Blaue Feder musste schmunzeln – hatte sie von der Kolibri-Medizin erzählt und erst später die Geschichte der Clanmutter, der Liebenden, in dem Buch von Jamie Sams gelesen. In der Geschichte ging es tatsächlich um den Kolibri und seine Medizin. Dann war das Taubenschwänzchen wohl eine Botin der Liebe. Kolibri erzählte von Heilung, von Freude, von Leichtigkeit, das Leben zu genießen und im gegenwärtigen Moment zu leben. Tauchte Blaue Feder in ihren Garten, lebte sie im Moment, war auch ihr Garten eine Botin der Liebe. Überall blühte es und gab es Wunder zu entdecken.

Sie hüpfte zeitlich noch einmal einen Schritt zurück. Die Wegwarte war üppig nachgewachsen und von Blattläusen übersät. Gleich kam ein Marienkäfer und fraß die Blattläuse auf – für alles gab es eine Lösung.

Die vielen Schwalben auf dem Schwalbenhof hatten die Schwalbenhofbewohner erfreut, doch mittlerweile waren es wirklich viele und diese verursachten auch viel Dreck. Es wurden bereits Doppelhaushälften gebaut. Dort wo die Schwalbenhofbewohner frühstückten, waren neun Nester und auf dem Hof insgesamt elf.


Ihr Sonnenschirm war vollgekackt und nicht nur der, das Auto, die Fenster, der Hof. Sie fragten sich, wie viele Schwalben wohl im kommenden Jahr kommen würden, waren sie ortsansässig. Was mit großer Freude begann, wandelte sich in ein Problem, auch zwischen Brauner Bär und Blaue Feder. Ihr hatten die Tage vor der Sommersonnenwende körperlich zugesetzt und auch beim Braunen Bären holten die Sommersonnen-Wend-Energien alte Themen hoch. Die Schwalben waren vermutlich nur vordergründig das Problem, aber erst einmal hing der Haussegen schief.
Unter der Woche tröstete Blaue Feder ein Hirtentäschel. Schon lange hatte sie sich dieses Kraut in ihren Garten gewünscht und nun hatte es sich zart und mit lauter Herzchen am Stängel in ihren unkonventionellen Salatbeeten von alleine ausgesät, wuchs in ihren Beeten alles durcheinander.

Sie machte sich einen Tee und war überrascht, wie intensiv diese zarte Pflanze schmeckte und wie wunderbar ihr seine leicht scharfe und bittere Note half.

Mit all dem Kuddelmuddel ging sie am Freitag ihre Runde ins Moor. Sie hatte Kopfschmerzen, ihr war schlecht und sie war traurig, weil Brauner Bär und sie es nicht schafften, sich wie zwei Erwachsene auszutauschen. Die Heckenrosen auf dem Rosenhof waren erblüht und legten sich weich um ihr Herz.

Am Ortsausgang fiel ihr Blick auf ein altes Pferd auf dem Gnadenhof und ihr wurde klar, sie waren einfach nicht mehr die Jüngsten und kamen schneller an ihre Grenzen. Daran mussten sie sich erst einmal gewöhnen und einen liebevollen Umgang damit finden.

Der Schwanensee rief sie und auf dem Weg der Regenbogentänzerin erwachte langsam wieder ihr Forscherinnen-Geist. Umschwirrt von Drachenfliegen pflückte sie sich eine Baldrian-Blüte und ihr Duft versöhnte sie. Die Binsen waren erblüht und ein Kraut lachte sie an, dass sie nicht kannte, die Akeleiblättrige Wiesenraute


Die Sommersonnenwende stand bevor und mit Bedacht schritt sie durch das Tor, welches das Ostermoor mit dem Südermoor verband und ließ die erste Jahreshälfte hinter sich.

Auf dem Weg fand sie eine Feder, ein Stein lachte sie an und ein Stück Eisen, ein Türbeschlag. Kurz vorm Schwanensee wurde sie an die Kuhle 25 gelockt.

