Es hatte die Tage noch einmal viel geschneit. Die Winter-Alte hatte das Land fest im Griff. Einige hatten den Schnee satt, andere freuten sich über den Winter. Es war ungewohnt, hatte es lange nicht mehr, einen so langen Winter gegeben.

Taiga war zum Stuben-Tiger mutiert. Sie mochte keinen Schnee. Sie folgte den Schwalbenhofbewohnern auf Schritt und Tritt. Ab und an verschwand sie mal in der Tenne oder im Stall. Meistens lag sie über der warmen Heizung oder am Ofen.


Am Morgen spiegelte sich ihre Kerze im Fenster und erinnerte sie daran, ihr inneres Feuer zu hüten. Es war kurz nach dem Neumond, als Blaue Feder den Impuls bekam ihre Runde zu drehen. Sie trank in Ruhe ihren Tee und kuschelte mit Taiga. Vom kuscheligen Bett aus gesehen, war ihr klar, sie hatte einen spektakulären Sonnenaufgang im Moor verpasst.
Gerade war sie etwas müde von den ’spektakulären‘ Botschaften. Derzeit war sie manchmal auf Instagram, für die Ausstellung zu werben. Wenn sie durch die Beiträge scrollte, war es ihr schnell zu viel. Jeder zweite Post erzählte vom Feuerpferd – was sie nun alles beachten musste und welche Botschaft es mit sich brachte. Es kam ihr vor wie ein Wirbelwind, der kurz auflammte und dann wieder abebbte. Es kam ihr vor, wie ein spiritueller Leistungsdruck.
Blaue Feder ging am liebsten in die Natur und lauschte ihren eigenen Empfindungen. Zwischen all den bewegenden Momenten mit der schönen Ausstellung, fühlte sie manchmal einen Anflug von Traurigkeit. Dieser Traurigkeit wollte sie ein wenig nachspüren, konnte sie grad nicht unterscheiden, ob es ihre war oder woher sie kam. Vermutlich war sie in diesen Momenten nur müde und brauchte eine Pause.
Die dunkle Luna kam mit einer Sonnenfinsternis daher. Blaue Feder las die Tage über den Saros-Zyklus. Sie hatte nicht gewusst, dass auch die Mond- und Sonnenfinsternisse einem Zyklus folgten. So gab es vor bummelig 18 Jahren schon einmal eine ähnliche Konstellation und in bummelig 18 Jahren würde es wieder eine solche geben. Das fand sie spannend, denn rückwärts können wir erkennen, was sich in unserem Leben verändert hat. Deshalb schaute sie, was sie 2008 bewegte.
Tatsächlich fand sie in ihrem Tagebuch einen Eintrag, dass sie von einem großen blonden Mann geträumt hatte mit einem Resthof auf dem Land. Eineinhalb Jahre später lernte sie Brauner Bär kennen und erinnerte sich an ihren Traum. Und mit ihrem Schatz erfüllten sich gleich zwei Träume, von einem lieben Partner an ihrer Seite und dem Wunsch aufs Land zu ziehen. Damit änderte sich ihrer beider Leben nach und nach komplett und von den vergangenen 17 Jahren mochte sie keinen Augenblick missen.
Dieses Beispiel zeigte ihr, dass sich ein Neubeginn auch leise ankündigen kann, wie mit einem Traum. Oft ist es nicht ein Paukenschlag, mit dem sich alles ändert, sondern manchmal ist es nur eine vage Ahnung, die ihre Zeit brauchte, sich zu verwirklichen. Blaue Feder wusste nicht, wo sie in 18 Jahren stehen würde. Sie wäre dann um die 80 – ob sie dann noch auf Mutter Erde weilen würde?
So gagelte Blaue Feder diesen Morgen los und fragte sich, ob sie die Energie des Feuerpferdes spüren konnte. Wer hatte eigentlich angefangen, die asiatischen Jahreszeichen ins Kollektiv einzuspeisen. Vielleicht war es Patti Smith mit ihrem Buch ‚Im Jahr des Affen‘. Schon turnte ein kleiner Affe in einer alten Eiche. Ein Eichhörnchen machte auf sich aufmerksam. Dünn sah es aus und erinnerte Blaue Feder wieder Nüsse rauszulegen.

Die Sonne hing in den Bäumen am Ende der alten Eichenallee. Sie war mittlerweile in die leisen Fische weitergewandert. Nebel lag über dem Land.

Drei Ponys standen draußen auf der Weide beim Lindenhof und eines blickte Blaue Feder an.
Bist du mein Feuerpferd?

