Gleich zwei Stürme tobten über das Land und heulten in der Nacht. Blaue Feder musste aufpassen nicht fortgeweht zu werden. Sichtlich bemühte sie sich in ihrer Mitte zu bleiben. Ob es ihr immer gelang, hihi, verrät sie nicht. Die Stürme zerrten an ihrem Nervenkostüm – irgendwann gab sie auf zu kämpfen und legte sich im Dunkeln vor den Ofen und gab sich hin.
Mit der vollen Luna webten sich neue Energien ins Weltengeflecht. War die neue Mondin noch mit den erdverhafteten Steinbock-Energieln versehen, standen sich nun die Löwe-Mondin und Wassermann-Sonne gegenüber. Zum Vollmond stand der Uranus, der zum Wassermann gehörte präsent oben in der Himmelsmitte im Stier und holte er noch einmal das Thema mit den Bewertungen ins Blickfeld. Immer wieder fragte sich Blaue Feder, ob es genug war, was sie mit der Welt teilte. Reichte es, wenn sie ihrer Kunst nachging und Geschichten schrieb? Wollte ihre Seele mehr? Reichte sie? War sie genug?
Ihre Seele, die in ihrem Herzen wohnte, lächelte still und so kam Blaue Feder mehr und mehr dahinter, es ging darum, sich selbst die Erlaubnis zu geben, den Raum für sich selbst zu nehmen. Sie liebte es im stillen Kämmerlein zu nähen, sie liebte es im großem Atelier zu malen, sie liebte es durch die Natur zu streifen, sie liebte es kleine Geschichten zu erzählen. Ging es nicht darum, dass wir machen, was wir lieben, wofür unser Herz schlägt, was uns Freude bereitet? Die Frage war, wieviel Raum wollte sie diesen Tätigkeiten geben – wieviel Raum erlaubte sie sich zu geben, wieviel Raum war sie sich selbst wert.
Schaute sie in ihre Ursprungsfamilie, dort wo die Ängste zuhause waren, sah sie sich schon als Kind in ihrem Bett Geschichten schreiben und malen. Sie hatte kein eigenes Zimmer, nur eine kleine Ecke im Schlafzimmer der Eltern. Der Raum um sie herum war klein und so hatte sie auch später viele, viele Jahre in kleinen Zimmern gewohnt und trotzdem große Bilder gemalt.

Nun hatte sie ein großes Atelier, lebte auf einem großen Hof – doch wenn sie schrieb, zog sie sich in den kleinsten Raum des Hofes zurück – hier schrieb, schlief und meditierte sie. Jetzt nähte sie auch hier, weil es ihr zu kostspielig war, das große Atelier einzuheizen.

Hier auf kleinstem Raum wurde nun ein Drache geboren, wie in einem Schoßraum – schon war die Schwanzspitze zu sehen.

Blaue Feder hatte den Kreis mit dem Ahnenhaus mit aufgenäht. Für sie war es stimmig so. Das Ahnenhaus trug die Energie des Steinbockes in sich und sie hatte es im Dezember zur Mütternacht gestaltet. Ihr eigener Drachenschwanz, der in ihrem Horoskop stand auch im Steinbock, der absteigende Mondknoten. Wenn sie ein Ritual machte, dann musste es nur für sie stimmig sein. Während sie nähte, spürte sie in sich hinein, wie es sein wollte.
Während sie nachspürte, fiel ihr ein Buch aus ihrem Regal entgegen. Sie hatte es im Herbst gekauft und dann erst einmal beiseite gelegt. Es hieß ‚Die 13 ‚original‘ Clan Mütter‘. Das ‚original‘ konnte ihrer Meinung nach gut weggelassen werden. Es erzählte von 13 Einweihungsschritten der indianischen Medizinfrauen in die ur-eigene Kraft. Sie las ein Gedicht von Jamie Sams und es klopfte an ihr Herz.
Nachtwind
Der Nachtwind kommt und heult,
klopft an meine Tür,
zwängt sich
durch Ritzen
in den uralten Wänden aus Lehm,
bringt die Geister mit,
die auferstanden sind
von den Gebeinen der Clanmütter.
Ich lausche.
Ich höre.
Sprechende Trommeln und Gesänge
reiten auf dem Wind.
Es wird Zeit.
ich nehme mein Tuch,
schleiche mich hinaus in die Nacht
um zu tanzen, zu feiern,
denn die Büffel sind zurückgekehrt!
Blaue Feder hatte 13 Kreise gewebt und hier ging es um 13 Archetypen von Clan-Müttern. Es schien ihr spannend, nachzuspüren, ob sie mit dem, was Jamie Sans erforscht hatte, in Resonanz gehen konnte. Es berührte sie, was sie fürs Erste gelesen hatte und so würde sie jeden Monat in ihre Geschichten tauchen. Es war wie ein Rahmen, den sie sich steckte. Er gab ihr Halt für das neue Jahr und an ihn heftete sie ihre ersten Fäden. Wenn sie sich verlor, konnte sie sich an den Fäden wieder zurückholen.
Und während sie sich Raum gab und ihren Seelenimpulsen nachspürte, wurde ein Drache geboren. Bisher sah sie nur seinen Schwanz. Aber was sie sah, gefiel ihr. Der regenbogenfarbene Schuppenstoff war wunderbar.

