‚Das blaue Wunder‘

Das Blaue Wunder beginnt rot, wie soll es anders sein! Denn plötzlich war es Sommer und die Orientalischen Mohnblumen öffneten in dieser Woche ihre prallen Knospen. In ihren Duft waren die Geschichten aus 1001 Nacht gewebt. An ihrem roten Feuer versammelten sich die Frauen schon einst wie heute.

So begab es sich zu jener Zeit, als auch die Ulme ihre Samen über das Land verteilte. Zu eben dieser Zeit trafen sich eine Flötenspielerin und eine Geschichtenerzählerin im Tal der BroklandSau. Sie kannten sich von den Feuern des Südens, an denen sie einst zusammen gesessen hatten. Vielleicht kannten sie sich schon länger, diese beiden Frauen aus dem Clan der Steine. Geschrieben hatten sie sich viele schöne Zeilen und nun wollten sie Zeit miteinander verbringen und zusammen wirken. So zeigte Blaue Feder ihrer Seelenschwester ihren Geschichtengrund.

Die Flötenspielerin stimmte ein Lied an, bevor sie loszogen und lud die Naturwesen ein, ihr Wirken zu begleiten. Zusammen pirschten sie durch das Moor und Blaue Feder zeigte der Flötenspielerin ihre Wege, die sie durch die Jahre gegangen war und ihre Plätze, die sie liebte. Sie gingen die Große Runde und es war heiß. Es war der erste heiße Tag und sie hatten nicht mit dieser Hitze gerechnet und so machten sie hier und dort eine Pause.

Gleich zu Beginn hörten sie den Kuckuck rufen. Er würde sie auf ihrer Runde begleiten und sich auch zweimal zeigen. Selbst der Seeadler erwies ihnen die Ehre, als sie auf dem Martinssteg saßen. Voller Sehnsucht schauten sie ihm zu, wie er seine Runden zog und sich vom Wind tragen ließ. Sie gingen auch den Alten Weg der Moosleute. Auf dem Weg lag eine Krönchennatter in der Sonne. Dreimal sollten sie der Ringelnatter an diesem Tag begegnen, am Eingang zum Alten Weg, später lag eine tote Natter auf dem Weg in den Süden und kurze Zeit darauf eine kleine Neugeborene, die sich mit erhobenen Haupt über den Weg schlängelte. Manchmal stirbt etwas Altes, damit etwas Neues geboren werden konnte.

Gemeinsam saßen sie auf der Grünen Bank am kleinen Birkensee und die Flötenspielerin war beeindruckt von eben dieser Landschaft und auch von den Mücken. Sie hörten die Frösche quaken und hier und dort durchwanderten sie den Duft des Weißen Dorns.

Als sie zurückkamen, gab es eine Stärkung und dann verschwanden die beiden Frauen zusammen im Atelier.

Dort erlebten sie das Blaue Wunder. Die Sonne, die ihnen zuvor den Pelz verbrannte, half ihnen nun das Wunder zu bewirken. Blaue Feder bestellte sich von Zeit zu Zeit einmal ein Zauberpaket bei Jeronim*. Diesmal hatte sie ein Überraschungspaket bestellt mit dem schönen Namen ‚Zaubergarten‘. Darin befand sich mit anderen Zauberartikeln, eine blaue Flüssigkeit mit dem Namen ‚Solarfast‘.

Sie gingen in den Garten und fragten Blumen und Gräser, ob sie bei dem Wunder mitwirken wollte und einige waren dazu bereit. Die Flüssigkeit wurde nun auf Aquarellpapier oder Stoff aufgetragen, um dann mit Pflanzen oder anderem belegt zu werden. Es brauchte eine Glasscheibe, das gelegte Bild zu fixieren. Den Rest der Arbeit übernahm nun die Sonne. Eine Viertelstunde mussten die Werke in der Sonne verweilen.

Die Flötenspielerin und die Geschichtenerzählerin saßen derweil gemütlich im Garten und erzählten sich Geschichten aus 1001 Nacht. Das war eine schöne Art des Beisammenseins. Ab und an verschwanden sie im Atelier, die blauen Wunder zu bestaunen. Und sie staunten nicht schlecht, welche Zaubergärten sich ihnen zeigten.

So flog der erste Tag ihres Zusammen-Seins auf leichten Flügeln dahin und sie waren überrascht, was sich in Pausen alles wirken lässt.

– Sprechen wir nicht vom ‚blau-machen‘, wenn wir eine Pause einlegen?

Die Redewendung ‚blau machen‘ kennen wir wohl alle vom Schule schwänzen. Doch stammt sie ursprünglich vom „Blauen Montag“. War doch der blaue Montag ein freier Tag, ganz ohne Arbeit. Das ist allerdings schon lange her und war damals bei Färbern gebräuchlich. Die legten nämlich die Stoffe, die sie färben wollten, am Sonntag in ein Färbebad, in dem die Farbe in das Gewebe einwirken sollte. Montags wurde der gefärbte Stoff aus dem Bad genommen und an der Luft getrocknet. Die Zauberfarbe, die damals verwendet wurde, wurde an der Luft blau. Während die Stoffe an der Luft trocknete und blau wurden, hatten die Färber nichts zu tun – also konnten sie ganz in Ruhe ‚blau machen‘ .

*Wer das Wunder selbst erforschen möchte, kann ‚Solarfast‘ in verschieden Farben und anderes bei Jeronim bestellen. https://www.jeromin-shop.de/ .

Manchmal braucht es vielleicht etwas Geduld, bis die bestellten Zauberartikel eintrudeln, weil es ein kleiner Familienbetrieb ist. Doch dann ist die Überraschung umso größer.

Eventuell empfiehlt es sich auch, das Solarfast-Waschmittel zu kaufen, denn Blaue Feder merkte, dass die weißen Stellen, am kommenden Tag noch etwas nachgedunkelt waren, weil sie wohl die Flüssigleit nicht gut genug ausgespült hatte.

Tolle Inspirationen findest Du auch in dem Buch ‚Blaue Wunder – Techniken und Projekte mit Cyanotypie‘ von Marlis Maehrle

Viel Spaß beim Wunder-Wirken!

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