Die kleinen Sonnenblumen auf dem Schwalbenhof waren goldgelb erblüht, eine Zinkbadewanne voll und mit ihnen der August.

Ein Zaunkönig kam am Abend zu ihr auf den Hof, wackelte mit seinem Federschwanz und fragte, ob sie nicht ein wenig weitererzählen wollte. Es war etwas Zeit vergangen – Blaue Feder hatte eine kleine Reise nach Dänemark unternommen und viel erlebt. Ihre Reise-Erlebnisse mussten noch ein bisschen sacken und reifen, so erzählte sie einfach von dem Davor.
Davor tanzten elfenzart die Nigella, die Jungfern im Grünen und die blauen Kornblumen in ihrem Garten.

Sie hatte in einem Buch von einem Feen-Tor gelesen und hatte sich an einem Morgen auf den Weg gemacht, mit der Frage, was für sie ein Feen-Tor war. Und schon die Frage auf der Schwelle ihres Hofes zu stellen, war der erste Eintritt für sie in die Anderswelt. Ihr Bewusstsein richtete sich aus, auf das, was sich ihr zeigte.


Meister Lampe hoppelte den Weg am Lindenhof entlang und Blaue Feder folgt ihm. Er führte sie zu Windpferd, der sie bereits ungeduldig mit ein wenig Gras im Maul erwartete. Schon schwang sie sich auf seinen Rücken und flog mit ihm über Wiesen und Weiden. Ein kleiner Rehbock ließ sich beim Grasen nicht stören. Sie begegnete Buddy und seinem Herrchen. Buddy nahm ein Bad und Blaue Feder sagte ihm, es würde ihr jetzt auch gefallen. So lassen sich die Hundstage gut aushalten. Der Hund schaute sie erstaunt an – vielleicht war er es nicht gewohnt, dass sich jemand normal mit ihm unterhielt.


Die Schwalben waren mittlerweile flügge, kamen aber gerne in Scharen zum Schwalbenhof zurück. Manchmal hatten die Schwalbenhofbewohner den Eindruck, sie richteten ihre Nester schon für das kommende Jahr her.

Nun, diese erste Episode zeigte ihr, wie Tiere eine wichtige Funktion hatten, sie in die Anderswelt zu begleiten.
Blaue Feder kam zu ihrem kleinen wilden Wald, der sie mit Blätterrascheln begrüßte und auch den Blauhäher hörte sie ein Willkommen krächzen. Sie konnte Elfen und Feen nicht mit bloßem Auge sehen, aber mit ihrem inneren Auge wahrnehmen. Sie spürte ihre Anwesenheit, wie ein Kribbeln auf der Haut oder eine Freude im Herzen. Manchmal raschelte ein Busch, obwohl kein Wind wehte. Sie ging einfach davon aus, dass sie da waren und sprach mit ihnen, wie mit anderen Freunden auch.
Sie pflückte sich einen Stängel Mädesüß und sein feiner Duft katapultierte sie augenblicklich in die Welt der Elfen und Feen.

Gleich stand da eine Fee beim Feen-Baum und eine andere Alte setzte sich zu ihr und paffte mit ihr ein Pfeife. Es war wohl eine Friedenspfeife. Blaue Feder merkte, wenn sie den Frieden in sich nährte, die Steine in ihrer Galle aufhörten zu rumpeln. Wenn sie losließ und das, was sie gerade machte, mit Liebe tat, kehrte Ruhe ein. Momentan konnte sie auch in Windeseile in eine andere Energie eintauchen; sich aufregen über Dinge, die sie eh nicht ändern konnte. Dann rumpelte es in ihrer Galle, dass ihr das Lachen verging. – So spürte sie, es lag an ihr, wie sie der Welt um sich herum begegnete.
Der Duft einer Pflanze war für sie auf alle Fälle ein Einfalls-Tor. Ebenso war es ein Leichtes in der Gegenwart eines Baumes, wie dem alten Weißdorn, in das Reich der Feen zu tauchen; selbst, wenn der Feengarten hinter Zäunen und Schlössern verschlossen lag.

Besondere Orte können uns in eine andere Schwingung versetzten, die uns mehr wahrnehmen lassen, wobei der Ort auch nur für sie besonders sein konnte und für andere war er vielleicht Pillepalle.
Bei den Kräuterweisen-Weiden lachte sie diesmal der Sumpfhornklee an, der auch in ihrem Garten wuchs. Wenn sie den Hornklee sah, landete sie unweigerlich in Irland auf dem Hornhead, einem Feenhügel in Donegal, der ihnen lustige Erfahrungen beschert hatte. So zauberte der Hornklee ihr jedes Mal ein Lächeln auf das Gesicht.

Aus den irländischen Erfahrungen wusste sie auch, dass Orte, wo Weißdorn und Schwarzdorn beieinanderstanden wunderbare Feen-Tore waren.

Langsam ging sie hindurch und staunte nicht schlecht, als dort ein roter Wollfaden in den Schlehen hing. Die Zeichen und Fingerzeige des kleinen Volkes waren einfach zauberhaft. Dann würde sie wohl nun dem roten Faden folgen und band ihn sich um ihr Handgelenk, damit sie ihn nicht verlor.


Nach dem Gang durch das Feen-Tor erblickte sie eine Bank. Jede Bank konnte ein guter Ort sein, sich mit der Anderswelt zu verbinden. Eine Bank lädt ein zu verweilen und in die Stille zu tauchen, besonders wenn ein kleines Rotkehlchen sich im Busch dahinter versteckt.
Das größte Feen-Tor findet sich wohl in unserem Herzen und dafür braucht es nur uns selbst.

