Ein-Blick in ihren Garten

Die Nachtkerze hatte kaum ihre Lichter gelöscht,

da ringelten sich schon die Ringelblumen sonnendurchflutet durch den Garten und boten ihren goldenen Nektar viellerlei Insekten-Getier an. Fast unwirklich leuchteten Farben und Tiere. Blaue Feder kannte nicht alle Namen der Flügel-Tiere. Auf dem linken Bild meinte sie eine Schwebfliege zu erkennen. Wer da mehr wissen möchte, kann mal bei pflanzwas, naturaufdembalkon vorbeischauen.

Die Kapuzinerkresse holte ihrerseits in Tautropfen die Sterne auf die Erde.

Hier und da kicherte es aus den Fingerhüten.

Lichtdurchflutet stand sie in ihrem Garten wie das Rosa des Morgenhimmels mit dunkler, purpurner Mitte – eine Lichtpflanze der Urgöttin. Ihr Tisch war reich gedeckt mit zarter, edler Spitze. ‚Queen Anne’s lace‘ wird sie genannt. Da war sie wieder die uralte Urgöttin, die Großmutter und Ahnin, die Ernäherin aller Wesen – die Dea Anna der Kelten – die wilde Möhre.

Schwirrende und summende Sommergäste überall.

Ab und an verneigte sie sich vor einer Königin.

Nicht alle Samen, die Blaue Feder in diesem Jahr gesät hatte, waren aufgegangen. Viele Pflänzchen, die sie in ihren Garten ausgepflanzt hatte, waren wohl Leckerbissen für die Schnecken wie die Bohnen, die Engelwurz und der Baldrian. Blaue Feder hatte auch unbekannte Samen in einen Topf gesät. Sie hatte ein Döschen mit der Aufschrift Feng Shui gefunden. Nun wuchsen dort ein paar Pflanzen unter Aufsicht der Wunderblumen, aber sie hatte keine Ahnung welche – es blieb spannend!

Die Erbsen hatten durchgehalten und würden ihr bald ein leckeres Mahl bereiten.

Seit kurzem stand ein dicker Linden-Bock in ihrem Garten. Bei Freunden im Nachbardorf hatte der Sturm eine Linde umgehauen. Brauner Bär wollte ihn als Haubock zum Holzschlagen verwenden. Doch vorerst kam die Vogeltränke darauf und die Spatzenkinder habne bei der Hitze ihren Badespaß.

Zum Kaffee kam ein dicker Brummer und wollte ein bisschen in der Zeitung lesen. Sie dachten erst, es sei eine Hornisse, aber der Brummer sah anders aus. Dat Ding hatte einen ganz schön langen Stachel. ‚Bist Du eine Königin? : fragte Blaue Feder vorsichtig. Doch bevor sie eine Antwort bekam, schwirrte der Brummer wieder ab. Sie trafen sich noch einmal beim Apfelbaum. Doch sehr gesprächig war das Wesen nicht, aber wohl belesen.

Natürlich versuchte Blaue Feder herauszufinden, wer da zu Besuch gekommen war. Der große Brummer, der wie eine Hornisse anmutete, allein von seiner Größe, nannte sich Riesenholzwespe. Sie ist die größte Vertreterin der Familie der Holzwespen in Europa.

Was aussieht wie ein großer Stachel am Ende des Körpers, sind Bohrer, mit denen das Weibchen Löcher in Bäume bohren kann, um ihre Eier unter der Rinde abzulegen. Und wie sollte es anders anders sein bevorzugt die Riesenholzwespe Kiefern für ihre Brut, aber auch Fichten und andere Bäume. Blaue Feder las, sie sei auch in Neubaugebieten heimisch. Vielleicht fühlte sie sich deshalb von dem Foto in der Zeitung angzogen. Das Männchen hat statt Bohrer einen ausgedehnten schwarzen Hinterleib. Es handelte sich also um ein Weibchen. Da lag Blaue Feder mit ihrer ‚Königin‘ garnicht so verkehrt.

Blaue Feder las weiter, dass das Weibchen spezielle Organe hatte, die Mycetangien, aus denen werden Sporen des Tannen-Schichtpilzes im Schleim um die Eier übertragen. Dieser Pilz zersetzt das umliegende Holz und bereitet so den Nährboden für die Wespenlarven. Die Larven können bis zu 40 Zentimeter lange Gänge im Holz bohren. Blaue Feder erinnerte sich an einen Stapel Fichtenstämme – vielleicht waren das solche Gänge?

Die Larve kann keine Zellulose verdauen, stattdessen nutzt sie die Pilzfäden als Nahrung. Die Entwicklung der Larve dauert zwei bis drei Jahre; manchmal sogar bis zu sechs Jahre. Die erwachsene Larve bildet nahe der Rinde eine Puppenwiege, woraus sich die Imago an die Oberfläche nagt. Die Fraßgänge werden von der Larve fest mit Sägemehl verstopft. So kann es vorkommen, dass die Löcher bei der Holzverarbeitung nicht erkannt werden und das Insekt folglich sogar aus verarbeitetem Holz schlüpfen kann.

Also wundere Dich nicht, wenn plötzlich aus Deinem Kiefernschrank ein solches Wesen hervorschlüpft,

Die Riesenholzwespe lebt also in Symbiose mit diesem Pilz.

Blaue Feder las gerade ein spannendes Buch von einer, bereits verstorbenen Biologin, Lynn Margulis, die eben zu diesen Symbiosen geforscht hat. Sie verstand nicht alles, was sie geschrieben hatte, doch, wenn Blaue Feder einen kleinen Ein-Blick in diese Zusammenhänge erhaschte, wurde ihr immer mal wieder ehrfürchtig bewusst, wie wenig wir von all diesen Zusammenhängen wissen.

Blaue Feder sah sich auch ihren Film an, verstand nur die Hälfte, aber sie fand das Thema mega spannend, war tief beeindruckt von der unermüdlichen Energie dieser Forscherin und ihrem ausgeprägtem Humor.

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