Eine Himmel-Moor-Fahrt

Zu Maria Himmelfahrt ziehen die Kräuterfrauen hinaus in die Natur und pflücken ihre Kräuterbuschen, meist bestehend aus 9 Kräutern. Es heißt Maria sei an diesem Tag in den Himmel hinaufgefahren und hat ihren Segen über das Land ausgebreitet. Deshalb haben die Kräuter an diesem Tag die höchste Heilkraft.

Die alte schwarze Mooreichen-Stele hatte nun doch ihren Weg auf den Schwalbenhof gefunden. Da stand sie nun die Uralte, die hunderte von Jahren im tiefen schwarzen Moor zugebracht hatte. Blaue Feder setzte sich zu ihr, ziemlich beeindruckt von ihrer Präsenz. Wie eine uralte Indianerin stand sie da. Vielleicht hatte sie ein paar Moor-Geschichten im Gepäck?

Schon kam die Einladung zu einer Fahrt mit der Moorbahn durch das Himmelmoor. Die Freunde hatten sich lange nicht gesehen. Viele Feste konnten nicht gefeiert werden. So verabredeten sie sich zu einer gemeinsamen Fahrt durch das Himmelmoor vor den Toren der Großen Stadt bei Quickborn.

Hier gibt es einen Verein, die Arbeitgemeinschaft Torfbahn Himmelmoor e.V. (www.torfbahn-himmelmoor.de), die sich zum Ziel gesetzt, die Feldbahn des Torfwerks im Himmelmoor bei Quickborn zu erhalten. Hier kannst Du an öffentlichen Fahrten teilnehmen oder auch die Torfbahn für individuelle Fahrt mieten.

Es ist ein kleines Abenteuer mit der Torfbahn durch das Himmelmoor zu tuckern. Die Freunde bekamen eine tolle Führung von Dan und Franzi Zelk, die ihnen die Entstehung des Hochmoores, seine Pflanzen und Tiere begeistert näherbrachten. Sie bekamen einen Einblick in die Geschichte des Torfabbaus, wie in die Bemühungen das Himmelmoor zu erhalten und zu renaturieren. Hier arbeiten etwa 20 Ranger alle ehrenamtlich.

Schon ging die Himmelmoorfahrt los.

Bei der Geschichte zur Entstehung des Himmelmoores war Blaue Feder nicht ganz bei der Sache. Die Sale-Eiszeit spielte eine Rolle. Eine große blaue Libelle hatte sie beim ersten Stopp gleich in ihren Bann gezogen und ihr den Drachenwurz gezeigt, der hier überall wuchs. Alles was mit Drachen zu tun hatte, fand sie natürlich spannend.

Die Drachenwurz oder Sumpf-Calla wird auch Schlangenwurz genannt und gehört zur Familie der Aronstabgewächse. Durch den Rückgang der Feuchtgebiete ist die Pflanze in Teilen von Deutschland heute gefährdet.

Sie bekam aber mit, dass die Torfmoose die hauptsächlichen Torfbildner sind. Sie decken ihren Nährstoffbedarf ausschließlich aus Regenwasser. Hochmoore entstehen in Gegenden, wo der Niederschlag die Verdunstung übersteigt und werden ausschließlich vom Regenwasser gespeist. Aufgrund der Nährstoffarmut des Regenwassers können im Hochmoor nur ganz bestimmte, daran angepasste Pflanzen gedeihen wie Torfmoose, Glockenheide, Moorlilie und Sonnentau.

Torfmoose sind in der Lage ein Vielfaches ihres Eigengewichtes an Wasser zu speichern. Dabei wachsen sie nach oben und sterben gleichzzeitig in der Tiefe ab. So wachsen die Torfe intakter Hochmoore jährlich ca. 1mm in die Höhe und werden ihrem Namen ‚Hochmoor‘ gerecht.

Blaue Feder liebte das Wollgras und konnte sich vorstellen wie bezaubernd die ausgedehneten Wollgrasflächen mit ihren schneeweißen Fruchtständen ausgesehen haben müssen. Jetzt waren sie leider schon verblüht.

Wie bei den Pflanzen gibt es auch einige Tierarten, die sich dem nährstoffarmen Lebensraum angepasst haben. Hier finden sich zum Beispiel die Kreuzotter und die Schlingennatter.

