Eine Elster kam am Morgen in ihren Garten und fand nicht eine Nuss. Blaue Feder ging hinaus, brachte ihr welche und fand eine kleine schwarze Feder. Elstern erinnerten Blaue Feder an die Wunderlinde, den ‚Groet wonderlich Boem‘, der einst nicht un-weit auf der anderen Seite der BroklandSau gestanden hatten.
„Nahe der Aubrücke bei Süderheistedt, Kirchspiel Hennstedt, wo in alten Zeiten ein Hauptverteidigungswerk des Landes und feste Schanzen angelegt waren, stand zu den Zeiten der Freiheit auf einem schönen, runden, mit einem Graben umgebenem Platze eine Linde, die im ganzen Lande nur der Wunderbaum genannt ward. Sie war höher als alle anderen Bäume weit und breit umher, und ihre Zweige standen kreuzweise, also dass niemand ihres Gleichen gewusst; bis zur Einnahme des Landes hat sie jedesmal gegrünt. Aber es war eine alte Verkündigung, sobald die Freiheit verloren wäre, würde auch der Baum verdorren. Und solches ist eingetroffen. Einst aber wird eine Elster darauf nisten und fünf weiße Junge ausbringen; dann wird der Baum wieder ausschlagen und von neuem grün werden, und das Land wird wieder zu seiner alten Freiheit kommen.“
Soweit Professor Müllenhoff, Kiel, der diese Erzählung 1845 in seiner Sagensammlung aus Schleswig, Holstein und Lauenburg veröffentlichte.
Der letzte Tag in Vedersø Klit, einem Ort irgendwo am Meer, war angebrochen. Die Welten-Reisenden trafen sich zum Frühstück. Sie waren nicht allein. Eine rotgestreifte Sandwespe saß am Fenster und leistete ihnen Gesellschaft. Blaue Feder erzählte Brauner Bär, dass sie am Morgen im Badezimmer ein merkwürdiges Wesen gefunden hatte, dass sie mit Brille noch etwas genauer untersuchen wollte und bei genauere Betrachtung stellte es sich, als eine dicke vollgesogene Zecke heraus. Natürlich suchten sich die Welten-Reisenden gleich ab, ob das Wesen vielleicht ihr Blut ausgesaugt hatte. Sie fanden aber keinerlei Bisswunden an ihrem Körper. Was blieb war dieser kalte Schauer, der beim Anblick von Zecken, ihr den Rücken runterlief und eine gewisse Angst. Blaue Feder brauchte eine Weile, die Bilder loszulassen und die Angst abzuschütteln. Wenn sie das Tier gebissen hatte, konnte sie eh nichts dran ändern, so dachte sie.


Sie brachten beide Tiere zurück in die Natur, wo sie hingehörten. Sie selbst hatten sich entschieden am Abend heimzufahren, um der großen Hitze zu entkommen, die für den kommenden Tag angekündigt war. Nach dem Frühstück überlegten sie gemeinsam, was sie an diesem Tag noch erleben wollten. Für den Strand war es ihnen zu heiß. Blaue Feder ließ der Troldeskov nicht los und sie schauten noch einmal zusammen auf der Landkarte, wo er lag. Auf dieser waren Wege mit Namen eingezeichnet und sie stellten fest, dass sie bereits auf dem richtigen Weg gewesen waren, dem Bundgårdsvej, dem Hofweg, auf dem sie nur nicht weit genug gelaufen waren. Sie konnten auch von dem bekannten Parkplatz am Grauen Weg starten und zum Troldeskov gelangen. Also führte sie ihr Weg wieder in die Husby Klitplantage und sie nahmen einen Weg, der auch für Rollstuhlfahrer geeignet war.

Ein großer Ameisenhügel machte auf sich aufmerksam und sie beobachteten eine Weile die fleißigen Ameisen. Auch bei ihrem Hobbit-Haus waren viele Ameisen, die zum Glück vor der Tür blieben.


Bald kamen sie zum Landgrejweg, der Lehmgrubenweg, und Blaue Feder wusste, es war der Weg, der sie zum Bundgårdsvej führte.

Die Stimmung im Wald war wieder schön, allein durch das Sonnenlicht, welches durch die Bäume fiel.


Sie trafen ein junges Pärchen mit Kinderwagen und die junge Mutter sammelte etwas am Wegesrand. Blaue Feder versuchte herauszufinden was es war, traute sich aber nicht sie anzusprechen – vielleicht waren es junge Fichten- oder Kiefernsprossen.

So kamen sie auf den Bundgårdsvej und waren der gleißenden Sonne ausgesetzt. Das war nicht so nach ihrem Geschmack, aber sie näherten sich wohl ihrem Ziel. Ein Waldstück mit abgestorbenen Bäumen erschien rechts und Blaue Feder fragte sich, mehr im Scherz, ob es einst der Troldeskov gewesen war. Sie liefen nun schon wieder eine Weile und sie war kurz vorm Aufgeben. Diesmal blieb Brauner Bär bei der Stange und riet ihr durchzuhalten. Und dann sah sie den erlösenden Wegweiser am Wegesrand stehen und sie wusste, was auf der anderen Seite geschrieben stand.

