Woll-f-Fäden

In der Großen Stadt ging Blaue Feder nach getaner Arbeit gern zu Planten un Blomen. Manchmal traf sie sich mit der Freundin und sie gagelten zusammen durch die Blumenwiesen.

In der vergangenen Woche leisteten ihr die Enten Gesellschaft, als sie auf die Freundin wartete. Sie erinnerten sie an das Tal der sprudelnden Quellen. Dann tauchte sie in Salomonsiegel-Felder und sie traf eine alte Bekannte wieder. Die Wolfsmilch lachte sie an. In ihrem Garten war sie recht kleinwüchsig und diese waren frauengroße Sträucher.

Der Tag klang anders aus, wenn sie noch einmal, bevor sie nach Hause ging, in die Natur tauchte. Wenn auch diese Natur künstlich angelegt worden war, war hier immer eine schöne Athmosphäre. Da lachten Indische Frauen unter Taschentuchbäumen, hier trafen sich die Völker dieser Welt, wie auch die Elfenvölker. Sie sah einen Mann, eine Führung durch den Park machen, der erinnerte sie irgendwie an Nis Puk. Überhaupt begegneten ihr in dieser Woche viele Männer, die sie von ihrem Wesen an Nis Puk erinnerten. Sie hatten alle etwas Narrisches an sich und trugen Hütte, die an Zwerge erinnerten.

Am Morgen war Freya, ihre Wölfin, ein bisschen muksch, weil sie nicht zum Council der Freunde gerufen worden war.

Immer muß ich hier unten auf Haus und Hof aufpassen, während ihr da oben Spaß habt. Ich finde auch, Nis Puk muß her, dann kann er auf den Hof aufpassen und ich kann mal wieder durch die wilden Wälder streifen.‘

So schaute Blaue Feder in ihre Wollkiste – was für ein Anblick. Ein natürliches Chaos sprang ihr entgegen. Ein Woll-Wust zeigte sich ihr. Der Woll-Wust sah aus, wie sie sich manchmal fühlte. In der Kiste lagen angefangene Handschuhe und nie beendet wurden. Sie fand auch ein paar angefangene Socken. Die gehörten nicht einmal ihr. Wer hatte ihr die geschenkt? Es gab alt vertrautes Garn und es gab auch fremdes Garn, denn manchmal bekam Blaue Feder Garn geschenkt.

Erst kürzlich schickte ihre eine Bekannte ein Paket. Sie hatte bei sich ausgemistet. Blaue Feder hatte sich sehr gefreut, als sie die Knöpfe und das bunte Garn auspackte.

Da hatte jemand an sie gedacht und sie gesehen. Doch war sie grad selbst am ausmisten und wusste nicht, ob sie das Mehr haben wollte, hatte sie genug an ihrem eigenen Garn zu weben. Momentan nahm sie viele Sachen in die Hand und fragte sich, möchte ich das noch haben?

Zu ihrer großen Freude entdeckte sie in dem Wust ihr Lieblingszaubergarn. Sie hatte gedacht, es wäre schon aufgebraucht. Das erste Mal hatte sie das Garn in ihrem Bild ‚Born to be wild‚ versponnen. Dann war es immer m8al wieder aufgetaucht, im Seerosen-Karpfen-Bild, im Zauberbaum, in ihrem Visionsbaum und auch in der Fünffingerlinde. Da waren sie wieder, die Fünf Finger. Manchmal gab es Zaubergarne, die scheinen ohne Ende zu sein. Kürzlich hatte sie eine Geschichte gelesen, war es ein Märchen oder eine Sage? Da bekam Eine ein Garn geschenkt, das niemals enden würde und ihr Reichtum bescherte. Sie durfte es nur nicht mit anderen teilen, denn dann würde der Faden ein Ende finden.

Eine spannende Geschichte und ein merkwürdiger Gedanke in einer Zeit, in der alles geteilt wird und es zum guten Ton gehört, anderen vom Eigenen abzugeben. Wo hatte sie diese Geschichte bloß gelesen?

Während sie ihr Lieblingszaubergarn aus dem Wust heraustütelte, kam ihr der Gedanke, aus dem Garn die Mütze von Nis Puk zu weben. Sie wusste, er hatte eine Mütze, mit der er sich sichtbar und unsichtbar machen konnte. Vielleicht würde er langsam sichtbar, wenn sie zuerst die Mütze webte.

So nahm sie ihre Häkelnadel und Masche um Masche enstand ein Mützchen. Während sie so häkelte, sah sie langsam ein Gesicht. Ein breites Gesicht mit einem freundlichen breiten Mund, einer dicken Kartoffelnase und Elfennohren. Dann gehörte dieser Kobold wohl auch ins Elfenreich. Er oder sie bekam Perlmut-Knopf-Augen und schaute sie an.

Nach und nach sah sie seinen Körper und wie Blaue Feder war, schnitt sie mutig einen Körper aus einem gewebten Stoff. Sie nähte alle Teile zusammen. Nun holte sie Wolle zum Füllen und formte den kleinen Körper. Es war immer ein spannender Prozeß, wenn ein kleines Wesen geboren wurde. Ihr kam viel Grün in den Sinn. Sie hätte auch den Körper grün machen können, aber fand sie keinen grünen Stoff. So machte sie die Haare grün.

Während sie so nähte, kam ihr der Gedanke, dass diese Wesen, die sie webte, oft einen Teil ihres Selbst wiederspiegelten. So schaute sie dem kleinen Wesen in die Augen und ihr kam der Name ‚Pukka‘ in den Sinn. Dann war es wohl eher ein kleines Troll-Mädchen. Sie strickte ihr noch eine Weste und sie bekam eine Hose mit verschiedenfarbigen Hosenbeinen. Ein wenig erinnerte sie an Vicky, den kleinen Wikinger mit seinem Wikinger-Helm.

Blaue Feder bereitete gerade ihren Rucksack für die Reise vor. Sie räumte ihre Kulturtasche aus und fand dabei ein Band mit einem Anhänger. Ein kleiner Wolf lachte sie an. Sie hatte das Kettchen einst auf dem Darß gefunden und mitgenommen. Dann hatte sie es vergessen. Nun legte sie es sich um das Handgelenk. Sie liebte kleine Spielereien.

Wie Freya ihre Wölfin würde sie bald durch die Wälder streifen. Dann blieb ‚Pukka‘ vielleicht zuhause und passte auf Haus und Hof auf. Dann musste sie wohl noch eine große Schüssel Pukken-Grütze kochen.

7 Kommentare zu „Woll-f-Fäden

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