Die Moosfrau

So ganz ohne einen Frühlingsgruß ging es irgendwie nicht!

Der Blaue Stern am Himmel und die Blauen Sterne auf der Erde kündigten es an. Es lag etwas in der Luft. Die Nacht war noch kühl – so um die Null herum. Die Sonne stand schon am Himmel, als Blaue Feder aufbrach.

‚Ayla‘, ihre Dorfeiche erwachte nun zusehends in einem Meer aus Krokussen und streckte ihre Glieder aus. Blaue Feder wünschte ihr einen schönen Morgen. Überall summte und brummte es. Erdhummeln und Bienen umschwirrten sie.

Manchmal berührte sie ein einzelner Krokus am Wegesrand mehr, als ein ganzes Meer.

Manchmal berührten sie drei Schwanenfedern mehr, als tausend Schwäne. Sie waren vor ein paar Tagen losgezogen, tausende von Schwäne in der Eider-Treene-Sorge-Niederungen zu bewundern. Doch waren diese bei dem schönen Wetter wohl schon weitergezogen. Am Großen Mondsee hatten sie ihr einen Gruß hinterlassen – das rührte sie sehr.

Überall fingen die Frühlingsblumen an zu blühen – Narzissen, Sternenblumen und Scharbockskraut.

Im Garten des Rosenhofes bewunderte sie das hübsche Hühnervolk. Paula war die Tage auch wieder auf Besuch.

Am Himmel hörte sie drei Bussarde rufen.

Die Sonne schien warm und nach und nach entblätterte sich Blaue Feder. Erst nahm sie den Schal ab, dann zog sie den Wollpullover aus und zuletzt auch noch die Jacke. Auf dem Großen Mondsee schnatterten ungewöhnlich viele Gänse. Unter den Gänsen entdeckte sie zwei Haubentaucher-Feen, die sie an ihre gleichnamige Frühlings-Geschichte erinnerten.

Die Spindeln trugen viel Wolle, die darauf wartete verwoben zu werden. Sie begegnete dem Radelnden Angler. Die meisten Angler fuhren noch mit dem Auto ins Moor – es ging auch mit dem Fahhrad.

Sie beobachtete einen Kormoran, wie er untertauchte, um an unerwarteten Stellen wieder aufzutauchen.

Er erinnerte sie an sich selbst. Sie war bei WordPress untergetaucht, um bei Facebook wieder auf zu tauchen. Wegen eines Kurses richtete sie sich bei FB ein Konto ein. Innerhalb eines Tages bekam sie viele Freundschaftsanfragen von Leuten aus der ganzen Welt, die sie alle nicht kannte. Viele schienen weder an ihr und noch ihrer Kunst interessiert zu sein, sammelten wohl nur ‚Freunde‘. Sie bekam auch gleich Einladungen zu Kursen – das war ihr sehr befremdlich. Ein Fake-Konto mit einem Kreditangebot war auch gleich mit dabei. Zum Glück war sie gleich wieder so bedient, dass sie schnell zurück ruderte und alles wieder löschte. Nach diesem Abenteuer merkte sie, dass sie sich bei WordPress mehr Zuhause fühlte. Sie war wohl einfach zu zart besaitet, für diese Flut an Beiträgen in den Sozialen Medien. Das war wie mit den Krokussen. Ein Krokus berührte sie manchmal mehr, als eine ganze Flut von Krokussen. Ihr fehlte aber das Schreiben – auch als Selbst-Reflexion und dafür war das Abenteuer gut!

Über den Martinssteg ging sie hinüber zum alten Weg der Moosleute. Heute rief sie der wilde Wald. Sie war noch nie tiefer in den wilden Wald der Moosleute gegangen und ihr Herz klopfte.

Sie fand einen Weg über den Wassergraben, der ihn umgab. Sie war erstaunt, wie trocken der Wald selbst war. Sie hätte vermutet, dass er feucht und sumpfig wäre und sie einsinken würde. Sie folgte den kleinen Wegen, die sie fand. Sie sah Wildspuren und kam zu einem kleinen Rinnsaal. Vielleicht gab es hier eine Quelle?

