Die Wandervögel im Eiswald

Es gab nun eine feine, kleine Wanderkarte, die Wege aufzeigt rund um Ostrohe. Brauner Bär hatte lange daran gesessen und Blaue Feder hatte schöne Fotos beigesteuert. Letzten Freitag kam eine Dame von der DLZ und die Urheber wurden interviewt. Vier Jahre waren vergangen von der Idee des Nordic-Walkers bis zur Drucklegung. Brauner Bär war nun so berühmt, dass er im Sportverein von allen Seiten angesprochen und um ein Autogramm gebeten wurde – hihi.

Es waren diese kleinen Geschichten vom Miteinander, die Blaue Feder gefielen. Langsam sponn sich ein kleines Netzwerk. Brauner Bär brachte von dem Treffen eine Broschüre mit 16 Wanderwegen in Dithmarschen mit und sie schauten sich einen Weg aus. Blaue Feder ging es derzeit nicht so gut, machte ihr die Erschöpfung zu schaffen. Manchmal fragte sie sich, ob sie sich jemals wieder normal fühlen würde. Und doch war sie voller Hoffnung, dass ihre Kraft zurückkommen würde, wenn sie spielerisch ihren eigenen Herzensprojekten folgte.

Es rief sie nach Burg. Auf dem Treffen mit den Federfein-Künstlerinnen hatten sie über den Burger Kunst-Verein gesprochen. Der Vorsitzende war gestorben und wenn sich kein Nachfolger fand, würde der Kunst-Verein wohl aufgelöst werden. Blaue Feder fand es traurig und hoffte für die Region, dass sich jemand fand, die oder der es sich zum Herzensprojekt machen würde.

Sie parkten ihr Künstler-Mobile am Holzmarkt im Ortskern des schönen Ortes. Schon standen sie vor der Bökelnburghalle, wo der Burger-Kunstverein seine Ausstellung zu machen pflegte und luscherten durch die Gardinen.

Vorm Rathaus machten sie sich schlau, wie sie zu gehen hatten, wollten sie zum Waldmuseum.

Wer an Dithmarschen denkt, hat flaches Land vor Augen. Doch kommst Du vom Süden über den Nord-Ostseekanal, siehst du linker Hand einen ‚hohen‘, an höchster Stelle 65 Meter hohen Berg, der ‚Wulfsboom‚ genannt wird. Übersetzt heißt das wohl soviel Wolfsbaum. Eben auf diesem Berghang liegt Burg. Wegen seiner besonderen Lage auf bewaldeter Geest wird Burg gerne als ‚Perle der Westküste Schleswig-Holsteins‚ bezeichnet. Diese Perle oder den Wolfsbaum wollten sich die Schwalbenhofbewohner näher anschauen, besonders den Wald, sein Museum und das Paradiesquellental. Sie fanden den Weg, der zum Waldmuseum führte, doch nach einiger Zeit merkte Blaue Feder, er war ihr mit ihrem Fersensporn etwas zu weit. Deshalb holte Brauner Bär das Künstler-Mobil und sie fuhren zu einem Parkplatz unterhalb des Waldmuseums.

Hier wurden sie von einem Rotkehlchen begrüßt. Nun waren sie auf dem richtigen Weg, wie es sich an dem Schaukasten mit den einheimischen Schmetterlingen gut erkennen ließ. Der Pfad der Schmetterlinge nahm seinen Anfang. Die weiße Schlangen-Linie erinnerte sie an die Schlangenlinie, die sie in den Reif auf die Bank gemalt hatte. So achtete sie von nun an auf die Weiße Welle.

Als sie in den Wald traten, fielen kleine Eisstücke von den Bäumen. Es war wie ein Eisregen. In der Nacht hatte es gefroren und in der warmen Sonne taute der Wald auf. Sie mussten ihre Kapuzen aufsetzen. Auch beschlug die Kamera der Blauen Feder, dass es zunehmend immer mehr Hamilton-Bilder zu sehen gab.

Sie folgten dem Hasenweg und fanden den Weg, der zum Waldmuseum führte.

Hier und dort entdeckte Blaue Feder weiße Schlangenlinien an den Bäumen. Am Baum mit der Nr. 11 öffnete sich ein Feen-Tor und sie sprangen hindurch.

Im Wald standen viele Waldwichtel-Bäume. Was es damit auf sich hatte, wusste Blaue Feder nicht.

