Katzenfutter

Taiga schaute sie am Morgen an. Sie sagte nichts – sie schaute nur! Das Katzenfutter war alle. Es war schon am Abend alle gewesen. Das Feuchtfutter, das Blaue Feder ihr anbot, rührte sie nicht an. Sie schaute sie nur aus großen Augen an, denn sie aß nur eine bestimmte Sorte von Futter. Katzen waren eigen und dafür liebte sie Taiga.

Im Traum fing Blaue Feder einen Hasen in einem Pappkarton. Sie brachte ihn zu Brauner Bär. Er sollte ihm das Genick brechen. Das wollte er aber nicht. Im nächsten Bild saß sie wie versteinert vor einer Schlange und konnte sich kaum bewegen.

Es war kalt, es war früh und Blaue Feder war müde. Sie ging in den Stall holte das verstaubte Fahrrad aus dem Stall. Es quietschte – es quietschte genau wie ihre Knochen. Es hatte keine Luft auf den Reifen – genau wie sie keine Puste hatte. Es war verbogen und schief – genau wie sie. Dann suchte sie eine ganze Weile die Schlüssel für das Schloß. – Wann war sie zuletzt mit dem Fahrrad gefahren?

Handschuh an, Mütze auf den Kopf und los – manno, fit war anders. Ihr grauste schon vor der kleinen Strecke zum Kaufmann. Sie war immer gerne Fahrrad gefahren – also, was war passiert? – Computer, Ackerschnacker, Feernseher, Rauhbank – das war passiert!

Sie fuhr los, spürte ihren Körper, atmete die frische Luft und es gefiel ihr. Sie kam den kleinen Berg zum Kaufmann kaum hoch, aber sie spürte seit langem mal wieder ihren Körper. Gutgelaunt ging sie einkaufen. Katzenfutter für Taiga, ein paar Blümchen für sich und Brötchen für’s Frühstück. Auf dem Hinweg kam sie am Galgenberg vorbei. Es gab auch alte Gräber direkt nebenan. Den Galgenberg hatte sie immer nur im Vorbeifahren angeschaut. Auf dem Rückweg stieg sie mal vom Fahrrad.

Der Sage nach, wurde hier früher Gericht gehalten und eben auch Leute am Galgen aufgeknüpft – schon ein bisschen gruselig, die Vorstellung!

Auf dem Weg hinauf, ging sie mit sich selbst in Gericht. Oben auf dem Grabhügel war eine Art Trichter, in dem die Menschen ihr Laub entsorgt hatten. Gab es vielleicht noch mehr Dinge, die sie am Galgen aufhängen oder ins Grab legen wollte? Hier oben stand neben alten Eichen und Buchen, ein Drachenbaum.

Wo war ihre Drachenkraft hin?

Irgendwie war ihre Kraft im Pling-Pling von Computer, Ackerschnacker und Feernseher verlorengegangen. Manchmal musste das Alte zu Grabe getragen werden, damit das Neue entstehen kann und so schmiß sie alles in die Grube, was sie nicht mehr brauchte. Und, wo sie schon mal dabei war, schmiß sie den Krieg auch gleich mit in die Grube, denn den brauchte gewiß keiner mehr.

Auf dem Heimweg nahm sie den Brombeerweg, hörte die Gänse auf dem Geheimen See schnattern und sah Meister Lampe lebendig über das Feld laufen. Sie war froh, dass sie nun Futter geholt hatte und Meister Lampe am Leben bleiben durfte. Sie würde ihr Funbike ölen, putzen und von den Spinnweben befreien und immer mal wieder offline gehen, um in die Traumzeit zu tauchen. Taiga war happy über ihr Futter und Blaue Feder startete mit etwas mehr Elan in den neuen Tag – was Katzenblicke so bewirken können.

Die Samen waren gekommen. Ihr Selbstversorgung-Projekt bekam nun mehr Energie. Sie würde Pflanzen im Stall vorziehen. Sie hatten einen langen Zaun im Garten. Da konnte sie später allerhand Gemüse aufhängen – Vertikalhochbeete waren der neue Hit! Blaue Feder freute sich Neues zu säen.

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