‚Hey Schmetterling‘

Am kommenden Tag fegte Blaue Feder die Asche zusammen und gab auch die Buchecker in die Erde, denn im Winter legen wir die Samen für unsere Träume in die Erde, die im Frühling geboren werden. Die Asche fügte sie als Dünger hinzu.

Brauner Bär hatte eine neue CD mitgebracht von 2RaumWohnung. Bei einem Lied sagte er, es hieße ‚Schmetterling‚. Blaue Feder horchte auf, hatte sie doch in den Rauhnächten von einem Blauen Schmetterling geträumt. Auch in der letzten Geschichte kamen die Schmetterlinge vor. Sie hörte sich das Lied noch einmal in Ruhe an.

Hey Schmetterling (Nacht)

Sonnenbrille
Faktor 60
Jetzt nicht sehen was alles schlecht ist
Dass nichts übrig bleibt wenn man immer weint
Und es nicht darum geht, dass sich alles reimt

Hey es geht raus
Aus dem Raupensein
Hey Schmetterling
Hey es geht rauf
Helles Leben oben schweben
Die Sterne glühen
Tag und Nacht

Was ich noch sagen wollte nein
Ich Steig aus und erst wieder ein
Wenn wir auch reden wenn wir uns begegnen
Und ich sag dir es wird keine Schokolade regnen

Hey es geht raus
Raus aus dem Raupensein
Hey Schmetterling
Hey es geht rauf
Helles Leben oben schweben
Die Sterne glühen
Tag und Nacht

Writer(s): Inga Humpe, Malakoff Kowalski, Tommi Eckart, Anton Humpe Lyrics powered by http://www.musixmatch.com

Der Blaue Schmetterling war wohl das eindrücklichste Bild, das sie aus den Rauhnächten mitnahm und mit ihm die Leichtigkeit.

Blaue Feder hatte nun tatsächlich 12 Geschichten erzählt und eigentlich hatte sie sich eine dreizehnte Geschichte, die Wollsammlerin zurecht gelegt, aber wie es so war mit der ‚13‚, hatte sie meistens etwas Unerwartetes im Gepäck, wie die 13. Fee. Sie las noch einmal ihre Geschichten vom ‚Blauen Haus unter der Linde‚ von Anfang an, wohl auf der Suche nach dem Bunten Faden. Dabei entdeckte sie, sie hatte die 13. Geschichte bereits in der ersten Geschichte erzählt – nun dann –

War es das Feuer, das nun das Alte abschloss oder war es die Närrinnen-Kraft, die etwas Neues ins Feld legte. Manchmal wünschte sich Blaue Feder ein wenig Ordnung, etwas, an das sie sich halten konnte. Doch gab sie sich der wilden Kraft hin, ergab es oft mehr Sinn.

In der Großen Stadt in ihrem Zimmer fiel ihr wieder ein Buch in die Hände. Es war die kirgisische Liebesgeschichte ‚Shamal‘ von Cambra Skadé. Sie hatte sie lange nicht gelesen, steckte sie ein und fing an, sie auf dem Heimweg in der Bahn zu lesen und sie legte das Buch erst am Abend wieder weg, als sie es durchgelesen hatte. – Kennst Du das, Du liest ein Buch, das du vielleicht schon einmal oder zweimal gelesen hast und es kommt Dir vor, als würdest Du es zum ersten Mal lesen? Vermutlich lesen wir immer wieder mit anderen Augen.

Es gab Stellen in diesem Buch, die Blaue Feder weinen ließen und bei anderen lachte ihr Herz. Wanderten sie und Brauner Bär zum Neuen Jahr im Tal der der Ulra nicht durch Usbekistan? – Kirgistan lag nicht so weit von Usbekistan entfernt und Blaue Feder traf sich mit Cambra im Altai wieder. Sie hatte immer mal wieder mit einer russischen Freundin davon geräumt, in den Altai zu reisen. Es gab so Orte, die sie magisch anzogen. Shamal ist eine Liebesgeschichte, die vom Wind erzählt.

Blaue Feder möchte eine Stelle aus der Liebesgeschichte zitieren, die sie tief berührte.

‚Ich höre deinen Geschichten aufmerksam zu, folge ihnen und dabei dir. Wie kostbare Perlen sammle ich diese Geschichten, weiß mich beschenkt von dir und verneige mich vor jedem der Schritte, die du tust, um tiefer in deine Seelenländer zu gehen – vor jedem mutigen Schritt, der Türen in ein neues unerwecktes Land öffnet. Alle Landkarten, die Du bereit bist, zu verzeichnen, alle unwegsamen Gegenden, die du erkundest, sind Geschenke. Du tust es für dich und zugleich für alle anderen. Dafür danke ich dir.‘

So hatte Blaue Feder in den Rauhnächten ihren eigenen Geschichten liebevoll gelauscht und auch in ihren Geschichten berührten sie Wort-Fäden, die sie vorher nicht wahrgenommen hatte, wie sie auch die 13. Geschichte übersehen hatte. Wir tragen die Weisheit wohl in uns. Es hatte ihr gut getan, den eigenen Worten zu lauschen. Sie hatte den Eindruck, als wären ihre Geschichten wie zeitlos – vielleicht, weil sie oft etwas aus der Zeit fiel, wenn sie erzählte. Diese Erkenntnis nahm ihr ein bisschen den Zeit-Druck aus den Flügeln und so konnte sie nun ganz in Ruhe weiter weben. Sie hatte einen leichten Schmerz unter dem linken Schulterblatt – vielleicht entfalten sich gerade ihre Schmetterlingsflügel.

‚Eins nach dem Anderen‘ sagte die Alte und das Kind zeigte ihr den schönsten Spielplatz und die bunte Frau sagte: ‚Bleibe Dir selbst treu‘.

2 Kommentare zu „‚Hey Schmetterling‘

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