Das Waldmuseum war leider geschlossen. Es wurde in diesem Jahr umgebaut und so konnten sie den Blick über das Land vom Aussichtsturm nicht genießen.

Durch das Fenster erblickte sie wieder einen Fuchs, der sie an ihre Träume erinnerte. Lebendig hätte sie ihn lieber getroffen.

Auf dem Weg zum Walderlebnispfad hörten sie die Blauhäher heftig diskutieren. Was wohl die Wächter des Waldes zu schnacken hatten? Vielleicht machten sie sich lustig über Brauner Bär und Blaue Feder, die wieder vor einem verschlossenen Tor standen.

Allein vom beliebten Abenteuerspielplatz hörten sie lustiges Kindergeschrei. Nun, sie hätten sich vorher erkundigen können, doch so waren die beiden Schwalbenhofbewohner eben nicht. Wenn sie eine Idee hatten, fuhren sie einfach los, meistens ohne Wegzehrung.

Hinterm Museum führte ein Weg an einem kleinen Quellbach hinab ins Paradiesquellental.

Das Paradiestal war äußerst quellenreich, was auf Plattdeutsch ‚brünnig‘ hieß. Von hier wurde das Wasser für die Burger Wasserleitung entnommen. Einst gab es hier einen Kurbetrieb mit Trinkkuren und eine Zeit lang wurde auch das Paradies-Tal Mineralwasser gewonnen. Mittlerweile hatte das Waldmuseum diesen Ort wohl unter seine Fittiche genommen.

Die Wandervögel merkten bald, dass sie im Frühjahr oder Sommer noch einmal wiederkommen mussten, den Wald zu erkunden. Im Eisregen war es schwierig, obwohl sie dieses Phänomen allein für sich einnahm.

Am Fuße des Wulfsboom befand sich ein kleiner Stausee und ein Drache lag am Wegesrand.

Im Paradiestal wurde es immer feuchter, von unten wie von oben, und so entschieden die Wandervögel zum Kaffee ins Burger Fährhaus zu fahren.

Einen kleinen Einblick in diesen wundersamen Ort hatten sie bekommen. Sie würden wiederkommen und das spielende Kinderlachen klang in ihnen nach.

Beim Burger Fährhaus am Nord-Ostseekanal, dort, wo sie einst ihre Hochzeit gefeiert hatten, standen sie ebenfalls vor verschlossenen Türen. Es war eben noch Winterzeit, viele hielten noch ihren Winterschlaf und so war es auch richtig! Sie schauten noch ein wenig dem Fährmann zu, wie er seine Gäste übersetzte.

Auf dem Heimweg, als sie Burg hinter sich ließen, sahen sie einen Storch, einen ersten Frühlingsboten. Vermutlich hatte er bei den lauen Temperaturen hier überwintert.

Der Kaffee wurde dann daheim vorm Feuer getrunken. Diesen Winter hatten sie viel vorm Feuer gesessen. Nach dem Besuch im Paradiesquelltal sprudelten die Ideen nur so aus ihnen heraus. Blaue Feder erzählte Brauner Bär ihren Traum von einem Gewächshaus und wie sie waren, nahmen sie gleich den Zollstock und gingen in den Garten und nahmen Maß, wo es stehen und wie groß es sein könnte. Brauner Bär seinerseits fand einen Artikel über geförderte Projekte bei Dithmarschen aktiv. So entstand die Idee, für den Ausbau der Tenne vielleicht einen Antrag auf öffentliche Gelder zu stellen. Den Raum hinter ihrer Klönschnack-Tür hatte Blaue Feder schon seit einiger Zeit im Blick und er lag ihr sehr am Herzen. Es wäre ein schöner Raum für Ausstellungen, Lesungen, Workshops und vieles mehr.

Wie die Quellen im Paradiestal sprudelten die Ideen. Es würde sich zeigen, was sie davon in diesem Jahr umsetzen konnten. Vielleicht musste sich die Blaue Feder auch erst von ihrer Erschöpfung erholen. Manchmal dauerte es eine Weile, bis sich eine Idee verwirklichte, wie bei der Wanderkarte. Schön war es, wieder gemeinsam Ideen zu spinnen, hatte es im vergangenen Winter noch anders ausgesehen, als Brauner Bär krank war. Würden sie im kommenden Winter zurückschauen, würde sich vermutlich auch die Blaue Feder wieder anders fühlen. Schon beim Ideenweben spürte sie, wie die Freude wieder in ihr Herz einkehrte.

