Als Blaue Feder diesen Morgen ihre Augen öffnete, hatte Frau Holle wieder eine feine weiße Schicht über das Land gelegt. Ihr Brigid-Feld lag noch unter einer Schneeschicht verborgen.

Sie hatte die Nacht nicht viel geschlafen, war sie ein wenig aufgeregt. Sie hatte eine Umweltdruckerei gefunden, die kostengünstig Bücher druckte mit einem Blauen Engel-Siegel. Dort konnte sie ihr Buch Das Haus der drei Farben sogar mit festem Buchrücken für wenig Geld drucken, wenn sie sich nicht verschaut hatte. Dabei kam ihr der Gedanke, dass ihr Traumhaus am Meer vermutlich auf Achill Island in Connemara in Irland stand.

Jeden Sonntag schaute sie die Videos von Terri Conroy aus ihrem Danu’s Irish Herb Garden und es fühlte sich an wie Nachhause kommen. Terri bereitete sich bereits auf Imbolc vor und Blaue Feder erinnerte sich, sie war auch eine Tochter dieser Danu. Wenn sie Terris Videos sah, verband sie sich mit ihrer Mutterseele. Doch fand sie alles, was sie damit verband, auch im Tal der BroklandSau.

In der WestArt-Ausstellung würden neben ihrem Regenbogen-Drachen auch ihre BroklandSäue durch das Museum stromern. Der Entwurf von Im Tal der BroklandSau war schon länger fertig, aber die Druckkosten bisher viel zu teuer. Vielleicht konnte sie jetzt bis zur Ausstellung ein paar Exemplare bei dieser Druckerei ausdrucken.
In dieser Geschichte, die sie vor sieben Jahren erzählte, erwähnte sie auch ihren Traum von dem Grab der Tuatha Dé Danann. Terri schrieb auf ihrem Blog von den Tuatha Dé Danann und ihrer Hoffnung, dass das Gute siegen möge. Blaue Feder hatte den Eindruck, ihre Ahnin, die sie im November des letzten Jahres rief, stammte von diesem Volk. Blaue Feder hatte in den vergangenen Jahren viel von den Feen, den Sidhe, den Tuatha Dé Danann und den Unterirdischen erzählt. Es gab viele Prophezeiungen, dass sie zurückkehren werden. Vermutlich tragen wir ihr Erbe in unserer Seele.
Es heißt, sie hatten sich in den Bauch von Mutter Erde zurückgezogen. Vielleicht zogen auch wir uns metaphorisch in unsere Höhlen zurück und tief in unserem Inneren schlummern die magischen Kräfte und Hellsinne der Tuatha Dé Danann? Vielleicht führte sie ihre Seele auf die Spuren der Unterirdischen, weil es an der Zeit war, dass wir, die Töchter und Söhne der Göttin, mit unserem Licht nicht mehr hinterm Berg zurückhalten. Wir aus den Höhlen kommen, uns aufrichten und erstrahlen in unserem Licht, wie Brigid
Wir sind kleine Lichter in einem großem Licht im Traumgeflecht von Mutter Erde.
Wenn wir uns auf die Liebe und den Frieden ausrichten, die Flamme in unseren Herzen tragen, dann beeinflusst es auch das kollektive Feld, das Traumgefecht von Mutter Erde. Am Sonntag würde wieder ein Vollmond sein und er fiel mit St. Brigid Day zusammen. Blaue Feder würde in dem Bewusstsein meditieren, dass das Licht im Bauch der Mutter anfing zu strahlen und auch in ihr. Und sie würde eine Kerze in ihrem Brigid-Schneegarten anzünden.
Imbolc lag in der Mitte vom Winteranfang und Frühlingsbeginn. Es war noch nicht der Frühling. Es war ein Zwischenraum, eine Zwischenzeit, die uns manchmal etwas Geduld abfordert, denn manchmal fühklt es sich wie Frühling an und das Birkenmädchen ruft uns und dann kommt Frau Holle zurück und schüttelt wieder ihre Betten aus. Es war ein Hin-und-Her, das ein wenig an den Nerven zerren konnte. Die Hälfte des Winters war vorbei und vielleicht begann sich der erste Funken unterm Schnee zu entfalten. Blaue Feder und Brauner Bär hatten letzten Freitag die ersten Schneeglöckchen gefunden. Die Sonne hatte sie herausgelockt und der Schnee war geschmolzen. Ein paar Tage später kam der Schnee zurück und sie wurden ihrem Namen gerecht. Als sie die Schneeglöckchen tanzen sah, kam ihr der Impuls den gleichen Weg noch einmal zu gehen, um den Raum dazwischen zu zeigen, diesen Null-Raum.


