Im Garten der Erinnerungen

Und sie ging hinaus in den Garten der Träume, in den Garten der Erinnerungen und sie begegnete einem silbernen Pferd und vielleicht sah nur sie das Einhorn auf seiner Stirn in der Sonne glänzen.

Sie ging in die Remise und so ein kleiner Kerl schaute sie an, dass ihr das Herz aufging.

An der Stirnseite der Remise hingen große Bilder. Davor sah sie ein paar Wesen, die aussahen, als wären sie gerade aus den Bildern herausgestiegen.

Da saß ein Nerd in seinen Computer vertieft und da saß Eine, die wartete. Worauf sie wohl wartete?

Ein Drachenwesen saß in der Mitte, setzte seine Trompete an den Mund und fing an zu spielen. Blaue Feder freute sich, denn die Künstlerin dieser Werke kam sozusagen aus dem gleichen Stall wie sie selbst. Es ist eine Hamburger Künstlerin, die in der gleichen Ateliergemeinschaft ein Zuhause gefunden wie einst Blaue Feder. Sie freute sich, dass Marion Meinberg hier einen so prominenten Platz in der Remise mit ihren Bildern und Figuren gefunden hatte. Es waren wohl auch ihre textilen Wesen, die Blaue Feder nachgehend beeindruckten.

Sie blieb eine ganze Weile bei diesen Wesen und schaute sich an, in wievielen Details diese Wesen gewebt waren. Dann ging sie hinaus in den Skupturenpark und machte ein Päuschen unter einer alten Walnuß.

Sie begrüßte die große alte Walnuss, die wohl eine Großmutter der Walnuß vor ihrem Fenster war und diese lud sie ein, ein wenig bei ihr zu verweilen. Schon reiften die Walnüsse heran und kündigten langsam die Zeit der Ernte an. Bald schon würden die Eichhörnchen wieder die Walnüssen ernten. Ab und an kamen sie schon und prüften den Reifezustand der Nüsse und nahmen dann doch mit den Sonnenblumenkernen vorlieb. Jeden Morgen erwachte Blaue Feder im Schatten einer Walnuss. Sie war ihr sehr vertraut.

Sie begrüßte die Gänse, ihre Schwestern, die an einem kleinen Seerosenteich ihre Jungen großzogen. Zusammen mit den Gänsen wagte sie den Sprung kopfüber in den Seerosenteich und es waren nur noch ihre weißen Beine zu sehen. Scheinbar folgten andere Besucher ihrem Beispiel, denn es waren noch mehr weiße Beine zu sehen. Sie tauchte tief in den See ihrer Erinnerungen. Es war ihr, als würde sie noch einmal zurückschauen auf das Jahr und auf ihre Reise mit den Bäumen.

Da rief sie die alte ehrwürdige Rotbuche zu sich herüber, sie, die alle Erinnerungen verwahrt, wie eine sorgsame Archivarin.

Sie ging über die Brücke und strich zärtlich über die weichen Nadeln des Baumes, dessen Namen sie immer wieder vergaß und sie erinnerte sich, sie wollte noch vor der großen Sommerpause von dem Drachenbaum erzählen. Seine Geschichte würde ihre ‚Drachen-Geschichte‘ abrunden.

Die Seerosen und eine unbekannte Schöne standen in voller Blüte, dass ihr Herz lachte. Sie erinnerten sie daran, welch schöne Blüten sie in diesem Jahr gewebt hatte. Sie erinnerten sie an den Seerosenkarpfen, dessen Geschichte sie gerade in der ‚Holunderelfe‘ erzählte.

Sie begrüßte die Alte und schaute zurück auf all die Geschichten, die sie schon geschrieben hatte. Die Buchstaben tanzten förmlich um sie herum. Sie hatte mal wieder aus dem Vollen geschöpft. Sie erinnerte sich, wie sie losgezogen war, eine einzelne solitäre Buche in ihrer Nähe zu suchen und sie im Maiglöckchenwald fand und wie sie ihre Visionen wie Spiegel in einen Baum gewebt hatte.

