Von Mistkäfern und Steinpilzen

Sie hatten den Vorplatz gefegt. Ayla, ihre Dorfeiche, hatte schon ordentlich mit Eicheln nach ihnen geschmissen. Nun wurde das Herbstplakat in den Schaukasten gehängt.

Die Mondin war in den Steinbock gewandert. Badewannen von Wasser ergossen sich vom Himmel. Doch manchmal steckte die Sonne ihren Kopf aus den Wolken hervor. In einem solchen Moment fragte Brauner Bär, ob sie zum Mühlenteich fahren wollten.

Sie musste lachen, als sie beim Mühlenteich ankamen, denn rund um den Mühlenteich hatten die Menschen Mobiles in die Bäume gehängt. Wie in ihrem Traum, wo lauter Fünfsterne im Baum hingen, hingen hier Friedenstauben, Bienen, Bilderrahmen und andere Symbol in den Bäumen.

Langsam verfärbte sich das Herbstlaub und der Boden war bedeckt mit Eicheln und Bucheckern. Sie gingen den Weg an der Westerau entlang. Das Auental lag tief im Wasser. Die Westerau hatte sich in einen kleinen Bach mit ordentlich Strömung verwandelt.

Manch ein Baumstumpf bildete sein eigenes Universum mit unterschiedlichen Vegetationszonen, von Moosen über Pilze, Efeu und Klee. Hier begegnete Blaue Feder der erste Mistkäfer.

Sie wanderte gedanklich im Jahr zurück. Ihre Erzählungen vom Geschichtenhaus hatten mit einem kleinen Skarabäus begonnen, den sie in einer alten Dose mit Schlüsseln gefunden hatte. Sie hatte den Glücksbringer mit einigen Schlüsseln zur Adventszeit an einen Hainbuchenzweig gehängt, den sie hier im Auenwald geschenkt bekommen hatte. Nach und nach hatte sie die Räume ihres Geschichtenhauses mit den Schlüsseln aufgeschlossen. Nun fragte sie sich nochmals, was ihr wohl der Skarabäus hatte erzählen wollen.

Ihr kamen Begriffe wie Selbst-Fürsorge, Selbst-Liebe, Selbst-Genügsamkeit und Selbst-Versorgung und Eigen-Verantwortung in den Sinn – ganz schön viel Selbst! Er hatte sie an ihre eigene Kraft erinnert. Sie war den Räubern ihrer Kraft oder ihres Feuers langsam auf die Schliche gekommen und hatte Veränderungen in ihrem Leben angeschoben. Als sie so der Westerau beim Fließen zusah, kam ihr in den Sinn, Veränderung war ein fließender Prozess, der seinen eigenen Gesetzmäßigkeiten folgte. Hier und dort zog ein Fluss seine Schleifen. So war es ihr auch ergangen. Sie hatte etwas Neues angeschoben, dann wieder abgewartet und mit jeder Schleife, die sie zog, war sie tiefer in die Erfahrung getaucht.

Noch blieben drei Räume in ihrem Geschichtenhaus zu erforschen. Die Sonne war mittlerweile in die Waage gewandert und ihr neues Kapitel hieß: ‚Den Sprung wagen.‘

Sie hatte auf einer Medizinwanderung mit der Frage, was ihr Feuer sei, einen Hasel-Stock, als ihr Feuer erkannt, einen Feuerstein und einen springende Puma gefunden. Mit den Fundstücken hatte sie einen Raum des Geschichtenhauses gestaltet. Feuerstehl-Geschichten waren ihr aus der eigenen Tradition nicht bekannt. Ihr fiel aber die Geschichte von Vasalisa ein, die das erloschene Feuer in einem Totenschädel aus dem Haus der Baba Jaga zurückholt. Sie fand auch eine Feuerstehl- Geschichte bei der lieben Cambra: Die Feuerperle

https://www.yumpu.com/de/document/read/63062453/die-feuerperle

Sie fragte sich, wie ihr Leben wohl verlaufen wäre, wenn ihr Feuer von Anfang an liebevoll genährt worden wäre? Müsste sie dann hingehen und ihr Feuer zurück stehlen? Sie stellte diese Frage einfach mal so in den Raum.

Brauner Bär fand eine Schnecke. Spiralig wie das Schneckenhaus entwickelte sich das Leben. Blaue Feder traf den zweiten Mistkäfer auf einem Stein. Dieses Jahr lagen viele Steine auf ihrem Weg, wie auch in ihrem Garten und manches Mal musste sie aus Scheiße Gold machen. Ein kleiner winziger Pilz auf einem großen Baum berührte ihr Herz. Wie der Pilz hatte sie sich manchmal gefühlt, klein und zart auf rauher Borke, die wie hohe Meereskämme daher kamen.

Brauner Bär wollte umdrehen und sagte, hier käme doch nichts mehr. Doch Blaue Feder tauchte weiter in Pilz- und Mooswelten. Sie dachte, sie hätte ein Krause Glucke gefunden, aber es war wohl ein anderer Pilz. Mit Pilzen kannte sie sich nicht aus. Sie konnte gerade mal Steinpilze und Maronen erkenne, weil sie als Kind mit den Eltern Pilze sammeln waren. Der ‚kleine‘ Bruder hatte ein gutes Auge für Steinpilze gehabt.

Dann fanden sie die Klaue eines Adlers und auch den Körper dazu. Aus einem verbliebenen Auge schaute er sie an. Hier wurden die feuchten Waldwege mit allerhand Schotter zur Befestigung aufgeschüttet. Sie hieften den Adler auf einen Baumstamm. So kam er noch einmal zu Ehren und konnte von hier aus sein Territorium überblicken.

Nun gingen sie zurück und auf dem Heimweg begegnete sie dem dritten Mistkäfer. Sie sah ihm zu, wie er den Wald aufräumte und vergammelte Pilze beseitigte. Ihr kam in den Sinn, auch sie hatten in diesem Jahr viel aufgeräumt und ausgemistet.

Es gab noch weitere Pilzwelten auf dem Rückweg zu erforschen und viele Namen zu entdecken.

Wie es den Anschein nahm, hatte auch Blaue Feder ein Auge für Steinpilze und so gab es am Abend eine kleine Pilzpfanne und die war ziemlich lecker.

9 Kommentare zu „Von Mistkäfern und Steinpilzen

      1. Huhu, hier ist Deine Antwort. Die Stadt hat uns so in Beschlag. Wir waren schon an vielen schönen Orten, haben Kunst geschaut. In Schönbrunn waren wir nicht. Das schaffen wir auch nicht mehr, weil wir morgen früh wieder heimfahren. Das Wetter war ja wunderbar diese Woche. Herzensgrüße Susanne

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  1. Das ist eine sehr schöne Wanderung, liebe Susanne, die ihr durch Mutter Natur hier wieder – nachfühlbar – erlebt habt… Was gibt es doch immer auf wieder auf solchen Wegen noch für so manch kleine oder auch größere Überraschungen und Gechenke zu entdecken… auch unsere Freunde, die Naturwesen, sind wie ich sehe stets dabei! Dankechön fürs Mitnehmen! 🙏😊
    Her(z)bstliche Grüße,
    Elke

    Gefällt 1 Person

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