Grün-Donnerstags-Mäandern

Gründonnerstag gab es draußen Frühstück. Sie lauschten den Gesängen der Vögel. Sie hörten auch den Ruf des Austernfischers. Dann pütscherten sie noch ein bisschen rum. Brauner Bär strich die neue Gartenpforte in Schweden-Rot. Blaue Feder erinnerte das Bullerbü-Rot an Tomte Tummetott, der wohl ein Verwandter von Nis Puk war.

Blaue Feder nahm ein paar Vorhänge ab und machte sich an die ersten Fenster. Nun hatten sie wieder voll den Durchblick. Beim Putzen dachte sie oft an ihre erste spirituelle Lehrerin. Sie kam aus Ostfriesland und neben viel Humor, hatte sie ihnen das Putzen beigebracht – innen wie außen. Blaue Feder fand es immer spannend, was sie beim Aufräumen und Putzen alles fand. Luisa Francia schrieb wohl auch gerade an einem Buch über das Putzen. Da war sie schon niescherig drauf.

Sie trafen sich auf einen zweiten Kaffee auf dem Hof und Brauner Bär fragte Blaue Feder:

Machen wir heute einen Ausflug?‘

Sie hatten die ganze Urlaubswoche auf dem Hof rumgerödelt und grade ging ihnen die Puste aus. Schnell war entschieden, wohin die Reise ging – in den Auenwald.

Es war Gründonnerstag und da bot sich ein Spaziergang durch das Grüne Herz Dithmarschens an. Auch wenn die Sonne sich versteckt hatte, war allein der Anblick der grünen Auenwaldes ein Genuß. Da ging ihnen sofort das Herz auf und verliebt, Hand in Hand, folgten sie der Au. Die Buschwindröschen lachten ihnen zu und das Scharbockskraut hatte einen gelben Teppich im Auenwald gewebt.

Als sie hineingingen, sahen sie Rehe grasen, die Graue saß majestätisch im Auental, eine große Eule flog auf und ein Zaunkönig sang sein Lied.

Der Klee war erblüht und verhieß einen glücklichen Aufenthalt.

Auch im Auenwald gab es neue Bänke, die zum Verweilen einluden. Blaue Feder setzte sich an die hintere Schleife der Au. Sie dachte, es muß ein großer Landschafts-Geist sein, der eine so schöne Landschaft zaubert. Als sie die Augen schloß, sah sie nur Grün.

Hier war schön zu sehen, wenn ein Bach seinem natürlichem Lauf folgt, er durch die Landschaft mäandert. Schaute Blaue Feder auf die vergangenen Monate zurück, war auch sie mäandert. Nicht so genau wissend, wohin die Reise ging, war sie mal hierhin und mal dorthin geflossen. Auf den Spuren von Nis Puk hatte sich ihr ein neues Forschungsfeld eröffnet. Lange Zeit wusste sie nicht, wie es weitergeht und dann war sie plötzlich mittenmang. Mit Nis Puk tauchte sie nun in das Feld der Elementarwesen. Zu den Zwergen passten auch die Steine, die auf sich aufmerksam machten, die großen und die kleinen Edelsteine. Sie hatte in einem ihrer Sagenbücher auch noch eine Geschichte zu dem Stein im Brutkamp gelesen. Den hatte wohl ein Riese dorthin geworfen.

Blaue Feder hatte den Eindruck, sie schrieb die Geschichten vom vergangenen Jahr einfach fort. Die Geschichte vom ‚Blauen Haus unter der Linde‚ war gerade etwas in den Hintergrund getreten. Das war manchmal so. Es konnte sich aber auch wieder ändern. Das Jahr war noch lang. Dafür rückten die ‚Geschichten aus dem Tal der sprudelnden Quellen‚ in den Vordergrund. Da Blaue Feder sehr erschöpft war, hatte sie eine Kur beantragt. Sie hatte sich bei dem Kurantrag gewünscht, noch einmal nach Bad Pyrmont ins Tal der Sprudelnden Quellen zu reisen. So war es gekommen. Die Kur war genehmigt und sie durfte noch einmal drei Wochen dort verbringen. Sie wusste noch nicht wann, aber sie freute sich darauf.

