So, so

Blaue Feder saß am Fenster und Aurora zeigte ihr noch einmal, wie Eichhörnchen in den Seilen turnen. Okay, da konnten sie nicht mithalten.

Nun war das Jahr Zwei-Null-Zwei-Eins an seinem Ende angelangt und war verflogen wie nichts. Draußen wehten wieder die Winde der Veränderung über das Land.

Ihr Ausflug ins Neuland hatte am Feuer weitergearbeitet. Blaue Feder bekam richtig schlechte Laune. Im Kessel ihres Bauchraumes fing es an zu kochen, zu brodeln und ein dicker Kloß lag in ihrem Magen. Sie fühlte sich in den Kloß hinein. Sie war nicht mehr ganz so glücklich mit ihrem Brotjob in der Großen Stadt. Das hatte viele Gründe. Sie spürte eine gewisse Ohnmacht bei dem Gedanken, dass sie bis zur Rente noch fünf Jahre durchhalten musste. Häppchenweise nahm sie den dunklen Kloß in ihr Herz und tunkte ihn in die goldene Quelle in ihrem Herzen. Mit Liebe betrachtet, sah das Thema schon anders aus.

Als sie am letzten Arbeitstag aufs Land fuhr, hatte ihre Bahn Verspätung. Sie war müde, hatte Hunger und fand sich in der Schlange bei McDo wieder. Sie fühlte sich etwas abgedreht und hatte Lust auf ein paar Pommes. Mit ihr in der Schlange stand eine Frau gleichen Alters. Sie hatte auch ihren letzten Arbeitstag und sie kamen ins Gespräch. Sie lachten, weil sie eigentlich beide nie zu McDo gingen, aber irgendetwas hatte sie wohl hier zusammengebracht. Sie suchten sich eine freie Bank auf dem Bahnsteig und aßen ihre Fish und Chips. Grit arbeitete in einem Hort. Blaue Feder hatte auch viele Jahre in einem Kinderhaus gearbeitet und die Arbeit geliebt. Sie stellten sich gegenseitig viele Fragen, erzählten aus ihrem Leben und entdeckten Gemeinsamkeiten und auch Unterschiede. Es war wie eine Bestandaufnahme, wo sie gerade im Leben stehen. Viele ihrer Antworten klangen nun in der Stille in ihr nach.

Auf dem Erlebnispfad sah Blaue Feder sich vor ihrem inneren Auge mit Kindern durch die Natur pirschen und mit in ihrem Atelier werkeln. Sie selbst war dankbar für all die alten Frauen, allen voran ihre Oma, die ihr die Kreativität mit auf den Weg gegeben hatten. Sie wollte auch so eine Alte sein und Brauner Bär hatte auch nichts dagegen einzuwenden, wenn hier wieder ein paar Kinder, ob Große oder Kleine, auf dem Schwalbenhof rumwuselten.

Es war also an der Zeit Abschied zu nehmen von ihrem Job und das Ruder der Zeitgeschichte den Jüngeren zu überlassen. Sie war dankbar für diesen Job, der ihnen zum Bleistift ermöglicht hatte den Schwalbenhof auszubauen. Noch lag ein großes Projekt vor ihnen – das neue Badezimmer. Da würden sie wohl auch noch zwei Jahre dran bauen. Die Weidenschnecke auf dem Erlebnispfad hatte ihr schon zugeflüstert, das ihr Projekt nicht von heute auf morgen umzusetzen war, aber es kamen ihr nun nach und nach allerhand Ideen, wie sie den Abschied gestalten konnte. Allein die Perspektive, die sich ihr eröffnete, brachte wieder Leichtigkeit ins Spiel und vielleicht würde der Übergang tatsächlich fünf Jahre dauern. Wenn die Jahre wie dieses Jahr dahinflogen, war das wohl kein langer Zeitraum. Nachdem sie nun ihrem Leben wieder ein wenig Sinn eingehaucht hatte, konnte sie das alte Jahr gut gehen lassen.

Ihr hatten die stillen Tage gut getan. Manchmal brauchte sie eine Zeit der Ruhe, um wieder Abstand zu gewinnen und zu sehen, wo sie gerade stand. Während sie am Feuer saß, fing sie an ein neues Bild zu weben. Als sie den Keltischen Lebensbaum zeichnete, vertütelte sie sich oft. Beim Sticken wurde ihr das Muster dann klarer. Es ging immer drüber und dann wieder drunter – wie im Leben.

Ihr neues Bild ließ noch viel Freiraum für Neues. Ihr Blog hingegen lud keine neuen Bilder mehr hoch. Dann war es wohl an der Zeit, mal wieder ein paar Geschichten vom Baum des Lebens zu pflücken.

Brauner Bär und Blaue Feder gingen noch eine kleine Runde, brachten den Fasanen ein paar Körner und den Hochlandrindern die gesammelten Brötchen. Die Hochlandrinder fanden es wohl lecker.

Sie würden heute ein paar lustige Schrottwichtel-Geschenke einpacken. Auf dem Schwalbenhof war es Sylvester Brauch, lecker zu speisen und Schrott-zu-wichteln, um dann um Mitternacht mit Freunden in Ruhe auf das Neue Jahr anzustoßen.

Über der Haustür an der neuen Holzwand hatten sie noch das Hufeisen aufgehängt, damit das Glück hineinfallen konnte. In der Süddeutschen Zeitung kannst Du heute ,Zum Glück‘ lesen, warum die Menschen hier im Norden so gelassen sind. Das hing irgendwie mit den Gezeiten des Meeres zusammen. Blaue Feder und Brauner Bär werden weiter sogutwiesieebenkönnen auf ihren Funboards von Wellenkamm zu Wellenkamm surfen, im Wissen das Höhen und Tiefen den ewigen Rhytmus weben.

In der Walnuss saß nun wieder das Rotkehlchen und wünscht Dir ein schönes Neues.

Das wünschen Dir auch Taiga, Brauner Bär und die Blaue Feder. Bis irgendwann im neuen Jahr!

5 Kommentare zu „So, so

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