Narren-Freiheit

Die Sonne war in den Löwen weitergewandert und traf gleich auf die Volle Mondin im Wassermann gegenüber.

Lisa Wippsteert saß hoch oben auf dem Dach und rief solange, bis Blaue Feder sie erhörte. Sie erzählte ihr eine Geschichte, die vom Gleichgewicht handelte, von einer empfindlichen Balance. Wie oft verlieren das Gleichgewicht, um es an der nächsten Wegekreuzung wiederzufinden? Sie hatte Lisa lange nicht gesehen. Hatte sie überhaupt auf dem Schwalbenhof genistet? Wohl eher nicht, sonst hätte sie mehr von ihr mitbekommen. Wollte sie sich vielleicht schon verabschieden?

Blaue Feder ging hinaus, um in sich hineinzuhorchen. Sie hatte von Buntspechten geträumt und von einem kleinem Braunen Elf. Er hatte sie nicht gesehen und so konnte sie ein Foto von ihm machen. Wollte sie jetzt auch noch Elfen fotografieren? War das wirklich notwendig? Eine Blaue Feder konnte sich ihren Garten ohne Elfen, Feen und Zwerge nicht vorstellen. Wie sonst, sollte das alles so funktionieren? Sie war wohl inspiriert von dem Film ‚Fremde Wesen – Zauber der Elfen‚, in den sie, wie von Zauberhand hineingezappt hatte.

Buntspechte traf sie oft im Fichtenwald, den kleinen Braunen Elf bei der Alten Holler und so entschied sie sich, heute zur Alten Holler auf die Weißdornwiese zu gehen.

Wie schon zum Neumond hing die Fahne von Bob Marley schlaff im Wind.

Freedom‚ stand auf der Fahne. ‚Freiheit‚ ein Begriff, der gut zur Vollen Mondin im Wassermann passte. Auch die kommende Volle Mondin würde noch einmal im Wassermann stehen. Blaue Feder hatte ihre Drachen-Geschichte mit dem Satz begonnen ‚Once in a Blue Moon‚. Von einem ‚Blue Moon‚ wurde gesprochen, wenn es dreizehn Monde in einem Jahr gab. Scheinbar wurde auch von einem Blue Moon gesprochen, wenn die Mondin zweimal hintereinander im gleichen Zeichen rund wurde. Dann wurde der zweite Mond im gleichen Zeichen wohl auch ‚Blue Moon‚ genannt. Blaue Feder freute sich. Genau an diesem Blue Moon hatten sie ihren zweiten Hochzeitstag. 12 Jahre waren sie nun schon beisammen, manno, wie die Zeit vergeht.

Blaue Feder schien das Zeichen Wassermann dann wohl ein wichtiges zu sein, denn auch die Konjunktion von Jupiter und Saturn fand im Wassermann statt und gab einen neuen Impuls in die Runde. Sie hatte damals den Küstenstein mit dem Rehbock und der Rednose-Narrenkraft gefunden.

Als Blaue Feder am Morgen in den Garten schaute, saß da wieder die Spatzenbande und sie dachte bei sich: ‚Wir sind viele!‘.

Sie las gerade, wie schon erwähnt, das Buch von Lynn Margulis. Sie schreibt von der Erde als einen symbiotischen Planeten. Sie schreibt von Gaia, als einem lebendigen Wesen. Sie beschreibt, wie wir Menschen aus einer großen Ansammlung von Zellen und Bakterien bestehen. Es wohnen viele Wesen in Symbiose auf diesem Planeten Mensch, dass es schwer fällt, von sich selbst, als einem ‚ICH‘ zu sprechen. Wer ist denn dieses ‚ICH‘?

Ich bin viele‚ dachte Blaue Feder und aus der Sicht der Erde, bin ‚ICH‘ vielleicht nur eine kleine Bakterie auf ihrer Haut. Und doch sind eben diese Bakterien wichtig für unsere Gesundheit und unsere Balance. Dann sind vielleicht auch wir wichtig für das ganze Zusammenspiel hier auf der Erde.

