Der blau-weiße Faden

Der Wind fegte mit bis zu 120 h/km von NordWest über das Land. Blaue Feder hielt die Fenster geschlossen. Sie hatte großen Respekt vor dieser Natur-Kraft. Es geht auf das Frühlingsfest Imbolc zu. Der Name Imbolc kommt aus dem altirischen und bedeutet soviel wie Rundum-Waschung. Der erste Frühjahrsputz steht an und so fühlte sich auch der Sturm an. Dem Sturm können wir alles anvertrauen. Er nimmt alles mit, was wir nicht mehr brauchen.

Blaue Feder hatte die Tage einen kleinen Medizin-Gang gemacht. Jedes Jahr hatte sie eine Medizin, die sie durch das Jahr begleitet – mal war es eine Maus, mal die Stinkmorchel und im vergangenen Jahr die Engelwurz.

Welche Medizin würde sie durch dieses Jahr begleiten?

Auf dem Hof lachte sie dem Winter zum Trotz ein kleines wildes Stiefmütterchen an und so nahm sie den Weg, der sie zu der Wiese mit wilden Stiefmütterchen führte. Der Sturm hatte auch der Weidenfrau zugesetzt – hatte ihren Kopf, die Arme und den Korb heruntergeweht.

Auf dem Weg zum Wald sah sie wieder einen kleinen Schmetterling und auf der Allee fand sie ein blauen Faden. Sie steckte den blauen Faden in die Tasche und dachte, sie könne die Geschichte von der ‚Wollsammlerin‚ auch noch einmal mit schönen Bildern versehen. Der Alte Vater hatte die Tage Geburtstag und sie hatte ihm ein schönes Buch gezaubert, mit der Geschichte vom ‚Birkenmädchen‚ und schönen Birken-Fotos. Er hatte nie gelernt mit einem Computer umzugehen und so war er ein großer Fan der Holunderelfe oder bekam Bücher von der Blauen Feder geschenkt.

Sie folgte dem blauen Faden und fand einen blauen Schnuller und fragte sich, was sie wirklich satt machte? Sie hatte gerade ein Interview von Cambra und Nana Sturm gesehen, wo es auch um die Frage ging, welche Geschichten satt machen? (Den Link findest Du unten.)

Der Weg führte sie weiter zu einem Acker und dort fand sie wieder einen blauen Faden. Da fiel Blaue Feder ihr Traum von der Selbstversorgung wieder ein. Sie sah sich mit Kindern zusammen den Acker bepflanzen und pflegen. Wenn sie es als Projekt für und mit Kindern umsetzte, stellte vielleicht das Dorf ein Stück Land zur Verfügung. Sie wusste nicht, wann sich dieser Traum umsetzen ließ -doch hielt sie Augen und Ohren offen. Vielleicht würde sie dieses Jahr erst noch einmal schauen, was sie in ihrem Garten umsetzen konnte.

Sie ging weiter zur Alten Holler, begrüßte sie und lauschte eine Weile in die Stille. Oft wenn sie hier stand, hörte sie Kinder spielen im Buchenwald.

Heute rief sie die Wiese, wo sie einst die wilden Stiefmütterchen gefunden hatte. Noch wuchs hier nichts, aber sie erinnerte das Farbenmmeer, wenn sie blühen. Ihr Blick fiel wieder auf einen frisch geflügten Acker. Sie stand eine Weile bei dem Spindelbäumchen -welchen Faden sie wohl dieses Jahr sponn?

Im Buchenwald fand sie ein weißen Faden. Kurz darauf verwob sich der blaue Faden mit dem weißen Faden, sie fand ein Herz auf ihrem Weg und der weiß-blaue Faden führte sie zu einem Rotkehlchen, das ihr riet, weiter ihrem Herzen zu folgen.

Sie ging die Kräuterweiden entlang und schaute, welches Kraut in ihnen wuchs und der Breitwegerich lachte sie an. An einer Hainbuche sah sie Schriftzeichen und sie erinnerten sie an das Irische Ogham und an den Kalligraphie-Kurs, den sie schon seit zwei Jahren bei der lieben Birgit Nass machen wollte. Auf dem Weg lag ein Knochen und fand, es war an der Zeit sich um ihre Knochen zu kümmern.

Sie kraxelte den Fuchsberg hoch und streunte durch das Unterholz. Sie fand einen Feuerstein, den sie zur alten Eiche brachte. Hier hatte das Spiel mit den Küsten-Steinen im letzten Jahr begonnen.

Sie fand lauter Äste mit Duct-Tape umbunden und sie dachte an Cambra und daran, dass sie wohl selbst so eine Duct-Tape-Älteste war. Wenn es keine weisen Alten gab, dann waren wohl Ältere wie sie, die Besten, die zu finden waren.

Blaue Feder ging heim und auf dem Heimweg kam sie wieder an ausgehobenen Wassergräben vorbei. Es lag Schilf am Wegesrand und darin fand sie einen Pömpel. Das Schilf und die Pömpel machten ja schon eine Weile auf sich aufmerksam. Blaue Feder hatte keine Pömpel ausreißen wollen, aber nun lag einer vor ihren Füßen und sie nahm ihn mit nach Hause. Nun wusste sie welche Medizin sie in diesem Jahr begleiten würde.

Was sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, dass sich in dem Rohrkolben die weiblichen und männlichen Energien in Harmonie miteinander verbanden.

Der braune kolbenförmige Blütenstand war im unteren Bereich weiblich und oben männlich. Dem Kolben verdankt die Pflanzen ihre Trivialnamen wie Schlootbesen, Katzenschwanz und Rohrkolben. Der wissenschaftliche Name Typha soll sich vom griechischen ‚týphos = Rauch‚ ableiten. Der männliche, obere Kolbenteil ist deutlich dünner und wirkt im Vergleich zum dickeren weiblichen Teil wie bereits abgebrannt, wenn zur Samenreife die weißen, flaumigen Flugsamen wie kleine Rauchwölkchen vom Wind fortgetragen werden.

Blaue Feder würde mal tiefer tauchen mit den ‚Rauchwölkchen‚ und by the way, könnten ihre Fenster auch mal einen ersten Frühlingsputz vertragen. Doch hatte sich schon der nächste Sturm von SüdOst angekündigt. Vielleicht wartete sie den noch ab.

Cambra im Gespräch mit Nana Sturm auf ihrem Kanal Matriwissen über die Bedeutung und Bekömmlichkeit von Geschichten und über das Geschichtenerzählen überhaupt. 

Youtube-Interview 1
Youtube-Interview 2

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