Stille – Präsenz
Ostrohe war ein Dorf der Pferdeliebhaber. Es gab den Sportverein und die Pferdegilde. Blaue Feder war als Kind und junge Frau viel geritten. Nun zog sie nichts mehr auf den Rücken der Pferde. Aber gerne schaute sie den Kindern beim Ringreiten zu. Was diese Energie wirklich bedeutete, würde sich wohl im Kreis des Jahres zeigen.
Der Muttermund einer alten Eiche lachte sie an. Dort waren die Fotos zu ‚Ein neuer Tag wird geboren‘ entstanden.

Der Ostroher Weihnachtsbaum lag auseinandergesägt am Ringreiterplatz. Dort, wo einst das Geisterhaus stand, waren einige Bäume gefällt oder beschnitten worden. Irgendetwas tat sich auf dem Grundstück. Vielleicht würde ein neues Geister-Haus gebaut.
Blaue Feder begegnete einer Wacholderdrossel. Aufgeplustert saß sie in einem alten Weißdorn. Stolz zeigte sie ihre gefleckte Brust. Grau war ihr Kopf – eine wahre Schönheit.
Hast Du eine Botschaft für mich?

Achte auf dein Haus, deinen Körper und deinen Raum. Kläre immer wieder deine Aura, dein Energiefeld.
Derzeit waren sie fast täglich in der Ausstellung und hatten Kontakt zu den unterschiedlichsten Menschen, mit denen sie über die Kunstwerke sprachen. Gestern hatte sie lange mit Anneliese geschnackt. Sie feierte diese Woche ihren 90. Geburtstag. Vielleicht war sie grad ein wenig wehmütig um den Geburtstag herum? Hatte Blaue Feder ihre Traurigkeit gespürt? Sie hatte ihr das Buch von den BroklandSäuen geschenkt und sie hatte sich gefreut. Anneliese Peters war selbst eine Schreibende. Sie hatte unter anderem ein Buch über die Lebenswege von 36 Männern und Frauen geschrieben, die im 20. Jahrhundert in Meldorf gelebt haben und mit ihrem Sein das Stadtbild geprägt hatten. Es hieß Meldorfer Charakterköpfe. Vielleicht erzählte irgendwann jemand auch Annelieses Geschichte, hatte sie mit ihrem engagierten Wirken ebenfalls viel zum Meldorfer Kulturleben beigetragen.


Sie kam zu den Wollsammlern. Am liebsten würde sie die Wollknäule alle reinholen in den warmen Stall.
Wie kommt ihr bloß mit der Kälte klar?
Von den Wollsammlern lernte sie Geduld. Denn für vieles brauchte es den langen Atem.

Am Schlangensee traf sie einen jungen Mann, den sie öfters mit seinem Hund traf. ‚Du bist zu spät dran!‘, sagte er.
‚Soso‘, sagte Blaue Feder. Er erzählte ihr vom Sonnenaufgang im Nebel, der wohl überirdisch war. Das konnte sie sich gut vorstellen. Doch war sie zu spät, zu früh oder genau richtig? Es lag immer im Auge des Betrachters. Sie dachte an das Jahr der Schlange, welches nun sein Ende fand. Würde sie sich nun nicht mehr häuten? Das war wohl ein sehr individueller Prozess. Wenn eine Heilung im Raum stand, dann stand eine Heilung im Raum, egal ob Schlange oder Pferd.
Auch in der Ausstellung war sie mit vielen Meinungen und Bewertungen konfrontiert. Der eine fand dies und die andere das. Am besten kam Blaue Feder mit den Menschen klar, die einfach erzählten, was sie fühlten, wenn sie ein Bild betrachteten. Schwierig fand sie, wenn es ans Analysieren ging. Jede Begegnung war anders und Blaue Feder ging hinterher gerne in die Natur, um sich wieder zu klären und bei sich anzukommen.