Immer tiefer tauchte sie in das Land der Moosleute. Es erinnerte sich an die Hochzeit des Moosvolkes, der sie im Winter beigewohnt hatte. Dann stand sie vor einer alten wilden Weide.

Dahinter lag ein kleiner goldener Tümpel – vielleicht ihre goldene Quelle. Sie schaute in das Wasser und sah allerhand Wesen darin. Sie meinte eine Frauengestalt zu erkennen mit zwei Gänsen auf dem Arm und einen dicken goldenen Karpfen.

Sie lächelte – es erinnerte sie an die Gänsehirtin und den Seerosenkarpfen. Um sie herum stand das Moosvolk. Sie kamen immer näher und nahmen sie in ihre Mitte. Sie schloß die Augen und wurde von der Quellfrau begrüßt. Sie grüßte zurück. Die Quellfrau kam auf sie zu und legte ihr eine Kette aus grünem Moos um den Hals.

Jetzt bist Du Eine von uns, eine Moosfrau.

Freude stieg in ihr Herz und das Moosvolk jubelierte lautlos. Sie hatte sich schon immer zum Moosvolk hingezogen gefühlt. Überall lachte sie das grüne Moos an.

‚Ohne Moos nichts los!‘

Als Moosfrau verabschiedete sie sich und lief weiter. Nun war sie nicht mehr die Alte.

Wie es sich wohl als Moosfrau lebte? Welchen Spuren würde sie folgen?

Der wilde Wald spuckte sie auf dem Hinteren Weg wieder aus. Freudig ging sie weiter und traf noch viele Moor-Menschen. Auch die Frau mit den blauen Haaren, die sie im Winter schon einmal getroffen hatte. Sie sagten nichts, sie grinsten nur, wie die Weiden-Kätzchen.

Sie kam zur Kuhle 13. Hier machte sie gerne eine Pause. Blaue Feder setzte sich an ihr Ufer, hier wo sie ab und an den Eisvogel sah. Sie setzte sich in das weiche Moos. Die Sonne schien warm und sie trank ein bisschen Wasser. Als sie so saß, bekam sie Besuch von einem Zitronenfalter. Schön sah es aus, wie er über das blaue Wasser glitt – Blau und Gelb – das erinnerte sie sie an etwas – es war so friedlich hier. Kaum vorstellbar, dass woanders der Krieg tobte.

Sie hörte einen alten Mann im Gespräch mit einem älteren Paar. Sie hatten wohl Adler gesehen. Manchmal kamen die Adler von der Lundener Niederung herüber. Sie ruhte sich eine Weile aus und zog dann weiter. Der alte Mann harkte den Weg und sie fragte ihn, ob er das Moor aufräumen würde. Er lachte und erzählte, das morgen hier eine massive Eichenbank aufgestellt würde und er deshalb den Ort etwas schön machte. Das freute Blaue Feder, machte sie ja gerne hier eine Pause an der Kuhle Nr. 13. Die Bank würde sie mal in Augenschein nehmen. Dann wünschte sie ihm noch einen schönen Tag.

Sie schlenderte weiter zum Schwanensee. Ein Brauner Fuchs kam geflogen und setzte sich auf den Weg. Jetzt begann die Zeit, wo sie jeden Tag durch den Stall ging, die Schmetterlinge einzusammeln und zum Fenster in die Freiheit zu entlassen, wenn sie aus ihrem Kokon schlüpften.

Am Himmel sah sie viele Möwen fliegen und zwischen den Möwen einen großen Vogel seine Kreise ziehen, vermutlich ein Adler. Langsam ging sie zurück und kam noch einmal an Kuhle 20 vorbei, die dieses Jahr gesperrt war.

Am kommenden Morgen erwachte sie in der Früh – um ihren Hals hing eine Kette und an ihren Ohren hingen Ohrringe aus Moos-Achat.

Hatte sie es geträumt oder war es wahr – war sie nun wirklich eine Moosfrau?

2 Kommentare zu „Die Moosfrau

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