Der Ruf des Austernfischers

Die Sonne hatte sich gewendet und war nun in das Zeichen Krebs weiter gewandert. Blaue Feder wachte am Morgen auf. Die Sonne schien in ihr Zimmer und sie hatte den Eindruck, sie sah manches Alt-Vertraute in einem neuem Licht.

Sie war zurück aus dem Land der Heckenrosen. Sie war zurück von der Insel im Meer. Sie war zurück aus dem Klappholttal. Auf Sylt liegen die Extreme dicht nebeneinander. Es gibt sehr touristische Orte mit viel Schicki Micki und es gibt verwunschene Täler, in denen Du Kraft schöpfen und Heilung erfahren kannst. Das Klappholttal im Land der Heckenrosenfrau ist eines davon.

Blaue Feder hatte das Glück, eine Woche dort verbringen zu dürfen. Es war nach der langen Corona-Zeit ihr erstes Seminar wieder mit ‚echten‘ Menschen. Sie mussten viele Tests machen, aber es war schön, wenn auch ungewohnt, nach der langen Zeit der Einsiedelei mal wieder in eine Gruppe zu tauchen. Das Seminar stand unter dem Thema ‚Aus dem Vollem schöpfen‘. Eine Woche lauschten sie mit den Methoden des ‚Body Mind Centering‘ hinein in ihren Körper und drückten mit verschiedenen küntlerischen Techniken das Erfahrene bildnerisch aus.

Blaue Feder merkte schnell, ihr war garnicht danach, aus dem Vollem zu schöpfen, denn das kannte sie gut. Ihr war mehr danach, sich zu reduzieren und ihre Grenzen auszuloten. Sie kannte sich gut mit dem Thema Überforderung aus, aber weniger mit dem Thema ‚Komfortzone‘. Ihren Platz zu finden in der Komfortzone, war für sie eine große Herausforderung. Oft heißt es: ‚Komm raus aus Deiner Komfortzone!‚. Doch dazu musst Du sie vielleicht erst einmal kennen und Deinen Platz darin einnehmen.

Als Blaue Feder im Klappholttal ankam, begrüßten sie, wie im vergangenen Jahr die Austernfischer. Der Austernfischer ist ein Charaktervogel und sein Ruf ist unverkennbar. Als Blaue Feder den Vogel sah, erinnerte sie sich an den Vogel, den sie Pfingsten in den Spiegelungen der Regentonne in ihrem Garten gesehen hatte, den schwarzweißen Vogel und erkannte ihn in dem Austernfischer wieder.

Sie haben einen markanten, langen roten Schnabel, rote Beinen und rötlich umrandete Augen.

‚Weiß wie Schnee, Rot wie Blut und Schwarz wie Ebenholz.‘

– Alle Farben der Großen Mutter in sich vereint, leben sie an den Küsten Nordeuropas und ernähren sich von Würmern, Schnecken und Muscheln, allerdings nicht, wie der Name vermuten lässt, von Austern.

Als Blaue Feder ihr Zimmer im Klappholttal bezog, hörte sie die Austerfischernmutter rufen. Sie sah sie mit ihren Küken vor ihrem Zimmer sitzen. Am Abend legte sie zärtlich die Flügel um ihre Küken. So zärtlich und mit dieser Fürsorge wollte Blaue Feder diese Woche hier verbringen. Der Ruf des Austernfischers begleitete sie durch die Woche und erinnerte sie immer wieder an ihr Vorhaben.

Am Morgen ihrer Abreise sang ihr die Austernfischermutter noch ein Lied und kreiste um ihre Hütte. Im Binnenland ist er eigentlich nicht zu finden. Insofern war es schon sehr ungewöhnlich, als Blaue Feder am Abend ihrer Rückkehr auf dem Schwalbenhof saß und den Austernfischer rufen hörte. Als sie ihn über ihren Hof fliegen sah, musste sie lachen. Das war schon eine sehr eindrückliche Begegnung mit diesem Vogel.

Er schien ihr ein Bote der Beständigkeit zu sein. Er ist seinem Brutplatz ein Leben lag treu und das ist, bei einem Durchschnittsalter von 35 Jahre eine lange Zeit. Blaue Feder bedankte sich für seine Begleitung. Manchmal kommen wir von einem Seminar heim und denken, jetzt ändere ich alles – jetzt ändere ich mein Leben. Ein bisschen ging es Blaue Feder auch so, sie wollte etwas ändern, doch nicht alles!

Es gab viele Dinge in ihrem Leben, die sie sehr schön waren und die sie nicht ändern mußte. Mit großer Freude war sie auf den Schwalbenhof zurückgekehrt. Früher kam sie nicht gerne nach Hause zurück. Das hatte sich geändert. Brauner Bär hatte sich den Tag frei genommen, hatte sie vom Zug abgeholt, auf dem Tisch stand ein frischer Strauß Rosen und es gab rote Erdbeeren zu braunem Kaffee.

Vielleicht lud der Austernfischer sie erst einmal ein, sich anzuschauen, was sie an ihrem Leben schätzte und was ihr gut tat? Wenn wir wissen, was wir an unserem Leben schätzen, ist es entschieden einfacher loszulassen, was eben nicht zu dieser guten Basis gehört. Was ihr Leben bereicherte, erfreulich machte und fördernd war, wollte sie beibehalten und was nicht dazu gehörte, konnte verändert werden.

Was hatte sie mitgenommen aus dem Klappholttal?

Die liebevolle Umarmung der Austerfischermutter.

Sich selbst eine liebevolle Mutter zu sein, ist schon einmal eine gute Basis.

Blaue Feder hatte mit ‚Body Mind Centering‘ eine wunderbare Methode kennengelernt, achtsam in ihren Körper zu lauschen. Cornelia Budde hat dieses Seminar liebevoll mit viel Kraft und Humor angeleitet.

Wer diese Methode kennenlernen möchte, kann in der Sommerakademie in Alfter vom 18. bis zum 25.07.2021 ‚Dem Lebendigen lauschen‘.

Das Seminar ist auch als Bildungsuralub anerkannt.

Mehr Infos findest Du auf: http://leibreise.de/aktuelle-termine/sommerakademien/

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