Lynn Margulis glaubte nicht an die Darwinistische Theorie, dass der Stärkste überlebt. Sie spricht eher davon, dass es ein ‚Miteinander‚ braucht zum Überleben. Blaue Feder verstand nicht alles, was sie schrieb, aber mit dem Miteinander konnte sie etwas anfangen. Bei ihren Gängen durch die Natur erlebte sie diese Symbiosen. Nichts entwickelt sich autark. Alles ist miteinander verbunden und vernetzt. Auch sie war eingebunden in dieses Große Miteinander. Sie wusste nicht, wie es funktionierte und doch empfand sie es, wenn sie ihr Herz öffnete.

Es war ein spannendes Feld, einzutauchen, wie Leben funktioniert, wie Leben sich enwickelt und wie wir ein Teil von dieser Entwicklung sind. Blaue Feder hatte das Gefühl, je mehr sie die Natur erforschte, desto weniger wusste sie. Das war nicht weiter schlimm. Es erleichterte sie auch und ließ sie einfach nur staunen. – ‚Wer sind wir? Wer bin ich? Was ist das Leben?‚ – Das sind große Fragen, die sie nicht beantworten konnte, deshalb ging sie lieber Spielen.

Sie war auf der Suche nach einem ‚guten‘ Ende für ihre Geschichte und fand es auf der Straße.

Wie jetzt, einfach so ‚Ende‚? Na, ein bisschen zelebrieren wollte sie es schon noch!

Sie überlegte noch einmal, wie sie diese Runde begonnen hatte.

Sie hatte Pflanzendrucke mit der Gelplatte gemacht und so entspann sich die kleine Geschichte von ‚Arthur, dem kleinen Fuchs‘, von Arthur, dem Bärenstarken auf der Suche nach einem Kraut, das ihn heilt, auf der Suche nach dem Kraut der Mutter.

https://www.yumpu.com/de/document/read/64724130/arthur-der-kleine-fuchs

Manche nennen diesen Vollmond Bärenmond und andere Bockmond vom Hirsch und seinem Geweih.

Blaue Feder lachte gleich der Wiesenbärenklau auf ihrer Runde an.

Sie dachte an ihre erste Geschichte in dieser Drachen-Geschichte. Damals waren sie am Strand gewesen und Blaue Feder hatte eine Tatze im Sand entdeckt. War es vielleicht eine Bärentatze? Damals kam ein Bär zu ihnen auf den Schwalbenhof: Emil, der Eifrige. Mittlerweile hat er sich gut eingelebt und gehört nun zur Bärenbande dazu.

Blaue Feder war in diesem Jahr mit einem Märchen gegangen, mit ‚Schneeweißchen und Rosenrot‚. Darin kam auch der Bär vor. Nun lachte sie der Wiesenbärenklau an. Sie näherte sich vorsichtig. Sie kannte sich mit den Doldengewächsen nicht aus. Wie konnte sie Engelwurz und Wiesenbärenklau unterscheiden? Am ehesten am Geruch und so nahm sie vorsichtig eine Nase. Es roch lecker, aber nicht nach Engelwurz. Sie war vorsichtig, denn es gab ja auch noch den Riesen-Bärenklau, der Verbrennungen hervorrufen konnte.

Die Bienen schienen den Nektar dieses Gewächses zu lieben. Es summte und brummte auf den Blüten. Der Wiesenbärenklau war groß wie sie selbst, fast so groß wie ein Bär. Die Bärenmondin passte wohl ganz gut. Der Bär war ein Tier der Großen Mutter, er war im Haus der Großen Mutter zuhause. Er war auch ein Begleittier der Artemis. Die Bärin war Schutz- und Begleitier der Keltischen Artio, der Bärengöttin. In den Bärinnen-Tänzen, wie bei Artemis, hüllten sich die Frauen in Bärenfelle, ließen ihre wilden Kräfte aufsteigen und feierten die Bärin in sich. Im Märchen war der Bär der Bräutigam und weil der Bärenklau alle anderen Pflanzen überagte, wurde er auch Herkules-Staude genannt. Blaue Feder verweilte eine Weile beim Bärenklau, den die Bienen so liebten. Das gab ihr Bärenkräfte für das, was jetzt kam.

Dann stand das Kleine Springkraut am Wegesrand und erinnerte sie an die Blüte, die sie für das Jahr gewebt hatte aus ihrer alten Narrenjacke. Die Blüte des Springkrautes war die Patin für die Jahresblüte gewesen.