Die Mondin war in den Skorpion weitergewandert. Man merkt es, es geht um Drachen, Schlangen und auch die ganz eigene Stimmung im Himmelmoor passt gut dazu.

Es gab auch moortypische fleischfressende Monster im Himmelmoor mit dem wunderbaren Namen Sonnentau. Mit Führung darfst Du auch mal abseits der Wege Kostbarkeiten entdecken. Allein, ist davon abzuraten. Es ist nicht leicht zu unterscheiden, wo der Moorboden trägt und wo nicht.

Neben vielen Birken und Kiefern fand sich hier die Besenheide, die Glockenheide wie auch das Johanniskraut und die Schafgarbe. Wenn sich ein fauliger Geruch ausbreitet, könnte ein Faulbeerbaum in der Nähe stehen.

Dan erzählte von den Moorfröschen, die sich zur Paarungszeit blau verfärben und zeigte ihnen eine geheime Stelle, wo der wunderkräftige Bärlapp wächst, der nicht nur als Heilkraut, sondern auch bei Pyrotechnikern beliebt ist. Die Sporen des Bärlapp, der auch Schlangenmoos, Drudenfuß und Wolfsfuß genannt wird, erzeugen bei der Verpuffung pyrotechnische Effekte, die sowohl von Schamanen wie von Feuerspuckern genutzt wurden. Die Band Rammstein verwendet für ihre Tourneen tonnenweise Lycopodium, unter dessen Namen es in der Homöopathie bekannt ist.

Es gibt einen knapp vier Kilometer langen Naturlehrpfad, auf dem Du das Hochmoor erkunden kannst. Er führt mal über federnden Torfboden, mal durch Birkenwald, mal über einen Bohlenweg. Schautafeln am Wegesrand informieren über die außergewöhnliche Tier- und Pflanzenwelt. An drei verschiedenen Stellen bieten Aussichtspunkte einen schönen Blick über den Moorsee und die ehemaligen Torf-Abbauflächen.

Es gibt auch einen äußeren Moorweg, der etwa 14 km lang ist. Natürlich kannst Du den Weg auch individuell gestalten, Abkürzungen nehmen oder die Strecke verlängern oder mit der Torfbahn in den Himmel fahren.

Wenn Blaue Feder richtig gezählt hatte, dann hatten sie im Himmelmoor neun Pflanzen entdeckt, die Drachenwurz, das Torfmoos, den Sonnentau, die Besenheide, die Glockenheide, das Johanniskarut, die Schafgarbe, das Wollgras und den Bärlapp.

Ob das die Neun Kräuter waren, die Kräuterfrauen zu Maria Himmelfahrt sammeln, bezweifelte sie ein wenig, aber es sind Pflanzen, die Du im Himmelmoor entdecken kannst. Nur pflücken darfst Du diese im Himmelmoor nicht, weil sie allesamt unter Naturschutz stehen.

Die Freunde hatten viel Spaß auf der Fahrt mit Torfbahn. Unterwegs gab es noch ein schönes Pichknick im Sommerregen. Doch ohne Regen gäbe es das tolle Moor mit seiner einzigartigen Naturvielfalt nicht.

Die Blaue Feder wünscht eine schöne ‚Maria‘ Himmel-Moor-Fahrt!

7 Kommentare zu „Eine Himmel-Moor-Fahrt

      1. Es heißt wohl nicht umsonst Himmelsmoor 🙂 Aber ich denke, auch „dein“ Moor hat viele schöne Seiten. Ich hoffe, ich komme auch noch mal wieder in ein richtiges Moor. Irgendwann wirds schon klappen. LG Almuth

        Gefällt 1 Person

  1. Ich meinte es anders: ‚Mein‘ Moor ist wirklich sehr schön, für mich sowieso das schönste Moor ever.
    Das Himmelmoor fand ich eher etwas düster und wenig lebendig. Vielleicht lag es auch an dem Regenwetter, aber ich habe auch kaum Vögel gesehen. Das ist mir noch sehr nachgegangen, weil ich hinterher auch völlig ausgelaugt war. Mag auch an der schwierigen Geschichte dieses Ortes liegen, dem Einsatz von Zwangsarbeiter und Juden zum Torfabbau. Ich weiß es nicht – spannend in dem Zusammenhang fand ich, dass sich die Drachenwurz fast flächendeckend ausgebreitet hat.

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