Den Morgentau einsammeln

Es war Pfingsten und Blaue Feder überlegte am Morgen, was sie mit Pfingsten verband. Da fielen ihr natürlich die Tauben ein, die von jeher ein Sinnbild für den Heiligen Geist oder die Heilige Geistin waren und stets ein Lieblingstier der Liebesgöttin.

Sie ging in der Früh in ihren Garten den Morgentau einzusammeln.

Seit ein paar Tagen waren zur großen Freude der Schwalbenhofbewohner ‚Stardust‘ und ‚Delta‘, die Mehlschwalben mit den Sternennamen wieder auf den Hof zurückgekehrt. Sie hatten viele spannende Geschichten aus dem Süden mitgebracht. Doch jetzt waren sie erst einmal damit beschäftig, ihr Nest wieder herzurichten, hatte doch zwischenzeitlich ein Spatzenpaar darin gehaust. Nun war der Schwalbenhof wieder ein Schwalbenhof. Brauner Bär hatte vorsorglich ein ‚Kackbrett‘ unter dem Nest angebracht.

Es standen zwei Blumen in ihrem Garten, die sie sehr mit Pfingsten verband. Die Eine war die Akelei, die auch ‚Fünf Vögel zsamm‘ genannt wird, weil ihre Blütenblätter ausschauen, als würden fünf Vögel im Kreis beieinandersitzen. Schon wird die Akelei zur ‚Taubenblume‘.

Ihr lateinsicher Name ‚Aquilegia‘ leitet sich von ‚Aquila‘ ab und bringt den Adler mit ins Spiel, vielleicht weil ihre Blütensporne an Adlerkrallen erinnnern.

Im Volksmund heißen ihre zarten Blüten auch Elfenhandschuhe und weisen Dir den Weg in die Anderswelt. Die Akeleien fingen grad an zu blühen und die zarten Schönheiten tanzten rund dem Schwalbenhof.

In den Wiesen wuchs eine andere zarte Schönheit. Wie ein Meer mit Schaumkronen wiegten sich die Wiesen im Wind.

Das Wiesenschaumkraut wird auch Pfingstblume und Muttertagsblume genannt. Der Wiesenschaum erscheint gleichzeitig mit dem Ruf des Kuckucks, so wurde es zur ‚Kuckucksblume‘ und sein Schaum auf den zarten Stengeln zum ‚Kuckucksspeichel‘. Auch ‚Hexenspucke‘ wurde der Schaum genannt. Doch woher stammt nun dieser merkwürdige Schaum wirklich? Des Rätsels Lösung ist klein und unauffällig braun gefärbt: ein Insekt, genauer eine Schaumzikade, deren Larven kleine ‚Schaumschläger‘ sind und deren Nest aus Schaum besteht.

In den Schaumwiesen kannst Du den Kohlweißling und den Aurorafalter beobachten. Sie legen gerne ihre Eier beim Schaumkraut ab, das als Nahrung für ihre Raupen sehr beliebt ist. Wer es einmal selbst probiert hat, weiß, es schmeckt ähnlich wie Kresse, leicht scharf und bitter und so wird es mancherorts auch Bachkresse und auch Hasebrot gennannt.

Einst entdeckte Blaue Feder das Wiesenschaumkraut im Moor auf einer feuchten Wiese und war verzaubert. Aus einem Traum sprang eine Elfe direkt auf ihre Leinwand, die Wiesenschaum-Elfe.

Bald darauf kam Frida zu ihr. Frida, die Elfe mit dem Wiesenschaumlöffel, mit dem sie jeden Morgen den Schaum von den Wiesen einsammelt.

Mit Frida kam das Staunen zu Blaue Feder. Das Staunen über die Wunder der Natur. Blaue Feder war gerade fleißig am Werkeln in ihrem Atelier. Wie es mancherorts Brauch war, ließ Blaue Feder die Türen offenstehen, damit die Liebe auch reinkommen konnte und tatsächlich kam eine weiße Taube in ihr Atelier geflogen und ließ sich nieder.

Manchmal schaute sie aus dem Fenster und der Duft der Apfelblüten strömte zu ihr herüber. In ihrem Garten standen zwei kleine Apfelbäume. Dann setzte sie sich eine Weile ans Fenster zu Frida, schloß die Augen und ‚mir-nichts-dir-nichts‚ fand sie sich auf der Apfelinsel wieder.

Grad, in diesem Augenblick sitzt eine Taube vor Blaue Feders Fenster und sie wünscht Dir noch schöne Pfingstmontags-Apfel-Träume.

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