Mit dem Engelwurzweiblein hatte Blaue Feder ins Narrenkastl geschaut. Sie hatte ein wenig das Nichts-Tun für sich entdeckt, den Null-Raum der Närrin.

Zum Neumond war sie einem Baumläufer begegnet.

Sie war selbst in diesem Jahr zur Baumläuferin geworden. Sie war von Baum zu Baum gegangen, um ein wenig über ihr Wesen zu erfahren.

Zu Beginn hatte sie den Haselzweig gemalt, der sowohl weibliche und männliche Blüten trägt.

Am Winterfeuer hatte sie ihre Visonen in den Baum gewebt.

Im Birkenwald war sie dem Birkenmädchen begegnet. Das war eine schöne Geschichte, die von der Leichtigkeit erzählte.

Die Weidenfrau hatte sie gerufen und stand nun zur Freude der Vögel in ihrem Garten. Ein Walfisch hatte sich zu ihr gesellt.

Dem Blaukehlchen war sie begegnet und hatte eine Blaue Blume gewebt.

Sie hatte in ihrem Dorf die Linden entdeckt, die Zauberlinde besucht und die Fünffingerlinde im Riesewohld.

Sie war vielen Bäumen in den Wäldern ihrer Heimat begegnet und war mittels Ecoprint in vielen kleinen Pausen in die Wesen der Bäume getaucht; der Walnuss, der Kastanie, der Eiche, dem A-Horn und der Ulme. Das war spannend.

Durch die Beschäftigung mit den Bäumen waren ihr diese nun viel präsenter. Sie achtete mehr darauf, welche Bäume, wo standen. Vor ihrem Fenster in der Firma standen zum Bleistift A-Horne und so machte sie jetzt auch in der Firma öfters mal eine Pause und schaute in die grünen Blätter des A-Horn und war gleich mit den erlebten Geschichten verbunden. Das zauberte ihr ein Lächeln auf’s Gesicht, wenn es grad mal wieder stressig war.

Ein bisschen war sie auch in die verschiedenen Pflanzenfamilien getaucht, die Hahnenfußgewächse, die Rosengewächse und die Malvengewächse. Sie hatte sich mit der Küchenschelle unterhalten, das Buschwindröschen gemalt, das Goldene Milzkraut im Auenwald gefunden, sich dem kriechenden Günsel angenähert, im Mädesüß gebadet und die Engelwurz ein wenig besser kennengelernt.

Sie hatte den Zusammenhang zwischen den Feuerwanzen und den Linden entdeckt und nun auch noch den Zusammenhang zwischen den Kiefern und der Riesenholzwespe. Blaue Feder beglückte es immer wieder, wenn sie beim Spielen solche Zusammenhänge entdeckte. Es war zu spannend, wie dieses Miteinander funktionierte und wie sie von Baum zu Baum und von Pflanze zu Pflanze geführt wurde. Bestimmt hatte sie nicht immer alles verstanden. Aber das brauchte es wohl auch nicht. Vielleicht war dieses beglückende Gefühl im Herzen, dass ihr ein Lächeln zauberte, viel wichtiger, als alles richtig zu verstehen.

Als Blaue Feder nun im Rückblick noch einmal sah, was sie in diesem Jahr alles gewebt hatte, war sie grad selbst berührt, dass sie erst einmal eine Pause brauchte. Nun verstand sie den Satz ‚Ich bin viele‚. Denn allein konnte sie das alles wohl nicht gewebt haben!? Waren da Zauberhände mit im Spiel gewesen – anders konnte das wohl nicht sein?

Wir gehen nun langsam in die Zeit der Schnitterin. Überall auf den Feldern reift das Korn goldgelb heran und wird die Ernte langsam eingeholt. Die Schnitterin setzt ihre Sichel an. Die Kräuterfrauen holen sich Kräuter für den Winter.

Blaue sah sich ihre Ernte an. Wie aus dem Nichts hatten sich viele Bilder und Geschichten gewebt. So ganz verstand sie nicht, wie das ‚Nichts‚ und die ‚Fülle‚ miteinander zusammengehen. Was sie verstand, dass die Balance eine sehr empfindliche war. Bevor sie nun zur alten Holler weiterging, machte sie erst einmal eine Pause. Da gab es grad etwas, was sie nicht so richtig in sich zusammenbrachte.

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