Wo Zwillingsbäume wachsen

Ein paar Gedanken zum Welt-Frauentag

Blaue Feder fragte sich, was sie gerade so mit Lilith am Laufen hatte. Dabei schaute sie sich das Bild an, dass sie einst gemalt hatte. Es hing in ihrem kleinen Zimmer über dem Altar seit sie nach Ostrohe gezogen war. Diese Vogelmutter hatte schon etwas Ähnlichkeit mit Lilith.

Blaue Feder hatte in der vergangenen Woche ein Überraschungs-Ei gefunden. Es hatte wohl zehn Jahre im Gebüsch gelegen und sie hatte überlegt, was war vor zehn Jahren gewesen war.

Sie war vor zehn Jahren mit Brauner Bär zusammengezogen. Sie, die ihre Freiheit so liebte, ließ sich tief auf diese Beziehung ein. Nach zehn Jahren des Zusammenseins gaben sie sich sogar das ‚Ja‘-Wort und Lilith war ihre Zeugin. Sie stand an diesem schönen Tag genau auf ihrer Sonne stand und auf seinem Mond.

In dieser Woche nun standen Lilith und Chiron Seite an Seite wie vor zehn Jahren. Vor zehn Jahren küssten sie sich im Juli in den Fischen und dieses Mal im Widder. Ein neuer Zyklus begann.

Blaue Feder war es immer wichtig, eine gleichberechtigte und freiheitliche Beziehung zu führen. Eigenschaften, die für Blaue Feder Lilith verkörperte. Sie hatte in Brauner Bär den passenden Partner gefunden. Sie gaben sich diesen Freiraum und sie hatten dieses ‚Ja‘ in ihrem Herzen.

Sie waren unterschiedlich wie Tag und Nacht. Sie war klein und er war groß und doch waren sie stets auf Augenhöhe.  Blaue Feder war eine Sternenfee und Brauner Bär sehr bodenständig. Sie war das Wasser und er die Erde. Beide liebten die Kunst und die Natur und mit viel Liebe und Respekt funktionierte auch ihre Freundschaft.

Jetzt wo alles wieder anfing zu sprießen, spürte sie wieder diese Urkraft. Wie scheinbar aus dem Nichts alles wieder anfing. Dieses Wunder jedes Jahr. Sie spürte diese unbezähmbare Schöpfungskraft Lilith. Als junge Frau hatte Blaue Feder beweisen wollen, dass Gott eine Frau war. Doch ging es wohl bei dieser autonomen und widerspenstige Ahnin weniger um Gott und Göttin, als um unsere Fähigkeiten, unsere eigene Schöpfungskraft zu entdecken, mit der wir das Göttliche in uns gestalten.

Was Blaue Feder in ihrem Bild einst wohl hatte ausdrücken wollen, wenn die Gegensätze in uns zusammenfinden, dann finden wir auch den Weg in unser Paradies – ein Paradies in unserem Herzen. Sie hatte das Bild quer gemalt wie eine Landschaft, die sich im Wasser spiegelt und dann aufgrichtet.

Wenn Lilith und Chiron nun zu einem neuen gemeinsamen Tanz zusammen finden, geben sie uns vielleicht einen neuen Impuls für ein lebendiges, kreatives Zusammenspiel beider Pole, bei welchem Himmel und Erde, Schwarz und Weiß, Mann und Frau, Geist und Körper, Kultur und Natur sich gegenseitig befruchten.

So gesehen verstand Blaue Feder ein bisschen mehr, warum Lilith die Patin ihrer Hochzeit war. Damit sie nie vergaßen, sich immer auf Augenhöhe von Herz zu Herz zu begegnen.

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