In Bad Pyrmont hatte sie sich vor vier Jahren auf die Spuren von Marko Pogacnik begeben, einem Künstler und Geomant, den sie ganz gerne mochte. Sie kannte ihn nur von Vorträgen, aber seine Art zu erzählen, mochte sie gerne. Grad las sie noch einmal sein Buch über die Elementarwesen und vieles, was sie die vergangenen Jahre erfahren hatte, bekam noch einmal einen anderen Namen. So erzählt er in seinem Buch von den Faunen in den Bäumen und Blaue Feder dachte an die Baumwesen, die beim Ecoprint sichtbar wurden.

Die Beiden Weltenbummler tauchten noch tiefer in den Auenwald. Jeder folgte seinen Eingebungen. Blaue Feder besuchte ihren kleinen Thron und die Hainbuche. Sie war bevölkert mit Schnecken. Überhaupt luden viele Schnecken sie ein, langsam zu machen.

Vielleicht war es auch ein kleiner Geist, der diesen Zauber verbreitete, wer weiß das schon. Die Buschwindröschen lachten, die Erdhummel summte und ein Frosch erinnerte sie irgendwie an Nis Puk.

Als sie die Augen öffnete, sah sie nur Grün.

Das Grün tat ihren Herzen und ihren Lungen gut. Wieder daheim verzog sich Brauner Bär ins Atelier und Blaue Feder auf ihr Bett mit neuen Geschichten von Nis Puk. Ein Buch von Boy Lornsen mit seinen schönsten Abenteuern war gekommen. Gegen Abend sah man Blaue Feder eine Pukengrütze kochen. Die brachte sie zur alten Holler, als Dank für das kleine Volk. Sie hatte keine Gerste bekommen und so nahm sie Haferflocken, Rosinen, Braunen Zucker und ordentlich Butter für die Grütze. Sie schmeckte sie kurz ab und befand sie für lecker.

Sie selbst suchte sich im Garten neun Kräuter für eine Suppe. Sie fand Löwenzahn, Brennnessel, Schafgarbe, Gundermann, Knoblauchrauke, Majoran, Schnittlauch, Rosmarin und Gänseblümchen. Sie tat eine große Kartoffel in die Suppe, etwas Lauch und Schmand und ließ es sich schmecken. Brauner Bär machte sich lieber eine Pizza mit neun Sorten Käse. Naja, wer Brauner Bär kennt, weiß, er mag keinen Käse – so war wohl Spinat auf der Pizza. Manchmal machte sich jeder seins.

Die Ostertage kam Liebevolles Herz zu Besuch und dann würde es Spargel geben und den mochten beide zum Abwinken gern. Gemeinsam würden sie in das hiesige Quellental tauchen und den Harke-Stein besuchen. Blaue Feder wollte ein wenig Harke-Wasser aus der Quelle zur Vollen Mondin-Zeit schöpfen.

Grad lief ein Reh an ihrem Fenster vorbei. ‚Du siehst ja ganz schön struppig aus!‚ dachte Blaue Feder. ‚Na, dann schaue mal in den Spiegel. Du siehst auch nicht besser aus – voll verwildert!‚ dachte es zurück.

Na, dann will sie sich mal schön machen für den Tag.

Das Buch von Luisa Francia erscheint die Tage ‚Chaos, Schönheit, Harmonie: Spirituelle Raumpflege‘ im Nymphenburger Verlag.

4 Kommentare zu „Grün-Donnerstags-Mäandern

  1. Wunderbar hat mich Blaue Feder gemeinsam mit dem Braunen Bären auf lichtvolle Pfade gelenkt und mich dabei die Schönheit der Natur aufnehmen lassen.
    Einen ähnlichen Spaziergang durfte ich am Donnerstag ebenfalls tun. Auch durch einen Wald, mitten durch schöne Wiesen, auf einsamen Wegen. Das Herz war mir weit, die Seele beruhigt, die körperlichen Sinne geöffent.
    Auch jene mir so kostbaren Sinne waren von Freude erfüllt, die Magisches wahrnehmen können …

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    1. Oh je, ich schreibe und schreibe – nur Deine Geburtstagskarte, die liegt noch auf meinem Schreibtisch. Der Urlaub hat gut getan. Samstag ist Flohmarkt in Ostrohe, falls Ihr Lust habt. Sonst müssen wir uns mal für Harrislee verabreden. Küßchen, Susanne

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