Grau wie die Graugans

Die Nacht war kalt und Blaue Feder kuschelte sich tief in ihre Decken. Sie nahm noch ihre Kuscheldecke über die Bettdecke. Sie dachte an die Obdachlosen, die in dieser Kälte draußen lagen. Blaue Feder war die Tage in der Großen Stadt gewesen und hatte sie liegen sehen, draußen in der Kälte.

Sie war mit ihrem Licht im Herzen voller Freude losgefahren. Die Stimmung in der Großen Stadt empfand sie als sehr gedrückt. Die Menschen in Bussen und Bahnen verschanzten sich hinter ihren Masken und ihren Handys. Als sie erschöpft wieder heimfuhr, lachte sie ein kleines Kind im Bus mit strahlenden Augen an. Alle absteigen rief es laut und der Vater tauchte kurz hinter seinem Handy auf und sagte, es heiße ‚aussteigen‘. Als sie ‚abstiegen‘ lachte das Kind Blaue Feder mit großen Augen an.

Das Kind erinnerte Blaue Feder an Momo, die den Menschen die gestohlene Zeit zurückholte. Momo erinnerte sie an ein Buch, dass ihr eine junge Frau, die sie in der Bahn kennenlernte, empfohlen hatte. ‚Das Buch ist was für Dich!‘ hatte sie gesagt und es war etwas für sie.

Es hieß ‚Alle Farben des Lebens‚ und war zauberhaft illustriert von Lisa Aisato. Blaue Feder ließ ein wenig den Zufall spielen und zeigt ein paar Illustrationen, die sie aufschlug.

Taiga freute sich, als am Morgen wieder ein Licht in Blaue Feders Fenster brannte.

Die Eichelhäher saßen in den Bäumen und warteten auf Nüsse. Im Tal der BrolandSau war es grau und kalt. So kramte sie das erste Mal ihre Handschuhe raus. Sie ging durch das Dorf und im Lindenhof brannte noch Licht.

Als sie die Linden sah, dachte sie, sie hatte eigentlich eine ganz andere Geschichte erzählen wollen. Aber so war es oft, sie hatte eine Idee und dann entwickelte es sich ganz anders. So wurde die Geschichte von dem ‚Blauen Haus unter der Linde‘ wohl tatsächlich eine bunt-zusammengewürfelte Geschichte, bunt wie der Regenbogen – so, wie das Leben eben selbst.

Sie kam am Heckenrosenhaus vorbei und wusste mal wieder nicht, in welches Land sie heute reiste. Sie sah nur das Füllhorn auf der Fahne. Vielleicht weißt Du, in welches Land sie reiste?

Der Weg lag grau vor ihr und in den Wiesen grasten Graugänse. Ein paar schreckte sie auf und sie flogen in Richtung BroklandSau. Eigentlich hatte Baue Feder den Großen Mondsee besuchen wollen, doch nun rief die BroklandSau.

Sie wurde schon erwartet.

Entlang der BroklandSau hatten hunderte von Graugänsen ihr Lager aufgeschlagen.

Blaue Feder wollte sie nicht aufschrecken, hielt sich in einiger Entfernung und ging zu ihrem Lieblingsplatz an die BroklandSau. Die Wiesen standen unter Wasser und sie hatte die verkehrten Schuhe angezogen. Sie würde mal wieder nasse Füße bekommen, aber das kannte sie ja schon. Eine Weile tauchte sie in den Fluß des Lebens, der ruhig dahinfloss. Das Schilf spiegelte sich im Wasser und eine Feder nach der anderen schwamm auf der BroklandSau sanft an ihr vorbei.

Sie hörte die Gänse ihr Lied singen und es erinnerte sie, dass auf dem Blog der Graugans gerade ein paar Menschen Geschichten von der ‚Mutter‚ erzählten. Die Graugans hatte eingeladen ‚Mutmaßungen über die Mutter‘ zu schreiben.

Sie hatte auch Blaue Feder eingeladen. Erst war sie Feuer und Flamme gewesen, dann hatte sie abgesagt, um wieder zuzusagen, sich zu verwickeln und wieder auszuwickeln. Über die Mutter zu schreiben, bedarf es Mut. Viele haben den Mut aufgebracht. Die Erzählungen sind so verschieden, wie die Menschen, die sie erzählen. Auf ihrem Weg zurück ins Dorf sah sie einen Schlüssel.

Das war wohl heute der Schlüssel zu ihrem Herzen, an den sie die Graugänse erinnern wollten.

Ein Pömpel lachte sie an und das Mutter-Kraut, das aus einer Ritze in den Steinen noch immer auf dem Hof wuchs. Die Botschaft des Mutter-Krautes war wohl deutlich, aber was es wohl mit den Pömpeln auf sich hatte, die sie die letzte Zeit immer anlachten?

Taiga kuschelte sich in ihre Kuscheldecke und freute sich, dass Blaue Feder wieder da war und die Eichelhäher bekamen neue Nüsse.

Ihre Geschichte für die Graugans findet Ihr hier: https://wordpress.com/read/feeds/89232209/posts/3718255063

13 Kommentare zu „Grau wie die Graugans

  1. Ich muss sagen, mich betrüben Stat auch oft. Das wirkliche lebenn findet bven ausserhalb statt – auf dem Lande. Bei uns sieht es z.Zt. ähnl. aus wie bei euch.
    Das Buch hat sehr interessante Illustrationen – ich mag, wie Blumen dazu benutzt wurden, jeder Zeichnung etwas romangtisches, lebendiges zu geben. Das ist sehr stimmungsvoll und hübsch.
    sende dir viele Grüsse aus dem hohen Norden, wo heute Plätzchen gebacken werden

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Liv,
      da würde ich gerne mal naschen. Ich bin dieses Jahr noch nicht zum Backen gekommen. Aber mein Freund kam gestern mit einer Tüte heim, voller Plätzchen, die eine Freundin für uns gebacken hat. Eine schöne Zeit wünsche ich Dir, Susanne

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