Drei Nüsse oder die Gaben

Als Blaue Feder ihre Jacke anzog und sich ihre Mütze aufsetze, fand sie drei rote Beeren vom Ilex in ihrer Jackentasche und musste lächeln.

Sie stellte die umgekippten Pflanzenkübel wieder auf und schaute, ob es Ayla, der Dorf-Eiche, gut ging. Bei Stürmen hatte sie immer etwas Angst um sie, dabei war sie wohl der gute Geist, der über ihr Haus wachte. In der Nachmittagssonne würde sich dieser gute Geist kurz einmal zeigen.

Blaue Feder ging durch ihr Dorf und erfreute sich an den kleinen Dingen.

Die Sonne ging mit einer großen Aura auf. Blaue Feder zog es an den Großen Mondsee, den Tag zu begrüßen.

Die Pfützen waren zu Eis gefroren. Brauner Bär sagte, es würde bald Schnee geben. Es war kalt, aber nach dem Sturm still und friedlich – wie bereinigt. Am Eingang zum Großen Mondsee scheuchte sie einen Fasan auf und sie musste an die Tenebrosus Henne denken.

Sie würde ihr später noch ein paar Körner bringen. Blaue Feder hatte manchmal den Impuls in sich, alles und jeden retten zu wollen, so auch die Fasanenhenne. Brauner Bär fragte sie dann, was sie denn mit der Henne machen wolle – sie in den Arm nehmen und sich mit ihr vor den Ofen setzen? In der Nacht träumte sie genau diese Szenerie weiter. Sie saß mit der dunklen Henne im Arm vor den Ofen, streichelte ihr Gefieder und diese verwandelte sich in einen Indischen Meister oder eine Meisterin. Sie sah ein wenig aus wie Yogananda – wer wollte nun wen retten?

Sie hatte gerade ein schönes Buch gelesen: ‚Offene See‘ von Benjamin Myers. Ein junger Mann kam auf seiner Wanderschaft zu einer älteren Frau und diese dachte, sie könne ihm helfen, seinen Weg zu finden. Am Ende half auch er ihr genauso, den Tod eines geliebten Menschen zu überwinden.

Wir lernen wohl miteinander und Blaue Feder lernte gerne von den Kleinsten der Kleinen, denn sie wusste nie, welche Kraft sich in ihrem Wesen verbarg.

Der Engel des Morgens schenkte seine Gaben für den Tag.

Sie hatte die Tage noch ein wenig über den Skarabäus nachgedacht. Tiere nutzen ja ganz unterschiedliche Hinweise aus ihrer Umgebung – wie Gerüche, Landmarken, Magnetfelder, Sternbilder, den Stand der Sonne oder des Mondes, um sich zu orientieren. Auch Mistkäfer machen da keine Ausnahme – wenn sie ihre Kugeln vor sich herschieben, weisen ihnen offenbar die Sterne der Milchstraße den Weg.

Irgendwie passte das Bild des Mistkäfers mit seiner schwarzen Kugel für Blaue Feder ganz gut in diese Zeitqualität. Die Neumondphase würde am Mittag beginnen und morgen früh, würden sich Sonne und Mond küssen. Das würde heimlich geschehen, denn auch die Sonne würde sich in ein schwarzes Kleid hüllen und sich verfinstern.

Unser Leben entwickelt sich in Zyklen. Diese Sonnenfinsternis schloß einen Mondknoten-Zyklus ab, der im Winter 2002 ebenfalls mit einer Sonnenfinsternis begann. Wenn Du magst, kannst Du ja mal schauen, was sich im Winter 2002 bei Dir zutrug und wie sich Dein Leben seither verändert hat. Blaue Feder staunte Bauklötze, als sie in ihr Tagebuch schaute.

Eine Sonnenfinsternis bietet immer die Chance auf einen Neuanfang. Was wir wohl in 19 Jahren erzählen werden, wenn wir auf diese Wandel-Zeit zurückblicken?

Sie kam bei den Wollsammlern vorbei und ein Schaf fragte sie, ob sie heute ihre Geschichte erzählen würde. Dem möchte sie gerne nachkommen, dann eine Pause einlegen und in die Neumondzeit tauchen. Die Freundin würde zu Besuch kommen und sie hatten sich bestimmt die eine oder andere Geschichte zu erzählen.

Deshalb wünscht Blaue Feder jetzt schon einen schönen zweiten Advent und eine gute Neumondzeit mit dem ‚Erzähl-Mal-Schaf‚.

Einst, war es gestern oder heute, lud eine Freundin alle ihre Freunde zu einer Wattwanderung bei Vollerwiek ein. Sie war einen Watt-Führerin und kannte sich gut aus. Es war ein wunderbarer Ausflug. Hinterher auf dem Deich beobachtete Blaue Feder die Schafe. Ein schwarzes Schaf hatte es ihr angetan.

Am nächsten Morgen erwachte sie mit einer kleinen Geschichte. Einen ganzen Monat sammelte sie die Walnussschalen, die ‚Aurora‘ das Eichhörnchen dagelassen hatte und malte sie golden an. Mit Walnußblättern druckte sie bunte Gründe und klebte hier und dort ihre Fotos hinein.

So kam eins zum anderen – doch schaut und lauscht selbst!

P.s. Brauner Bär und Blaue Feder schauen gerade gerne ‚Shaun, das Schaf‘, wenn sie Zeit haben.

4 Kommentare zu „Drei Nüsse oder die Gaben

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