Hurray, nun ging es hinein in den sagenumwobenen Troldeskov. Doch im ersten Moment waren die beiden Welten-Reisenden ein wenig enttäuscht, kam der Wald auf den ersten Blick nicht so spektakulär daher, wie er sich angekündigt hatte. Blaue Feder kam der Gedanke:
‚Das Wesentliche ist für das menschliche Auge unsichtbar.‘
Blaue Feder fragte sich auch, was wohl der Unterschied zwischen Wichteln und Trollen war.
Wichtel wurden gemeinhin als Wesen bezeichnet, die von der Gestalt und Art menschenähnlich waren, aber deutlich kleiner. Sie lebten gerne in unterirdischen Gemeinschaften, in Höhlen oder in versteckten Ecken in den Häusern der Menschen. Im Allgemeinen wurden sie den Menschen gegenüber freundlich und helfend beschrieben und halfen oft unaufgefordert bei der täglichen Arbeit. Manchmal baten sie ihrerseits die Menschen um Hilfe und es kam vor und sie tauschten ein menschliches Kind gegen ein eigenes aus.
Beim Troll schienen sich die Geister zu scheiden, denn mal waren sie Riesen und eher Einzelgänger und dann wieder Zwerge; auf jeden Fall Geistwesen mit Zauberkräften, bedeutet das Verb trolla – zaubern. Es gab wohl auch eine Verwandtschaft zu dem französischen drôle – ulkig, drollig und dem deutschen drollig und englischen droll – scherzen, jemanden scherzhaft hereinlegen.
Blaue Feder und Brauner Bär kamen in einen Wald mit ein paar alten und verdrehten Kiefern.



Wunderbar war wieder dieser harzige Duft. Wenn Blaue Feder sich morgens die Haare fönte, hatte sie merkwürdigerweise wieder diesen Duft in der Nase. Vielleicht hatte er sich in ihrer Aura festgesetzt und wenn sie die Haare fönte, wirbelte er wieder auf. Sie konnte sich ihre kurzen Haare auch in der Luft trocknen, aber in diesen Duft zu tauchen, war einfach wunderbar.
Es wurden Geschichten erzählt, da verwandelten sich Trolle im Schein der Sonne zu Steinen. Das war wohl in diesem Wald der Fall – jedenfalls entdeckten sie nach und nach einige bemalte Steine in den Kiefern.





Blaue Feder versuchte ein wenig tiefer zu tauchen, denn das, war sie im Äußeren sahen, war wohl nicht das Wesentliche. Auffallend waren die vielen Nachtfalter, die in diesem Wäldchen flogen und Blaue Feder meinte Trolle auf ihnen reiten zu sehen. Vermutlich waren sie Gestaltwandler und konnten sowohl groß, wie auch winzig klein sein.


Es war eine Atmosphäre in dem Wald, die sie einlud selbst Schabernack zu treiben, närrisch zu sein und albern. Das war ansteckend und überkam sie beide. Nicht alles so ernst nehmen, sich gegenseitig necken und Spaß haben. Und ein bisschen ging es auch darum, alte Bilder loszulassen, die wir von Trollen haben, dass sie uns gar Böses wollen. So war die Energie an diesem Ort jedenfalls nicht. Sie lud eher ein, Sachen zu hinterfragen und genauer wahrzunehmen. Was auch immer dort in diesem Wäldchen mit ihnen passierte, für Blaue Feder fühlte es sich rund an. Sie strahlte wie ein Honigkuchenpferd, konnte nun gut nach Hause fahren und durch ein Trollen-Tor verließ sie den Troldeskov.

Bei einer Bank fanden sie noch einen Stein, eine Erinnerung an Amy.



Ein Kleiber lud sie ein, immer mal eine andere Perspektive einzunehmen. Blaue Feder beobachtete auch eine Singdrossel in geheimer Mission.


Sie entdeckten noch weitere riesige Ameisenhügel, fanden ihren lilafarbenen Weg wieder und schlüpften am Ende durch ein Feen-Tor endgültig aus dem Zauberwald und Blaue Feder hörte noch einmal die Zaunkönige, wie zum Abschied.



Der Wald hatte alle ihre Erfahrungen mit wohlwollenden Augen betrachtet und ihre Erlebnisse würden unvergessen bleiben.

Blaue Feder wollte eigentlich noch mehr erzählen, doch für heute war es genug. Es erleichterte sie, denn ein wenig drückte sie sich davor vom Wesentlichen zu erzählen. Sie war noch nicht am Kern der Geschichte angelangt. Doch manchmal war es gut, noch einmal drüber zu schlafen, damit es in ihr heranreifte, wie die Himbeeren draußen am Busch.
Die Sage von der weißen Elster kenne ich natürlich, ich dachte es wäre eine Krähe. Nun habe ich in meinem Garten eine Krähe mit einigen weißen Federn und finde das schon sehr ungewöhnlich!
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Moin Du Liebe, im Wappen von Süderheistedt ist es eine Elster. Ist ja auch ein Rabenvogel. Auf der Rückfahrt von Dänemark haben wir weiße Rehe gesehen. Ich beobachte das Phänomen schon eine Weile und schreibe in der nächsten Geschichte darüber. Liebe Grüße an die Eider
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