Als sie durch das Winterland gewandert war, hatten sie die Birken und die Haseln angestrahlt.


Deshalb legte sie schon mal vorsichtig den nächsten Kreis auf ihr Ahnentuch und spürte hinein, ob das Thema schon dran war. Sie hatte Birke und Hasel hineingewoben und den Beifuß vom Schöneberger Strand für die Selbst-Ermächtigung. Für sie klang das neue Thema schon an, weil der Vollmond in einem anderen Zeichen stattfand, als der Neumond. Für sie webten sich schon langsam die Imbolc-Energien ein, wuchsen die Lämmer bereits in den Bäuchen ihrer Mütter langsam heran, wie auch ihr Drache langsam geboren wurde.

Blaue Feder legte sich jetzt ihr Tuch um und schlich hinaus, um zu tanzen und zu feiern. Sie tauchte nun mit Haut und Haaren in die Energien die vollen Luna und wünscht Dir ein schöne Zeit des Spürens.
Die Geburt des Drachens hatte sie an die Geburt des Drachens erinnert während der Undinen-Zeit im vergangenen Jahr. Sie hatte damals ein Video aufgenommen und es dann eine Zeit lang versteckt. Jetzt im Nachhinein fand sie durchaus schön und zeigenswürdig. Damals hatte sie Angst gehabt, es zu zeigen und es war okay so, müssen wir den Raum, den wir uns geben, auch halten können. Wie groß der Raum sein darf, können wir nur forschend herausfinden.
ja!
der regenbogenfarbige stoff ist wunderschön!
und der drachenschwanz sieht fein aus
und ich bin schon gespannt, wie es damit weitergeht…
liebe grüße aus der eifel,
bzw nachher aus köln: ich will mir
im museum ludwig die
füsun onur retrospektive anschauen.
ihre werke könnten dir auch gefallen – glaub ich.
habs gut!
aljoscha waldwanderer
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Oh ja, spannende Installationen, mal wieder eine Künstlerin, die ich nicht kenne. Ich werde es wohl bis übermorgen nicht mehr nach Köln schaffen. Bleibt mir mal wieder der Katalog, hihi… Ich glaube, mein Drache wird fein. Ich habe Dir noch gar nicht auf Dir Schneekarte geantwortet, bin grad etwas durch. Doch draußen regnet es Bindfäden, da kann ich Dir mal schreiben. Grüß mir Köln und viel Spaß in der Ausstellung. Susanne
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guten Morgen meine liebe Susanne, danke für diese wunderbare und berührende Geschichte. Ich würde sie gerne an jemanden weiterleiten (die Partnerin meines Sohnes) ihr würde sie gerade jetzt besonders gut tun….
Ich/wir hoffen dir und vor allem auch deinem Liebsten geht es gut:
Fühle dich umärmelt
LG Anja
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Moin Du Liebe, ich habe noch garnicht geantwortet. Du kannst die Geschichte natürlich gerne weitergeben. Freut mich, wenn sie Dich berührt. Drücke Dich, Susanne
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