Ein einzelner Ganter kam des Weges. Er prüfte, ob Blaue Feder vertrauenwürdig war und nahm dann in aller Ruhe ein Bad in dem Seerosenteich. Diese kleine Begegnung berührte Blaue Feder tief im Herzen und erinnerte sie an die Tage im ‚Tal der Sprudelnden Quellen‘, einst, als sie sich ein Versprechen gegeben hatte, immer gut auf sich aufzupassen. Wie einst im ‚Tal der Sprudelnden Quellen‘ sammelte sie ein paar Federn auf. Dort hatte sie eine Freundin gefunden, die nun hier mit ihr auf der NordArt war und ihr eine Feder brachte.

Dann stand sie vor einem jungen Gingkobaum bei den Giraffen und freute sich. Er erinnerte sie an die goldenen Entenfuß-Inspirationen, mit denen sie in ihre Drachen-Geschichte eingestiegen war – mit dem Geschenk der 13. Fee und den Halkyonischen Tagen zur Wintersonnnewende. Auch der neu gepflanzte Gingko in ihrem kleinen wilden Wald trug nun wieder Blätter. Sie hatte sich damals auf die Suche ihrer Wildheit begeben und hatte dabei ihre Irland-Elfen-Geschichte erzählt auf dem Wild-Atlantic-Way. Dort war sie dreizehn Frauen begegnet – dreizehn Feen, die ihr Geschenke mitgaben für ihren Weg.

Sie tauchte immer tiefer in den See der Erinnerungen und mit ihr die Gänsejungen, die nun ein Bad im Seerosenteich unter Aufsicht ihrer Eltern nahmen. Die Gänsejungen erinnerten sie daran wie sie mit dem Birkenmädchen durch den Birkenwald getanzt war.

Dann kam der Ruf der Weidenfrau. Die Trauerweiden erinnerten sie an die Weidenfrau, die nun in ihrem Garten stand und nicht mehr wegzudenken war. Die Vögel liebten sie, trug sie immer ein paar Körner in ihrem Schoß. Sie tauchte in ihre geliebten Trauerweide, die allerdings ein wenig traurig aussahen. Sie schienen ihr nicht wirklich in ihrer grünen Kraft zu sein. Sie sah die rosa Frau in ihren Blättern vorsichtig tanzen. Auch Blaue Feder war nicht ganz in ihrer Kraft und sie lud den Tanz in ihr Leben ein und erinnerte sich mit der Weide an den Stern der Freude.

Sie kam zu dem alten Labyrinth der Steine. Sie freute sich jedes Mal, wenn sie sie hier war, auf den Gang durch das Labyrinth. Doch vorher wollte sie noch ein paar Baumfreunde begrüßen.

Da war noch die große Pappelschwester, die sie an das Flüstern der Pappeln im Märzenwald erinnerte. Sie erinnerte sie, wie sie im frühen Jahr, den Auenwald im grünen Herzen Dithmarschens entdeckten.

Die Zwillingslinden erinnerten sie an die Zwillingslinden, die in ihrem Dorf standen. Mit der Linde hatte sie in diesem Jahr viele heilsame Erfahrungen gesammelt und war in die Quellen und Sagen des alten Riesewohld getaucht.

Tiefer und tiefer tauchte sie in ihrer Erinnerungen.

Nun war es an der Zeit ins Labyrinth zu gehen. Sie ging langsam und ließ sich Zeit. Es war warm und die Steine knirschten unter ihren Füßen. Ab und an verirrte sich ein Stein in ihre Sandale. Die großen Steine strahlten eine große Wärme aus. Sie berührte sie mit ihren Händen und fiel mal wieder aus der Zeit. Sie fing an zu spielen. Sie sah die Flechten, die sie wie Augen anschauten. Sie sah ein Drachenwesen in den Steinen. Die Steine wurden immer lebendiger und Blaue Feder auch.