Zunächst einmal wurden ihre Kunstwerke für die Bewerbung zum Meldorfer Culturpreis fertig gewebt. Blaue Feder träumte ihren Traum vom wirbelnden Regenbogendrachen weiter. Sie hatte die Haselstäbe gegen kerzengerade Kiefernstäbe eingetauscht. Vielleicht war es stimmiger, war die Kiefer ihr Drachenbaum. Die Hasel brachte sie mehr mit der Schlange in Verbindung. Wer weiß, vielleicht kamen die Haselstäbe erst im Schlangenjahr zum Einsatz. Die Idee von Brauner Bär mit der Holzkonstruktion funktionierte – denn ihr Drache flog fein im Acht-Eck. Nun konnte sie ihre Bewerbung einreichen.

Der Traum vom wirbelnden Regenbogendrachen

In der Bewerbung wurde darum gebeten, einen kleinen Text zu schreiben, was zur Erschaffung des Kunstwerkes geführt hat. Blaue Feder schrieb:

In einem Jahr des Drachens wurde ein Regenbogen-Drache geboren. Zunächst war nur sein Schwanz zu sehen. Nach und nach schlüpfte er aus seinem goldenen Ei und machte seine ersten Schritte. Es dauerte eine Weile, eben ein Drachenjahr, bis er fliegen konnte. Selbst, vor 60 Jahren, in einem Drachenjahr geboren, war es mir eine Herzensangelegenheit das Wesen meines Drachens nähend und stickend zu erforschen.

Es begann mit der Idee ein Ahnentuch zu weben und der Frage, wer meine Ahnen waren und sind. Im Auge des weisen Drachens wurde mir schnell klar, dass ich mich mit allen Wesen innerhalb unserer Planetaren Familie verwandt fühle, seien es die Tierwesen, die Vögel, das Baum-Volk, die Pflanzenwesen, das Kleine Volk und die Feen, die Steinwesen, das Sternen-Volk und alle Elementarwesen, wie auch meine Schwestern und Brüder vom Clan der Menschen. Die Erde ist unsere Mutter, der Himmel unser Vater und unsere Großeltern sind Großmutter Mond und Großvater Sonne.

Spürend ging ich von Mond zu Mond, Schritt für Schritt in meinem Rhythmus und erkannte meine Medizin-Gaben. Verwandt-sein spricht davon, gute Beziehungen zu haben zur eigenen Schöpfungskraft, zum eigenen Selbst und eine liebevolle Beziehung zu allen Wesen.

Mein Regenbogen-Drache erzählte mir den Traum vom wirbelnden Regenbogen, den Traum von einem liebevollen und friedlichen Miteinander in seiner Vielfalt, wie er in vielen Schöpfungsmythen unserer Erde erzählt wird.

4 Kommentare zu „Die Wandervögel im Eiswald

    1. Liebe Claudia,
      ich freue mich sehr über Deine Rückmeldung. Ich habe jetzt die Bewerbung eingereicht und bin gespannt, ob mein Drache im Museum mit anderen Kunstwerken fliegen darf. Mein Partner bewirbt sich auch – voll spannend. Ich schaue gleich mal, ob Du neue Glücksmomente gemalt hast. Herzensgrüße, Susanne

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  1. hallo liebe susanne!

    sooo viele schöne worte/text und sooo viele schöne fotos/bilder!!! dieser neue beitrag von dir ist wieder sehr gelungen und bringt viel freude in die welt 😉

    dankeschön für das mitnehmen auf euren ausflug – feine gegend und tolle bäume.

    deinen bewerbungstext finde ich auch stimmig und gelungen und drücke natürlich ganz doll die daumen, daß du bei der ausstellung dabei sein kannst!

    alles gute für dich und deine lieben!

    aljoscha

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    Gefällt 1 Person

    1. Moin Aljoscha,

      danke für Deine liebe Rückmeldung. Den Wulfsboom und das Paradiesquellental fand ich sehr spannend. Diesen Ort möchte ich noch einmal genauer erforschen. Meine Bewerbung ist bereits unterwegs. Dirk hat seine Bilder jetzt auch fertig und muss noch die Bewerbung schreiben. Er macht sicherlich nicht sooo viele Worte, wie ich. Voll spannend- ich würde mich sehr freuen, wenn wir beide bei der Ausstellung dabei wären.

      Eine schöne Woche für Dich, Susanne

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