13. Die heilige Lucia und der Dens Leonis

Blaue Feder wachte diesen Morgen dankbar auf, hatte sie verstanden, was ihre Seele ihr auf liebevolle Art und Weise vermitteln wollte. Ein großes Ei war rundgetanzt und wieder stand die Frage im Raum, hörte sie jetzt auf zu schreiben. Vor Kurzem hatte sie ein Interview mit Patti Smith gesehen und sie erzählte vom Schreiben als ihren Freund. Eine schöne Art es zu sehen und ihr neues Buch: Bread of Angels lag bereits auf ihrem Nachttisch. Dieser Freund wollte sie wohl noch bis zum nächsten Tor begleiten, wie es Freunde eben machen.

Gestern war sie ins Moor gegangen. Der Morgennebel hatte sich verzogen und sie begrüßte die Wollsammler.

Sie sah ein paar Reiher fliegen, aber keine wollte etwas von ihr. Sie schlug den Weg der Regenbogentänzerin ein. Im schmucken Grau, lud er sie ein, ihre Gehmeditation nachzuholen. Ohne Erwartung ging sie einfach, atmete und küsste mit jedem Schritt Mutter Erde.

Sie spürte die feuchte kühle Luft an ihrer Nasenspitze. Es war wieder kälter geworden. Am Ende des Weges hieß sie ein Rotkehlchen willkommen und zwei Schwäne herzten sich.

Im Hintergrund kam die Graue geflogen, aber sie stand nur da in Stille gehüllt. Und wie Blaue Feder gekommen war, ging sie ihren Weg wieder zurück und hörte ein paar Eichelhäher rufen. Sie tauchte wieder in ihre Meditation und war einfach da. Am Moorausgang holte sie ein Trupp Meisen wieder zurück aus ihrer Versenkung und sie spürte Lust auf einen Kaffee und ein Frühstück. Die Wollsammler waren etwas munterer und sie fragte sie: „In welchen Farbtopf seid ihr denn gefallen?“ „Höhö“, kam die Antwort. Im Hintergrund saß majestätisch ein Katzenadler und dachte sich seinen Teil.

Ein Stern lud sie ein, heute einfach mal zu chillen.

Wir schreiben Samstag, den 13. Dezember mitten im Advent und die Mondin ist in die Waage gewandert.

Vielerorts wird der heiligen Lucia gedacht. Ihr Name bedeutet übersetzt ‚die Leuchtende‚ oder die ‚Lichtträgerin‚.

In Schweden feiert man sie am 13. Dezember als ‚Luzienbraut‚ und bereits am Vorabend wird eifrig gebacken. In Italien gibt es ihr zu Ehren Lichterumzüge. Der Legende nach lebte sie im dritten Jahrhundert in Syrakus auf Sizilien und bekannte sich früh zum Christentum, deren Anhänger damals verfolgt wurden. Ihren Glaubensgenossen brachte sie Brot in die Verstecke. Um in der Dunkelheit den Weg besser zu finden und dennoch zum Tragen der Speisen beide Hände frei zu haben, setzte sie sich einen Lichterkranz auf den Kopf. Doch nicht deswegen endete ihr Leben dramatisch. Der Überlieferung nach wollte Lucia ihr Leben Gott widmen. Sie entging einer drohenden Vermählung. Doch der Bräutigam, den sie zurückwies, war schwer gekränkt und Lucia wurde unter Kaiser Diokletian verhaftet und überlebte der Erzählung nach verschiedenste Folterungen unversehrt, bis ein Schwert sie tötete. Noch heute ist sie ein Sinnbild für die Frau, die trotz gesellschaftlicher Konventionen ihren eigenen Weg ging.

Mit der Leuchtenden tauchte Blaue Feder in ihre Mai-Erinnerungen. Die Erde dampfte noch von den Mai-Feuern, die ersten Schwalben umkreisten den Schwalbenhof, dessen Bewohner das erste Mal in jenem Jahr draußen frühstücken konnten. Abends standen sie noch mit Wollmützen am Feuer.

Blaue Feder war an diesem ersten Mai in die Löwenzahnwiesen getaucht. Gelb und grün leuchtet es überall – überall kleine Sonnen, die das Herz erfreuten, wie die Lichter der Lucia. Es war ein schöner erster Mai und die Löwenzahnblüten verewigte sie auf einem Bild. Sie wollte sich vermehrt den Kräutern ihrer Umgebung zuwenden und lauschen, was sie ihr erzählten.

Beim Löwenzahn, dem ‚Dens Leonis‘, war ihr aufgefallen, dass er gerne in Gemeinschaft wuchs und doch war jede seiner Blüten einzigartig. Die Löwenzahnblüten sahen aus wie kleine Sonnen und erinnerten sie, dass jeder Mensch einzigartig war und mit seiner Einzigartigkeit zum Gemeinwohl aller beitrug. Wichtig war wohl herauszufinden, worin sich die Gaben ausdrückten. Der Löwenzahnspaziergang hatte ihr Freude bereitetet und sie sah ihre Einzigartigkeit darin, ihre Liebe zur Natur in der einen oder anderen Form weiterzugeben. Das war etwas, was sie der Gemeinschaft schenken konnte, wie auch mit dem zu gehen, was ihr an Ideen und Eingebungen kam. Der Löwenzahn war ein Alleskönner – ein Allround-Talent. Sie konnte ihn zum Entgiften nutzen, wenn sie dreimal am Tag seinen Tee trank. Selbst jetzt im Winter fand sie noch seine Blätter im Garten. Er konnte ihr helfen, sich auf das Wesentliche zu beschränken.

Mit dem Löwenzahn tauchte sie noch einmal tiefer, inspirierte er sie zu einem kleinen Näh-Bild. Es kam in eine alte Schublade. Im wilden Wald hatte sie einen Zahn gefunden, vielleicht von einer Katze, dann war es wohl ein Zahn des Löwen. Zusammen mit einer Pusteblume eine feine Wegzehrung, sorgen sie für den Mut und die nötige Leichtigkeit. Es ist ja nicht immer alles lustig, was einem so begegnet. Da braucht es schon mal einen Löffel voll Humor und Leichtigkeit

Und damit war das dreizehnte Ei gelegt!

4 Kommentare zu „13. Die heilige Lucia und der Dens Leonis

  1. Danke, liebe Susanne, für deine immer wieder so kunstvollen Geschenke! Ein gemütliches Advents-Wochenende für alle Bewohner vom Schwalbenhof… 🕯️🕯️🕯️​​​Liebe Grüße aus dem Brandenburger Land…

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    1. Moin Du Liebe,

      auch ich lausche gerne abends Deinen Worten auf Deinem neuen Kanal. Es ist immer eine schöne Einstimmung in die Stille zu gehen. Ich wünsche Dir und Deinem Liebsten einen schönen dritten Advent.

      Herzensgrüße Susanne 💚

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