Königliche Präsenz

Die Sonne tauchte den Morgen in zarte Lichtspiele.

Blaue Feder schrieb gerne am Morgen, aber ihr Läppischläppi war altersschwach und brauchte manchmal eine halbe Stunde zum Hochladen und weitere Stunden, bis sie sich ein Bild anschauen konnte. Sie gab alte Geräte nicht schnell auf. So waren sie noch im Besitz eines alten Röhrenfernsehers und einer dreißigjährigen Waschmaschine. Aber, es machte wirklich keine Freude mehr. Wie sie es auch drehte und wendete, es musste wohl ein neuer Laptop her.

Grad war es auch viel zu schön draußen, um die Zeit hinter ihrem Laptop zu verbringen. So ging sie ihre Runde. Eine Spinne hatte ihr Netz in den Efeu gewebt. Brauner Bär würde später den Efeu schneiden und das Netz mit dem Besen wegfegen. Er würde auch den Rasen mähen und das schöne Ferkelkraut herunterschneiden. Das Thema der Vergänglichkeit klopfte an.

Sie sah einen Distelfalter, der auch schon bessere Zeiten gesehen hatte.

Forschen Schrittes ging sie ins Moor. Sie hatte seit der Reha einige Kilos abgenommen und merkte es beim Laufen. Sie fühlte sich leichter. Ihre Gelenke freuten sich und die Birken tanzten.

Auf dem Weg zum Schwanensee saß ein Stieglitz auf dem Weg und kündigte etwas Besonderes an. Zunächst einmal sah sie, dass die Elfenwiese abgemäht war und wurde etwas traurig bei ihrem Anblick.

Dann sah sie einen Bussard einen Seeadler umkreisen. Sie schaute den beiden Flugkünstlern zu. Der Adler flog auf eine Birke und der Bussard gab nicht auf ihn zu umkreisen. Blaue Feder wollte sich das näher anschauen und schlich sich auf dem Weg, der weißen Heckenrosen, heran.

Nun stand sie direkt unter der Birke und fühlte seine majestätische Präsenz. Groß über ihr thronte der Adler. Sie verweilte in Stille und spürte diese königliche Kraft – ein atemberaubender Moment!

Erst als sie auf freie Feld hinaustrat, schwang sich der Adler über ihr in die Lüfte.

Solche gefühlten Momente konnte sie nicht in Bildern festhalten, aber die Bilder konnte sie an diese Momente erinnern.

Auf der Wiese bei den Birken lagen viele Gänsefedern. Aus alter Gewohnheit sammelte sie die Federn ein. Doch mitnehmen mochte sie sich nicht, hatte sie schon ein Bild aus Gänsefedern gewebt. Sie steckte sie in ein Holz und dachte an den Landschaftskünstler Andy Goldworthy und die Vergänglichkeit seiner Kunst.

Eine Blaue Libelle flog auf ihre Brust und verspeiste zum Frühstück eine Fliege. Wieder tauchte sie in den Moment und sie sahen sich tief in ihre Facettenaugen.

Für Momente tauchte sie noch in den Königsfarn und ging weiter zum Schwanensee. Dort blühte eine ‚Blaue Blume‘. Die Wegwarte erinnerte sie an die Geschichten-Erzählerin von den Drachensteinen, die ihnen die Sage von der Wegwarte erzählte. Blaue Feder wusste grad nicht, wann und ob sie die Geschichten des Südwindes erzählen konnte. Sie spürte nur, alles was sie dort erlebt hatte, war auch hier. Manchmal begab sie sich auf eine Reise und im Heimkommen wurde ihr bewusst, wie schön der Ort war, an dem sie lebte und sie hier alles hatte, wovon sie je geträumt hatte. Alles was dort war, war auch hier, denn sie war mit ihrem Herzen wieder hier!

Voller Freude machte sich Blaue Feder forschen Schrittes wieder auf den Heimweg. Sie sah noch den Nachwuchs der Canada-Gänse, drei wunderbare Küken, aber ihr Akku vom Foto war leer und sie lächelte.

Am Nachmittag schauten sie und Brauner Bär noch einmal den Film von Andy Goldworthy an ‚Rivers und Tides‘.

Inspiriert ging Blaue Feder in den Garten. Eine abgestorbene Johannisbeere musste entfernt werden. Jahrelang hatte Blaue Feder versucht sie zu retten, aber das wurde wohl nichts mehr. Sie würde von der kräftigen Roten einen Ableger nehmen und eine neue Pflanze hochziehen. Die Vögel hatten sich schon fast alle roten Beeren geholt. Blaue Feder bastelte eine Schlange aus abgeschnittenen Zweigen. Die restlichen Beeren konnten die Vögel auch noch haben.

Es war serviert!

Sie machte ein paar Fotos und wieder spürte sie unerwartet diese Königliche Präsenz. Sie spürte die schöpferische Kraft der Natur in sich und sich selbst eingebunden in einen Zyklus des Werdens und Vergehen.

5 Kommentare zu „Königliche Präsenz

    1. Huiihh, mit dem neuen Laptop geht es aber ganz fix. Moin, moin, bin auch begeistert von Deinem Manifest. Mal sehen, auf welchen Wegen wir alten Kunstschaffende noch so wandeln. Liebe Grüße nach Fischerhude

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  1. moin moin!
    danke für den hinweis auf goldsworthy. ich habe beide filme von ihm auf dvds. schaue ich mir heute abend vllt mal wieder an 😉
    ich hatte vorgestern abend das vergnügen, beim abendwaldspaziergang zwei rehkitzen zu begegnen und sie etwa fünf minuten lang fein beobachten zu dürfen.
    sie hatten ihre weißen babyflecken wohl vor kurzem abgelegt, waren aber noch so jung und hatten anscheinend noch nicht so viel menschenkontakt, so daß sie mich recht nahe an sich heranließen (welch freude, diese nähe!) und auch ihr, sich von mir entfernen, war sowohl zögerlich interessiert, als auch neugierig, dieses ungewohnte „waldtier“ zu beäugen. herrlich!
    so schöne, erfüllende begenungen!
    um deinen adler beneide ich dich natürlich! 🙂
    hier bei mir ist milan-land. auch sehr schön.
    erholsamen sonntag für dich!
    aljoscha waldwanderer
    .

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