Ihre Eule hing etwas abseits in der Ecke, wo die Bücher, die Lebensläufe und die Visitenkarten lagen – die weise Eule bei den gesammelten Erfahrungen. Bald würde sie lautlos, wie es ihre Art war, ins Waldmuseum fliegen. Die Leiterin des Museums war in der Ausstellung. Blaue Feder erinnerte sich, wie die Wandervögel vor einem Jahr den Eiswald auf dem Wolfsboom erforscht hatten. Leider hatte das Museum damals gerade geschlossen, wurde es umgebaut. Dann lernte sie die Museumleiterin beim KunstGriff kennen. Dort hatte sie wohl schon mit der Eule geliebäugelt. Nun kam sie und wollte die Eule für das Waldmuseum kaufen. Im Juni würde es neu eröffnen und die Eule sollte im Foyer einen Ehrenplatz bekommen. Blaue Feder hing an ihrer Eule, hatte sie ein Jahr im Schwalbenhof gewohnt. Eigentlich hatte sie das Bild nicht verkaufen wollen, aber, als die Museumleiterin fragte, sagte sie sofort ja, weil es sich stimmig anfühlte. Und dort konnte sie ihre Eule auch besuchen. So weben sich manchmal unsichtbar im Hintergrund die Fäden, ohne dass wir es mitbekommen und Blaue Feder freute sich.
Die Schwalbenhofbewohner befanden sich in einer Schwellenzeit. Brauner Bär war dieses Jahr in Rente gegangen und Blaue Feder würde ihm im kommenden Jahr folgen. Ein neuer Lebensabschnitt stand für sie beide an. Spannend blieb, wie es sich künstlerisch bei ihnen weiterentwickelte, denn dort lag der Fokus in ihren Herzen.

Der Tanz der Nebelfrauen erinnerte Blaue Feder an Neptun-Mari, die sich an diesem Tag mit Saturn, der alten Weisen, verabredet hatte zu einem Stell-Dich-Ein. Sie reichten sich die Hände und gingen ein Stück des Weges zusammen. Grad fühlte es sich an, als käme etwas in ihr wieder mehr in den Fluss und sie beobachtete es in Ruhe.
Wenn ihr zukünftiges Ich zurückschauen würde, was hätte sich in ihrem Leben verändert?
In erster Linie würde sie sich wohl keinen Stress mehr machen. Bei ihr fand diese Begegnung im sechsten Haus statt, dem Haus der Arbeit und der Gesundheit. Demnächst fuhr sie noch einmal ins Tal der sprudelnden Quellen, war ihre Reha genehmigt. Ihr Gänsebild erinnerte sie daran. Es war das dritte Mal, dass sie nach Bad Pyrmont fuhr und sie würde ihre Aufmerksamkeit auf einen liebevollen Umgang mit ihrem Körper setzen, denn ohne ihren Tempel konnte sie all die wunderbaren Erfahrungen nicht machen. Dieses Versprechen hatte sie einst den Gänsen gegeben. Sie freute sich auf diese Auszeit, wo sie sich nur ihrem Körper zuwenden konnte, mit ein wenig Bewegung, ein bisschen Abnehmen und wieder in Schwung kommen. Sie freute sich auf die heilenden Quellen und auf die Externsteine, die mal wieder riefen.

Noch bis zum 25.02. lief ihre WestArt-Ausstellung und Blaue Feder war dieses Wochenende von 15 bis 17 Uhr zum Museumsdienst eingeteilt. Wer zur Taschenlampenführung kommen möchte, kann sich heute noch anmelden. Danach würden sie mit einem Punsch-Umtrunk ihre schöne Ausstellung feiern.
Die Botschaft ihres Medizinganges lautete im Wesentlichen wohl:
‚Es ist nie zu spät!‘

Es ist nie zu spät, der eigenen Seelenspur zu folgen, auch wenn sie nur ein kleines Stück des Weges freigab.
Ihr Weg durch den Nebel erzählte ihr von dem Mut, sich in unbekannte Territorien zu wagen und den eigenen Weg durch die Unsicherheiten des Lebens zu finden. Es war wie eine Einladung, die eigenen Sinne zu schärfen, sich auf die innere Führung zu verlassen und die verborgenen Wege hinter den Schleiern zu erforschen.
– Während Blaue Feder schrieb, löste sich der Nebel auf, die Sonne kam heraus und es wurde ein strahlend schöner Tag.
Immer wieder schön, liebe Susanne, deinen Worten zu „lauschen“ bzw. sie zu lesen…Deine Eule… ja, sie flog und landete schon so einige Male in deinem Bloghäuschen… Jedes Mal erfreute ich mich an ihr aufs Neue… Die gute alte Eule ist (m)ein Krafttier… Möge sie ein wundervolles neues Zuhause finden und all ihre Besucher erfreuen… 🦉Sei gegrüßt von Herzen… Alles LIEBE, Elke
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Moin Du Liebe,
sie freut sich schon auf ihr neues Zuhause, den geheimnisvollen Wald auf dem Wolfsboom. Da gibt es viel für sie zu entdecken und für mich auch.
Habt ein schönes Wochenende. Für mich führt der Weg wieder in die Ausstellung – bin gespannt, welche Abenteuer mich dort heute erwarten.
Herzensgrüße,
Susanne
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