Eine Haubentaucher-Feen-Geschichte

Ein Gänseblümchen begrüßte Blaue Feder am Morgen und wünschte ihr einen schönen Tag.

‚Oh danke, den wünsche ich Dir auch!‘

Sie ging ins Moor. Es war so still. Selbst der Fasan lief nicht schreiend davon, sondern ging ganz gemächlich seines Weges. Nicht einmal die Spechte trommelten, sie unterhielten sich im Flüsterton. Es war, als würden alle auf etwas Warten – ein Fest vielleicht.

Der Große Mondsee lag wie ein Spiegel ganz in Ruhe da. Noch in ihre Träume versunken, dösten zwei Haubentaucher-Feen auf dem Wasser.

Blaue Feder tauchte in ihre Träume.

Ihre Träume erzählten von einem schönen Reich tief unten am Grunde des Großen Mondsees. Es leuchtete in goldenen Farben für alle, die es fanden.

Eine junge Frau aus dem Dorf nahm einst ein Bad im Großen Mondsee. Als sie so über den See schwamm, begneten ihr zwei Haubentaucher-Feen. Die Feen erzählten von dem schönen Reich am Grunde des Sees und luden die junge Frau ein, mit ihr hinab zu tauchen.

Die junge Frau ward nicht mehr gesehen. Die Dorfbewohner trauerten um sie und dachten, sie wäre für alle Zeit verloren. Vielleicht hatte der einsame Moormann sie geholt und sie zu seiner Frau gemacht. Dann war sie wohl ertrunken. Von dieser Zeit an verschlossen die Menschen im Dorf abends ihre Türen – aus Angst, der einsame Moormann würde auch ihre Töchter holen.

Lange Jahre blieb die junge Frau in dem gold-leuchtenden Reich am Grunde des Sees. Es mangelte ihr dort an nichts. Doch dann war die Zeit gekommen an die Oberfläche zurückzukehren. Sie nahm Abschied von ihrer Heimat und kehrte in ihr Dorf zurück.

Wie war die Freude groß, als sie heimkehrte. Wenngleich sie nicht mehr die junge Frau von einst war. Ihre Haare waren grau geworden über die Zeit. Sie war wohl lange fort gewesen. Doch ihre Augen leuchteten, von dem, was sie gesehen hatte.

Wer genau schaute, sah die kleinen Wassertropfen, die an jedem ihrer Schritte hingen. Sie ließen ihre wahre Heimat erahnen. Immer hatte sie nasse Füße. Berührte sie die Zweige und die Gräser, blieben Wassertopfen an ihnen hängen.  

Im Wasser war sie eine wunderbare Schwimmerin. Am Land fühlte sie sich manchmal etwas tölpelhaft – ihr Gang war nicht so geschmeidig. Eher schaukelte sie wie eine Ente hin und her. Manchmal weinte sie, weil sie das Goldene Reich vermisste.

Wann immer sie konnte, besuchte sie ihre Schwestern und Brüdern vom Großen Mondsee und tauchte zu ihnen hinab. So blieb die Erinnerung in ihrem Herzen wach.

Sie wusste irgendwann würde das Goldene Reich auftauchen und tausend Glöckchen würden erklingen. Dann würde es allen Menschen gut ergehen, so wie ihr einst, als sie am Grunde des Sees wohnte. Diese Gewissheit trug sie in ihrem Herzen.

Blaue Feder ging weiter durch das Moor und auf vielen Seen schwammen heute Haubentaucher-Feen. Lauschte sie in die Stille, hörte sie zart den Klang Tausend Glöckchen. Auf ihrem Weg fand sie ein paar Wörter. Sie sammelte sie ein und fügte sie zusammen.

Blaue Feder ging den Alten Weg der Moosleute und verabschiedete sich vom Winter. Morgen würde der Frühling Einkehr halten. Das war es wohl, was alle in stiller Freude erwarteten.

Mit der Zeit belebte sich das Moor etwas. Die Gänse fingen an zu schnattern.

In der Gänsekuhle tanzten zwei Haubentaucher-Feen einen Tanz – einen Liebesreigen.

Blaue Feder tanzte innerlich mit und ging vergnügt weiter zum Schwanensee. Sie setzte sich auf die Bank und träumte verliebt vor sich hin.

  Sie hatte mal wieder nasse Füße. Zwischen ihren Füßen blühte ein Gänseblümchen – und nun ist die Geschichte aus.

2 Kommentare zu „Eine Haubentaucher-Feen-Geschichte

    1. Danke liebe Ulli, ich war auch draußen und habe eine tolle versteckte Wiese entdeckt mit einem sehr alten Holunder-Baum und vielen jungen Weißdorn-Bäumen drumherum. Sah aus wie eine Baum-Schule mit der alten Holler als Lehrerin. Die Erdhummeln brummten um mich herum. Ich glaube, da werde ich mal öfters hingehen und lauschen, was die Holler erzählt. Herzlich Grüße, Susanne

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