Ein paar Kinder gesellten sich zu ihr. Das kleine wilde Sommermädchen stimmte ein Spiel an und Blaue Feder spielte mit. Sie wurden zu Jägern, die wilde Pferde suchten und fanden verloren geglaubte Wege. Sie vergaßen die Zeit. Es war auch nicht mehr wichtig in die Mitte zu gelangen. An jeder Wegbiegung gab es Neues zu entdecken. Als Blaue Feder eine Pause machte, kam gerade Brauner Bär am Labyrinth vorbei und sie winkte ihm zu. Sie begegnete dem A-Horn, dem ‚Pausenfüller‘ und musste lachen. Ein goldnes Blatt erinnerte sie, wie Frau Holle sie durch das Jahr begleitet hatte. Tatsächlich kam sie dann spielend in der Mitte an und spielend leicht ging sie wieder hinaus. Es war jedesmal anders durch das Labyrinth zu gehen. Am Ausgang verabschiedete sie sich von ihren Spielkameraden.

Eine Kastanie lachte sie an. Freunde lachten sie an. Das Neue lachte sie an. Sie dachte an die kleine Kastanie auf Sylt, die ihr eine neue Freundin geworden war und sie dachte an die kleine Kastanie, die sich auf ihrem Grundstück ausgesät hatte. Mit ihr würde sie zusammen wachsen.

Es zog sie noch einmal in die Remise und sie entdeckte das ‚Krokodil der Zeit‘ über dem Eingang zu dem Garten der fremden Wesen.

Dann traf sie Brauner Bär und ihre Freundin Liebevolles Herz und sie suchten sich zusammen einen Platz unter den Bäumen. Sie kamen noch einmal am Labyrinth vorbei und das kleine, wilde Sommermädchen war noch immer in ihr Spiel vertieft.

Unter uralten Nadelbäumen ließen sie sich nieder und schauten hochhinauf in ihre Kronen.

Dann fiel Blaue Feders Blick auf einen kleinen Apfelbaum, der schon kleine Früchte trug. Auch die Apfelbäume in ihrem Garten trugen bereits kleine Früchte. Bis zur Ausstellung würden sie heranreifen und einen feinen Apfelkuchen hergeben.

Sie hatte hier im Garten der Erinnerung viele Bäume wiedergetroffen, denen sie in diesem Jahr begegnet war. Erinnerungen an das Erlebte wurden in ihr wach.

Lange hatte sie noch nicht alle Bäume kennengelernt, doch war es nun erst einmal gut. Sie hatte viel erlebt mit den Bäumen in diesem Jahr. Viele Geschichten hatten ihr die Bäume erzählt. Ihr Geschichten-Baum trug viele Früchte. Nun brach das zweite Halbjahr an und es ging mehr darum, das Erlebte zu verinnerlichen.

Der einen oder anderen Erfahrung würde sie noch einen künstlerischen Ausdruck geben, bis zu ihrer Ausstellung Ende August. Vom Drachenbaum würde sie noch erzählen. Auch ihr Geschichten-Blog setzte ihrem Schreiben eine natürliche Grenze – er war mal wieder randvoll. Vielleicht ließ er ihr noch ein wenig Platz, um von der Ausstellung zu erzählen.

Durch einen rostbraunen Kreis schlüpfte sie aus dem Garten ihrer Erinnerungen heraus und war wieder im Hier und Jetzt.

– Grade hüpft ein Eichhörnchen den Stamm der Walnuss hinauf und holte sich ein paar Sonnenblumenkerne.

Ein paar Freunde hatten sich schon verabschiedet und auf den Weg gemacht. Ein kleiner Kern traf sich im Café des Skulpturenparks und es wurde noch viel gelacht an diesem Nachmittag, dass sich die Balken des alten Hauses bogen. Die eine oder andere Geschichte wurde erzählt und es war schön mal wieder ausgiebig miteinander zu lachen. Vielleicht hörst Du noch ihr Lachen. Der Nordwind trägt es mit sich und verteilt es über das Land.

Beim ‚Garten der Erinnerung‘ handelt es sich um den wunderbaren Skupturenpark der NordArt in Büddeldorf. Wer mehr über die einzelenen Künstler erfahren möchte, schaue unter: http://www.nordart.de

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