Wackersteine

Noch stand die Mondin im Steinbock – Zeit eine kleine Stein-Geschichte zu erzählen.

Die Winterstürme hatten die Gartenpforte zerdeppert. Da sie die Pforte nie abgeschlossen hatten und sie immer offen gestanden, hatte der Wind wohl etwas mitgenommen, was sie nicht mehr brauchten.

Die Sonne schien und der Garten rief. Die Bauern, die wilde Hilde und der glückliche Hans, die vor ihnen den Schwalbenhof bewirteten, waren recht arm. So wurde in damaligen Zeiten mit allem gebaut, was sich fand.

Im Garten der Blauen Feder fanden sich noch einige Fundstücke aus alten Zeiten. So wurden früher die Zäune aus alten Eternitplatten gebaut. Blaue Feder wollte sie schon lange einmal entsorgen. Auch waren die Beete mit schweren Beton-Steinen eingefasst. So war der ganze Garten in kleine quadratische Einheiten aufgeteilt. Die alten Steine kippten schon seit einiger Zeit immer mal wieder aus den Fugen und Blaue Feder empfand sie als sehr schwer. Sie fände es schöner, wenn ihr Garten atmen konnte und frei fließen.

So widmete sie sich diesem Teil des Gartens. Sie folgte dabei einfach ihren Ideen und Eingebungen. Zunächst einmal entfernte sie das alte Gartentor, räumte die Kompost-Ecke auf und schredderte alte Zweige. Dann machte sie sich an die Wackersteine. Die großen Steine wogen wohl an die 50 KG. Zum Glück gab es auch einige, die halb so groß waren. Sie hatte keine Ahnung, wie sie die Dinger überhaupt vom Fleck bekam. Mit Sackkarre, Spaten und ein bisschen Spucke würde es wohl gehen.

Sie machte immer wieder Pausen – manchmal wollte sie aufgeben, weil sie die Steine garnicht fassen konnte. Dann setzte sie sich auf einen alten Holzstuhl, machte eine Pause und unterhielt sich mit der alten Holler, die dort auf dem Eck stand. Auch ihre Wurzeln befreite sie von vielen alten Steinen.

Im Grunde war der Garten auf Steinen gebaut. Grub sie ein Stück in der Erde, fand sie allerhand Schotter im Erdreich. Manchmal wusste sie garnicht wo anfangen, den Garten von dem alten Schotter zu befreien. Es gab auch einen alten Brunnen auf dem Grundstück, der mit Bauschutt zugeschüttet war. Sie fand das mächtig schade.

Sie brauchte zwei Tage die Wackersteine aus den Beeten zu holen. Am ersten Abend konnte sie sich kaum noch bewegen, so taten ihr die Knochen weh. Am zweiten Abend befürchtete sie das Gleiche. Aber während sie so vor sich hinarbeitete, spürte sie einen inneren Frieden. Es tat gut, den Körper zu spüren. Die Schmerzen nach dem zweiten Tag blieben erstaunlicherweise aus. Stattdessen stellte sich ein wohliges Körpergefühl ein. Blaue Feder fühlte sich stark und war stolz wie Bolle, dass sie es geschafft hatte, die Steine aus dem Beet zu holen.

Wie sie nun entsorgt würden, war eine neue Frage, die sich ihr stellte. Aber sie war sicher, auch dafür würde sich eine Lösung finden. Sie würde mal das Gespräch mit den Nachbarn suchen, damit nach und nach auch die alten Eternitplatten ihren Garten verlassen würden. Besonders die Platten bei der alten Holler störten sie. Sie wollte ihren Ort gerne schöner gestalten.

Der Einsatz hatte sich gelohnt. Dieser Teil des Gartens fühlte sich schon viel leichter und größer an. So fand auch eine neue Regentonne ihren Platz und Regentonnen konnten sie garnicht genug haben zum Pflanzengießen.

Während sie so vor-sich-hin-werkelte, nahm sie auch das Moos in ihrem Garten wahr. Der Rasen bestand zu 90 % aus Moos. Sie liebte das weiche Moos und gerne lief sie barfuß durch ihren Garten.

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