Ohne große Erwartung betrat sie den schmalen Weg zwischen zwei Kuhlen. Umso mehr staunte sie, als sie überall das Sumpfhelmkraut anlachte.

Und als sie genauer schaute, sah sie, dass auf einer kleinen Insel auch das Sumpfblutauge wuchs.

Die Freude war groß, denn sie hatte den Eindruck das Sumpfblutauge, welches auf der Roten Liste der gefährdeten Pflanzen stand, breitete sich im Moor immer weiter aus. Nun kannte sie schon einige Stellen, an denen es wuchs.

Einst hatte sie das geliebte Kraut gemalt.

Blaue Feder erkundete noch eine Weile die feuchtnassen Wiesen auf dem schmalen Pfad zwischen den Kuhlen und machte die Bekanntschaft mit einem Seerosenzünsler, mal wieder einem Nachtfalter, dessen Raupen sich unter Wasser entwickelten.

Vom Sumpfhelmkraut durfte sie sich einen Stängel pflücken und beseelt setzte sie sich auf die Bank beim Schwanensee. Es waren die kleinen Inseln, die Lichtblicke, die ihr Herz mit Freude erfüllten. Auch der Schwanensee mit seiner Streuobstwiese war ein solcher Lichtblick und das Werk eines Naturverliebten, war der See früher ein Schrottplatz. Jetzt wohnten auch hier die Seerosen und für die Enten gab es ein neues Haus. Nur die Schwäne waren ausgeflogen.

Mit ihren Fundstücken legte Blaue Feder ein kleines Medizinrad an den Rand des Sees und die Mondin lächelte ihr zu, war sie noch als kleine Sichel zu sehen. Das Eisenteil war Pate für das Feuer, der Baldrian für das Wasser, die Feder für die Luft und der Stein für Mutter Erde. Für die Mitte bot sich ein Herzblatt von der Zaunwinde an. Sie saß noch eine Weile auf der Bank, baumelte mit den Beenen und hatte mal wieder nasse Füße – es fühlte sich vertraut an.

Langsam machte sie sich auf den Heimweg und erfreute sich an einigen Faltern in den Brummbären. Diese waren ein Eldorado für Falter jeglicher Art. In den Brummbären begegneten ihr lauter Dickkopf-Falter und Blaue Feder spiegelte sich sowohl im Spiegelfleck-Dickkopffalter, wie im rostfarbenen Komma-Dickfalter und musste grinsen.


Wer der Dickkopf war, sie oder Brauner Bär, sei dahingestellt. Innerlich musste sie grad wieder schmunzeln und als sie Brauner Bär von den Dickköpfen erzählte, war das Eis gebrochen und sie überlegten gemeinsam, wie sie mit dem Schwalbendreck umgehen wollten. Blaue Feder bestellte ein großes Sonnensegel, das sie über die gesamte Breite spannen konnten und auch mal waschen. Die Kackbretter mussten sie zum kommenden Jahr näher unter den Nestern anbringen. Als der Regen kam, hatte Blaue Feder noch eine Idee und streute Soda auf den Sonnenschirm. Der Regen tat das seinige und siehe da, der Sonnenschirm sah fast wie neu aus.
Von ihrem Stängel Sumpfhelmkraut machte sie sich einen Tee. Er schmeckte recht bitter, aber räumte auf in ihrem Inneren. Ihre Kopfschmerzen und Übelkeit waren im Nu verschwunden. Sie war tief beeindruckt von seiner heilenden Bitterkraft. Ohne dieses Kraut wäre sie vermutlich nicht mit zur NordArt gefahren.
Auf der NordArt trafen sich die beiden Dickköpfe am Seerosenteich und waren froh, dass die Schwalben keine Gänse waren, denn diese hinterließen wirklich große Kackhaufen.
