollegInnen essen gehen, soviel war klar. Es gab also noch einiges zu entscheiden und aufzuräumen, deshalb ging ihre Stimmung immer mal hin und her, wie das Wetter – grad noch warm, übernahm nun wieder Väterchen Frost.

Sie zündete eine Kerze an und lud Brigid ein, sie die kommende Zeit zu begleiten. Dabei wurde ihr leichter ums Herz.

Grad schaute sie aus dem Fenster und ein kleiner Robin saß in ihrem Garten. Schritt für Schritt würde sie weitergehen und ihrem Herzen folgen.

Ihr Regenbogendrache war fertig und es war ein großes Projekt. Zwischen den Kunst-Projekten gab es manchmal eine Lücke, einen leeren Raum. Jeder kennt das Gefühl, wenn eine Prüfung vorbei ist, die Entspannung einsetzt und man danach in ein Loch fällt. Sie nahm sich liebevoll in den Arm. Ihr kleines Licht im Garten flackerte und machte ihr Mut .

Momentan kamen einige Idee, wie sie ihren Weg weitergehen konnte. Ihre Seele erinnerte sie an eine Geschichte, die sie angefangen hatte zu erzählen. Sie spielte im vergangenen Venus-Jahr. Die Quellen im Paradiesquellental hatten diese Erinnerung wieder hochgesprudelt, hieß die Geschichte: Im Tal der sprudelnden Quellen – schöne, gemalte Bilder sah sie vor ihrem inneren Auge.

Sie entschied sich ihre Ideen zu sammeln und später zu entscheiden, welchem Faden sie folgen wollte. Die Graue hatte sie erinnert, dass sie ihre Fanoe-Geschichte noch nicht zu ende erzählt hatte und etwas wirklich Neues würde vermutlich erst anfangen, wenn der Job Vergangenheit war. 23 Jahre Job-Geschichte abzuschließen, brauchte wohl etwas liebevolle Aufmerksamkeit.

Die grünen Tonnen waren leer und sie war grad im Schwung und hakte auch noch das alte Laub aus dem Vorgarten. Die Bewegung und die frische Luft taten ihr gut. Der Februar hatte begonnen, ein Schwellenmonat. Vielleicht war es an der Zeit ihren Besen aus der Ecke zu holen und ein wenig auszulichten. Er hatte ihr gute Dienste geleistet im vergangenen Jahr. Kommendes Wochenende würde sie wieder mit Cambra Skadé und vertrauten Frauen und vielleicht ein paar Neuen am Feuer sitzen – auch ein liebgewonnenes Ritual.

Mittlerweile dämmerte es und ihr Licht flackerte in der zunehmenden Dunkelheit – irgendwie beruhigend – big hug!

3 Kommentare zu „Der Winterlauch und eine Umarmung

  1. Ja, ich brauchte wohl ein bisschen Selbstzärtlichkeit. Es fühlte sich an, wie eine Mutter, die ihr Kind umarmt nach einem Albtraum und ein Feuer anzündet, damit es keine Angst mehr hat.

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