Es war so still…

Taiga schlief auf ihrem Stuhl.

Am Himmel über dem Schwalbenhof sah sie ein kleines Loch und schlüpfte hindurch. Dann war sie auf der anderen Seite. Es war so still. Die Stille war so dicht, als wäre sie in Watte gepackt. Sie fühlte sich gehalten.

Auf der anderen Seite am Himmelszelt gab es wieder ein spannendes Stell-Dich-Ein.

Mars, Uranus und Mondknoten trafen sich zu einem ‚geheimen‘ Treffen auf 18 Grad im Stier. Es wurde gemunkelt, sie wollten ein Tor öffnen für einen Wertewandel – ein Tor, vielleicht wie das kleine Wolkenloch. Nun, so geheim war das Treffen wohl nicht, denn viele sprachen davon und natürlich fragte sich auch die Blaue Feder, was dieses Treffen für das Große Ganze, wie auch für sie bedeuten mochte.

Bei der Blauen Feder fand dieses Treffen im Siebten Haus statt. Das Große Ganze war ihr zu groß, aber das siebte Haus war überschaubar, war es das Haus der Beziehungen. Hier war die Venus zuhause, die auch im Stier für allerhand Schönes sorgte, wie ihr Stier-Liebster, der ein paar Figuren in das Regal im Wohnzimmer gestellt hatte. Sie entdeckte sie am Morgen und war liebevoll berührt von dieser kleinen Versammlung.

Ein liebevoller Umgang mit sich selbst, wie mit anderen war wohl von Wert.

Blaue Feder besuchte Ayla, ihre Dorfeiche. Eine Weile saßen sie beisammen. Sie unterhielten sich nicht. Sie saßen nur in Stille beieinander und ein paar blaue Strohblumen bezeugten es.

Dann gagelte sie weiter.

Sie sah ein Rotes Fahrrad auf grünem Grund.

Sie sah rote Hagebutten auf grünem Grund.

Sie sah rote Rosen auf grünem Grund.

Der Neuntöter wartete schon auf sie auf einem Weißdornbusch. Auch er saß nur still da. Nach einer Weile fragte er: „Darf ich Dir jemanden vorstellen?“ Er flog hinüber auf die andere Straßenseite und Blaue Feder lernte seine Liebste kennen. Es war schön sie beide vereint sitzen zu sehen.

Sie wünschte dem Neuntöter-Pärchen noch einen schönen Tag, gagelte weiter zum Großen Mondsee, bis eine Engelwurz sie anlächelte. Blaue Feder dachte an ihr Engelwurzweiblein und das Narrenkastl vom vergangenen Jahr.

Der Zugang zum See war von Gelbweiderich gesäumt. Der Große Mondsee lag still, so still da. Hier standen Gelbweiderich und Blutweiderich beieinander.

Der Große Mondsee lud sie ein, sich ins Gras zu setzten, sich hinzulegen und in die Stille zu lauschen. Sie spürte die Erde unter sich, fühlte sich getragen und schloss die Augen.

Blaue Feder schaute noch einmal zurück auf die vergangene Zeit und ihr wurde bewusst, wie wichtig die Zeiten der Stille waren, wie weg-weisend Pausen und Aus-Zeiten waren, lernen und verstehen wir oft erst im Nichts-Tun. Im Nichts-Tun verweben sich die Dinge auf ihre Weise.

Die Graue kam geflogen, die eine Meisterin des Wartens war und grüßte leise. Hätten die Mücken ihr nicht juckend zugeraunt, es wäre Zeit zu gehen, würde sie wohl immer noch am Großen Mondsee liegen und Wolkenbilder schauen.

Ein schöner Schmetterling namens ‚Waldbrettspiel‘ holte sie wieder auf die Erde zurück und erinnerte sie an den baldigen Urlaub – wieder eine Auszeit. Wie Perlenketten reihten sich in diesem Jahr die Auszeiten aneinander – das war wirklich eine neue und ungewohnte Erfahrung.

Sie würden viel Zeit auf dem Schwalbenhof verbringen, aber auch dem Ur-Laub eines uralten Waldes lauschen. Ein Ort namens Goldenbaum rief sie im Serrahner Wald. Der Serrahner Wald war ein alter Buchenwald im Müritz Nationalpark. Es hatte ihnen im Zauberwald auf dem Darß gut gefallen, dass sie kurzerhand das Haus eines Rangers gebucht hatten, der ihnen vielleicht mehr von ’seinem‘ Wald erzählen konnte.

Die Tage war ihr, wie von Zauberhand eine Idee zugeflogen, wie sie einfacher und viel leichter die Geschichte vom ‚Blauen Haus unter der Linde‘ erzählen konnte. Immer wieder ging es in diesem Jahr um dieses Innehalten, loslassen und dann schukkelten sich die Dinge zurecht.

Auf dem Rückweg lachte sie wieder die Engelwurz an und sie tauchte in ihren weißen Wolkenduft. Ihr fiel ein, sie hatte noch Engelwurz-Samen im Kühlschrank liegen, weil sie zu den Kaltkeimern gehörte. Sie hatte sie dort vergessen. Diese Samen würde sie nehmen und dort aussäen, wo sie das Gefühl hatte, ihre Medizin könnte nützlich sein. Daheim machte sie sich einen Tee aus Engelwurz. Er schmeckte nicht so lecker, etwas bitter, aber hüllte sie in warme weiche Wolken.

In der Woche hatte sie geträumt, ein Mitglied aus ihrem Familien-Clan würde sich auf seine letzte Reise begeben. So, wie sie sich langsam aus dem Arbeitsleben zurückzog, zog er sich Stück für Stück aus seinem Leben zurück. Der Tod war ihr nicht fremd – hatte sie schon einige Menschen auf dieser Reise ein Stück des Weges begleiten dürfen, doch dieser Mensch hing ihr sehr am Herzen. Mit offenem Herzen hatte er sie, die Verwaiste, vor dreizehn Jahren wie seine eigene Tochter in seiner Familie willkommen geheißen. Sie hatten einen guten Draht, wie es so schön hieß – und viel miteinander erlebt in der Zwischenzeit. Er hatte den Familien-Rat einberufen und wollte erzählen, wie er sich seinen letzten Lebensabschnitt vorstellte. Allein sein bewusster Umgang mit dem Thema, berührte Blaue Feder zutiefst. Bisher hatte sie ihre Gefühle ein wenig umschifft, doch nun weinte sie und ließ die Tränen fließen. Sie ließ die Tränen fließen und es war still – in ihr.

Sie rief den Alten Vater an und sie schnackten eine Weile. Sie lauschte seiner lebendigen Stimme und war beruhigt.

Dann ging sie in ihr Atelier und erinnerte sich an das Buch und Karten-Spiel von Ulla Janascheck und Cambra Skadé ‚Göttinnenzyklus‚. Darin war das 7. Haus dem Atelier zugeordnet. Sie würde es einmal raussuchen, ein wenig darin stöbern und spielen.

Sie legte das Hörbuch ‚Stein und Flöte‚ ein und Taiga und sie lauschten der Geschichte von Lauscher, während sie ihr Bild weiterwebte.

Hier findet Ihr alle Texte von Ulla zu den Häusern, den Wirkstätten der weisen Frauen, aus dem Buch ‚Göttinenzyklus‘.

http://sternwelten.net/grundlagen-der-astrologie/haeuser.html

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