Gleich darauf fand sie ein Feen-Tor, wie es im Buche stand, dort wo zwei Buchen miteinander verwachsen waren. Es lag etwas hoch, doch hatte sie sich mittlerweile selbst in eine Fee verwandelt und es war ein leichtes durch das Tor hindurchzufliegen.
Sie flog noch zu einem anderen Feen-Tor am Rande ihres Dorfes. Dort standen zwei Eichen in liebevoller Umarmung und sie nutzte das Feen-Tor, um wieder aus der Anderswelt in ihre Welt, in ihr Dorf zurückzukehren.

Am Dorfrand sah sie eine Ratte in den Büschen verschwinden und fragte sich, warum sie so verschrien war, ritt Ganesha in Indien auf ihrem Rücken ins Glück.
Unter ihrer Eiche erstrahlte die neue Wanderhütte im Sonnenlicht. Sie würde vermutlich der Ausgangspunkt für viele schöne Wanderungen in das Zauberreich der Elfen und Feen rund um Ostrohe sein.

Daheim erwartete sie ihr freundlicher Grüner Mann frisch geduscht im Bademantel. – Nun, Blaue Feder hüpfte wohl schnell mal zwischen den Welten hin-und her, wie das Eichhörnchen vor ihrem Fenster, welches gerade von Ast zu Ast sprang und eine erste Walnuss auf ihren Reifegrad prüfte.

Daheim nahm Blaue Feder den roten Faden und ihren Kehricht. Die Ratte hatte sie erinnert, dass sie Taiga noch ein Maus filzen wollte. Sie legte den Faden wie eine Spirale auf den Kehricht und mit etwas Shampoo und heißem Wasser walkte sie ihr Filz-Gut zwischen Knallfolie und einem Handtuch hin und her, bis sich die Fasern miteinander verbanden. Und als sie ihr kleines Filz-Teil in den Händen hielt, hatte es sich in eine kleine Herbst-Blume verwandelt. Die Herbst-Blume hatte sich also in dem Kehricht versteckt – wie spannend. Sie würde ihren Platz im Herzen des Drachens finden.

Schaute Blaue Feder ihre Kerzen im Atelier an, dann sah sie, wie die letzte Kerze in ihrem Medizin-Rad am meisten heruntergebrannt war.

Sie freute sich, weil es ihr zeigte, wie sie von Monat zu Monat mehr und mehr Zeit in ihrem Atelier verbracht hatte. Nicht immer werkelte sie dort, manchmal saß sie auch einfach nur auf ihrem Sessel, tauchte in die Stille und wunderte sich, was so alles mit den Jahren dort entstanden war. Ihr Atelier war auch so ein Feen-Ort, in dem sie einfach sein durfte.
Grad fiel ihr ein Wortspiel auf:
Tor- Rot-Ort
Ob es von Belang war?

Was hatte die Alte zu ihr gesagt:
Komm wieder, wenn Du etwas eigenes gemacht hast.
Blaue Feder war mit sich im Frieden – sie fand, sie hatte ihren eigenen roten Faden gewebt.

Auf der nächsten Kerze wurde ein Fest angekündigt, Lugnasad, mit dem die Iren den Ersten Herbst feiern. Die Herbst-Anemonen waren bereits in ihrem Garten erblüht und die Schnitterin übernahm nun wieder den Stab. Blaue Feder würde es gemeinsam mit der dunklen Luna in ihrem Atelier feiern und eine neue Kerze anzünden.
DANKE, liebe Susanne… Fühlbar begleitete ich dich hier gerade auf deinem Weg durch die Welten… 🙏
Von Herzen grüßt,
Elke
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Liebe Elke,
wie schön mal wieder Deine Stimme hier zu hören. Fühlbar fühlt sich gut an.
Danke für Deine lieben Worte und eine schöne Neumond-Zeit. Ich hüpfe jetzt mal in den Garten.
Herzensgrüße auch zu Dir, Susanne
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✨🤗✨
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ich bin ganz beseelt von deiner wundervollen Geschichte und Reise
Danke und eine dicke Umärmelung
Anja
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Moin Du Liebe, das freut mich sehr. Schön von Dir zu hören. Ich bin gestern im Garten selbst zur Schnitterin geworden, habe Kartoffeln geerntet und Klarschiff in den Beeten gemacht. Grad spüre ich jeden Knochen. Ich hoffe, es geht Dir gut. Drücke Dich, Susanne
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Liebe Bruni, vielen Dank für Deine liebe Rückmeldung und noch eine schöne Woche, Susanne
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liebe susanne!
deine tierbegegnungen am anfang der geschichte gefallen mir ausgesprochen gut. es ist auch mir immer wieder eine freude, den verschiedensten tieren im wald und auf den wiesen zu begegnen und zu schauen, was da schwingt und welche informationen ausgetauscht werden wollen…
ich liebe mädesüßduft!!! aber nicht nur den. hier blüht zur zeit auch das waldgeißblatt und eine distelart, deren botanischer name ackerkratzdistel lautet, die ich aber „true honey“ nenne, weil sie wirklich KÖSTLICH nach honig duftet.
an diesen dufttankstellen mache ich gerne diese einfache thich nhat hanh atemübung: ein/aus, tief/langsam, ruhe/leichtigkeit, lächeln/lösung, gegenwärtiger augenblick/wunderbarer augenblick. und schwebe dann völlig beseelt von dannen.
alles gute für dich und deine lieben!
aljoscha
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Lieber Aljoscha,
Deine Ackerkratzdistel würde ich gerne mal kosten. Ich halte mal Ausschau nach ihr. In der Natur komme ich auch am besten ins Hier und Jetzt. Heute morgen war ich Moor, traumhaft mit den Morgennebeln.
Ich wünsche Dir eine schöne Woche mit vielen Sternschnuppen!
Herzensgrüße, Susanne
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