Die Fährte aufnehmen mit dem Lungenkraut

Am Morgen lachte sie wieder ein stein-altes Mütterchen auf dem Hof an und sie entschied sich, eine kleine Runde in den Wald zu gehen, noch ein paar Duftveilchen zu pflücken. Sie kannte eine Stelle, wo viele wuchsen. Die Ereignisse der Tage hatten sich kalt um ihre Lungen geschlungen. Sie fröstelte, schniefte, hustete und hatte Halsschmerzen. Corona war es nicht, aber es gab wohl auch noch normale Grippen.

Auch in Ostrohe war die Fahne der Ukraine gehisst und webten die Frühlingsblumen vielerorts einen blau-gelben Teppich.

Blaue Feder ging zu den Duftveilchen und beobachtete eine Erdhummel, die tief in die Kelche tauchte und sich am Saft der Duftveilchen satt trank.

Dann tauchte ein Zitronenfalter auf und buhlte um ihre Aufmerksamkeit. Blaue Feder folgte dem zarten Falter.

Er führte sie zu einem Kraut, dass sie nicht kannte. Siehe da, immer mal wieder fand sie etwas, was sie nicht kannte. Es sah schön aus mit seinen rosa und blaune Blüten. Die Blätter waren dunkelgrün und hatten weiße Flecken. Es fasste sich ganz weich an, war über und über mit einem zarten Haarpflaum besetzt, wie ein weiches Fell. Wer bist denn Du? Sie dachte erst, es wäre ein Beinwell, der sich ihr auch noch nicht vorgestellt hatte. Sie lag damit garnicht so daneben, denn beide Kräuter gehören der Famile der Raublattgewächse an. Dann dachte sie, Du siehst aus wie eine Blaue Schlüsselblume und damit hatte sie auch schon einen Namen der Pflanze entdeckt, ohne sie zu kennen.

Neben dem Kraut fand Blaue Feder eine rote Fliege. Welcher Krimi sich wohl hier abgespielt hatte?

Spielte die rote Fliege eine tragende Rolle in ihrer Geschichte oder war sie nebensächlich?

Blaue Feder ging weiter und besuchte die alte Holler. Sie war über und über mit Moos bedeckt. Zärtlich streichelte sie über das Moos und dachte:

‚Du bist ja auch eine Moosfrau.‘

Die alte Holler lachte und sagte:

Und Du bist jetzt auch eine Moosfrau ist mir zu Ohren gekommen.

So standen die beiden Moosfrauen eine Weile beieinander und unterhielten sich, bis Meister Lampe des Weges kam und sagte:

‚Das Kraut, das Du gefunden hast, wird auch Hasenpopo genannt, weil es weich ist wie mein Fell am Allerwertesten.‘

Na, das war ja schon mal ein wichtiger Hinweis. Blaue Feder konnte es kaum erwarten, wieder nach Hause zu kommen und ihre Bücher zu wälzen, welches Kraut sie gefunden hatte. Es hatte ihr einen Stengel geschenkt für einen Tee.

Sie machte noch einen Abstecher zum Fuchsloch und setzte sich eine Weile in die Sonne am Fuße der alten Eiche. Ein Rotkehlchen sang ihr ein Lied.

Daheim fand sie schnell heraus, es war das Lungenkraut, welches sie gefunden hatte und da sie einen ordentlichen Schnupfen hatte und ihr etwas auf der Lunge lag, machte sie sich einen Tee.

Sie setzte sich mit ihrer Tasse aufs Bett und roch erst einmal. Es roch angenehm. Schloss sie die Augen und sah sie kleine Elfen in Rosa und Blau, die wie Luftballone aufgeblassen waren. Sie forderten Blaue Feder auf, ordentlich zu pusten. Los streng Dich an, puste uns weg. Das war nicht so einfach, wie es aussah. Wie konnten die kleine Elfen in der Luft nur so standhaft sein? Sie merkte, es tat ihr gut, mal ordentlich und mit Kraft Luft abzulassen. Loslassen und ausatmen war grad wichtiger, als einatmen. Der Einatem kam von ganz allein.

So trank sie schlückchenweise ihren Tee. Er legte sich mit seinen zarten Fellblättern sanft um ihre Bronchien. Das Abhusten wurde leichter und der Schleim löste sich. Vielleicht musste sie sich die Tage noch mehr von dem Kraut holen. Es tat ihr gut. Es half ihr loszulassen und wieder bei sich anzukommen. Der Frieden in ihr war noch brüchig, aber das Herz öffnete sich für ein mögliche Versöhnung.

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