Die Tage werden spürbar länger. Blaue Feder spürte manchmal eine innere Unruhe und dann war sie wieder froh über die Impulse, die ihr zwischen den Welten gekommen waren. Es waren Möglichkeiten wieder zur Ruhe zu kommen. Sie hatte mal ihren Blog aufgeräumt und alle Geschichten unter Staunend zwischen den Welten abgelegt und sie fand, es war gar nicht so verkehrt, was sie da erzählt hatte. Im Gegenteil, erst jetzt wertschätzte sie diesen Schatz.
Leise klopfte manchmal schon das Feuerpferd an und dann lagen die Pferdeweiden wieder verwaist und leer da. Blaue Feder war als Mädchen und junge Frau geritten – doch das war lange her. Hoffentlich war ihr Feuerpferd etwas gemütlicher unterwegs.


Blaue Feder vermutete, es würde ein feuriges Jahr werden, da war es hilfreich, Möglichkeiten zu haben, immer mal wieder innezuhalten und durchzuatmen.


Letzten Freitag hatte sie die Weiße begleitet. Sie kamen bei den Hochlandrindern vorbei, hatten aber vergessen die Brötchen mitzunehmen. Sie versprachen es nachzuholen.


Es rief sie in den Birkenwald. Überall glitzerte es. Das Birkentor stand offen und sie gingen hindurch.

Das Birkenmädchen rief und Brauner Bär fragte, wohin der Weg führte.

Blaue Feder erzählte es ihm und schon waren sie mittenmang in einem kleinen Abenteuer. Es erinnerte sie an ihre Geschichte vom Birkenmädchen.
So erforschten sie den Birkenwald mit seinen Bewohnern vom Moosvolk.


Der Weg endete bei einem Graben mit einer kleinen Holzbrücke, die hinüber in ein unbekanntes Land führte. Blaue Feder wagte erste Schritte, doch dann knackte es im Holz und sie verschob die Erkundung der Schatzinsel auf später. Sie verspürte wenig Lust im kalten Wasser zu landen.

Diesen Freitag zog es sie nicht in den Birkenwald.


Eine kleine Maus huschte von rechts aus einem Schneeloch nach links in ein Schneeloch und hinterließ ihre zarten Spuren im Schnee. Sie war wohl die Wächterin des Birken-Tores. Auch die Rehe hatten ihre Spuren hinterlassen.

Der Schlangensee war in weißen Schnee gehüllt und der Schneehase hatte seine Spuren hinterlassen.

Am Montag hatte Frau Holle begonnen ihre Betten auszuschütteln. Es war der Tag, als der Neptun-Mari ihren Einzug in den Widder feierte und eine neue Epoche einläutete. Holler fuhr mit seinem Schneewagen durch das Dorf und holte sie aus ihren Träumen.

Neptun-Mari sprach bei jedem andere Themen an, je nachdem, welches Haus im Seelenplan angesprochen war. Bei der Blauen Feder war es das 6. Haus. Neptun-Mari hatte ihren Umgang mit Alltag, Pflicht und Verantwortung unter die Lupe genommen. Sie hatte ihr Pflichtgefühl aufgeweicht, nicht weil ihr Verantwortung unwichtig wurde, sondern weil sie nicht mehr über ihre Grenzen gehen konnte, ohne es zu spüren, meldete sich ihr Körper sofort. Neptun-Mari machte sie sensibel für alles, was nicht mehr im Einklang mit ihr war und sie konnte die Warnsignale nicht mehr ignorieren, Sie fing an, Pausen ernst zu nehmen, Grenzen zu setzen und nicht jede Verantwortung automatisch zu übernehmen. Sie fing an, auf ihre Bedürfnisse zu hören. Ihr Alltag wurde leichter und dafür bewusster. Gesundheit entstand nicht durch Disziplin, sondern durch Ehrlichkeit sich selbst gegenüber und in dem sie in sich reinspürte. Es ging darum, etwas zu machen, was ihr sinnvoll erschien und der alte Brot-Job hatte schon lange keinen Sinn mehr gemacht.

Wohin wollte ihre Liebe fließen? Danu wurde auch die ‚Fließende‘ genannt.

Blaue Feder lernte mit der Zeit zu unterscheiden. Tat sie etwas, weil der Druck von Außen kam oder tat sie etwas, weil es ein Impuls war, der von Innen von ihrer Seele kam? Ihr Blut-Druck hatte wohl etwas mit diesem Thema zu tun. Früher war sie ständig über ihre Grenzen gegangen, hatte sich für alles verantwortlich gefühlt. Sie wurde sogar im Urlaub angerufen, ob sie nicht mal schnell… Und als sie anfing Grenzen zu setzen, hieß es, man konnte sich nicht mehr auf sie verlassen. Was hatte sich verändert, sie verließ sich selbst nicht mehr und überhörte nicht mehr ihre innere Stimme, die sagte;
“ Nicht mehr! Nicht mehr! „
In diesem Sinne hörte sie jetzt auf zu erzählen. Der Schwalbenhof lag noch im weißen Schnee. Ab und an hatten sie die Binsen am Wegesrand schon mal angelacht, aber sie lagen noch tief im Schnee. Vielleicht würde sie ihr altes Brigid-Kreuz erst mit dem Neumond verbrennen und ein Neues flechten. Aber ein Licht würde sie im Brigid-Feld anzünden und die Flamme in ihrem Herzen hell erstrahlen lassen.
