‚Wenn der Regen fällt‘ – Eine Schatzsuche

Einst schmückten die Luftballons ein großes Fest. Doch wie feiert man in diesen Zeiten ein großes Fest, wohl eher klein!

Blaue Feder wollte ihrem Schatz ein schönes Fest bereiten. Sie zauberte ein wunderbares Essen und hatte eine Schatzsuche geplant. Das war das Geheimnis der Papyrus-Rollen.

Nach einer kalten, verstürmten Woche, schien tatsächlich am Festtag die Sonne und es wurde warm. Am Morgen versteckte sie zusammen mit Liebevolles Herz die Schatzkarten. Das war ein schöner Gang durch die Natur.

Zu Beginn der Schatzsuche hörten sie schon ein leises Grollen am Himmel. Trotzdem zogen sie los, den Schatz zu finden. Blaue Feder hatte sich einen schönen, entspannten Spaziergang durch die Natur vorgestellt. Jetzt mit dem Gewitter im Rücken artete die Schatzsuche zu einem Wettlauf mit der Zeit aus. Bald fing es an zu regnen. Zum Glück war es warm, aber so richtig Freude kam nicht auf. Auch der Kranich, der über sie hinwegflog, konnte, das Ruder nicht mehr rumreißen. Der Schatz ward zwar gefunden, doch mehr als Pflichterfüllung, denn als Spaß und so kamen sie pitschepatschenass zurück. Welch ein Glück, dass sie nicht aus Zucker waren, der hinterher den Kuchen versüßte.

Die nächsten Tage fiel der Regen weiter. Blaue Feder blies Trübsaal. Sie wusste nicht so genau, warum – allein die verpatzte Schatzsuche war wohl nicht der Grund, wenngleich sie sich mal wieder viel Arbeit gemacht hatte. Sie hatte sich schöne Bilderrätsel überlegt, deren schwarze Tinte im Regen verlief.

Nach drei Tagen Regen, lugte die Sonne hinter den Wolken hervor und lockte Blaue Feder aus ihrer Höhle. Sie ging heute noch einmal die Strecke der Schatzsuche. Die Vergiß-mein-nicht lachten sie am Wegesrand an. Es hatte im Grunde so passend angefangen. Die Fahne sollte zeigen, in welches Land die Schatzsucher reisen. Es war die Schottische Fahne! Besser hätte es garnicht kommen können, war doch Brauner Bär ein großer Schottland-Fan.

Als Blaue Feder die Allee hochging, raunten die Löwenzahnsonnen. ‚Kopf hoch, lass Dich nicht unterkriegen!‘

Wie bei der Schatzsuche kam wieder die kleine Wollsammlerin freudestrahlend auf sie zugerast. Blaue Feder erkannte sie wieder an den tollen großen Ohren. Das war doch einst wie heute ein schöner Moment.

Im Wald tauchte Blaue Feder in ein Meer von Sternmieren. Dazwischen standen kleine lila Windräder, deren Namen sie nicht kannte.

Sie ging durch den kleinen Buchenwald ins Versteckte Tal. Sie wollte ihre Freundin, die Alte Silberpappel besuchen. Dieses Jahr war alles später dran oder war es zeitig? Die Maiglöckchen blühten noch nicht und die Farnwedel entrollten sich erst langsam. Das hatte irgendwie etwas Tröstliches. Als sie Rücken an Rücken mit der Silberpappel stand, konnte sie schon ein wenig loslassen. Die alte Pappel riet ihr, die Alte Holla aufzusuchen.

Auf dem Weg dorthin fand sie so ein Ding, das aussah wir das Gegenstück zu der Großen Mutter, die sie an der BroklandSau gefunden hatte. Blaue Feder ging durch die Schlehen. Wenn wir langsam durch die Schlehen oder den Weißdorn gehen, bleibt alles Alte, was wir nicht mehr brauchen, an den Dornen hängen.

Ja, etwas leichter fühlte sie sich schon und nun plötzlich, stand sie vor dem Baum, der neben der Alten Holla auf ihrer Reise zur Wunderlinde gestanden hatte. Nun erkannte sie ihn, es war der A-Horn! Blaue Feder schloss die Augen und gleich stand ein weißes Einhorn neben ihr, mit wehender Mähne und schaute ihr in die Augen. Es war schon lange ihr Seelenbegleiter und doch hatten sie sich ebenso lange nicht gesehen. Sie schlang ihre Arme um seinen Hals und kuschelte sich in seine Mähne. Sie freute sich sehr und wie es denn so war, standen nun überall A-Horn-Büsche und A-Horn-Bäume – das Spiel kannte sie ja mittlerweile!

Blaue Feder ging am Fichtenwald vorbei. Hier hatten sie die tollen roten, männlichen Knopen entdeckt. Sie probierte vorsichtig eine von den zarten grünen Knospen. Sie waren bitter, aber erfrischend.

Sie kam zur Alten Holla, verbeugte sich und fragte, ob sie sich zu ihr setzten dürfte. So Rücken an Rücken, sah sie wieder die kleinen weißen Weißdorn-Elfen auf ihr rumklettern. Der kleine grüne Elf setzte sich ihr auf die Nase und glotzte ihr in die Augen. Er hatte grüne weiche Fichtennadeln bei sich und fing an Blaue Feder damit durchzukitzeln. Dann endlich, kullerten die Tränen und Blaue Feder ließ los. Sie weinte und der Frauenmantel fing ihre Tränen auf. ‚Dir kann ich auch Nichts vormachen‘ sagte sie zur Alten Holla und diese legte ihre Arme um Blaue Feder und sagte: ‚Nein, das kannst Du nicht!‘.

‚Dann bist Du wohl ein kleiner Fichten-Elf?‘ fragte Blaue Feder den kleinen grünen Elf und er grinste sie an. Sie blieb noch eine Weile und ließ sich durchkitzeln. Dann bedankte sie sich und ging weiter.

Als sie auf die Allee kam, lachten sie die Fetten Hennen und das Salomonsiegel an.

Blaue Feder setzte sich auf eine Bank, auf der sie noch nie gesessen hatte. Rundherum stand narrenweise der A-Horn. Das Einhorn gesellte sich gleich zu ihr. Der A-Horn schien der Narr unter den Bäumen zu sein und munterte sie auf. ‚Ich bin ein Lückenfüller!‘, sagte der A-Horn und grinste: ‚Ein Pausenfüller! – Mach doch mal eine Pause. Das täte Dir bestimmt gut!‘

Als sie so auf der Bank saß, erinnerte sie sich an die Urlaube mit Brauner Bär. Oft erinnerten sie sich gerne an die Episoden und Abenteuer, die sozusagen in die Hose gegangen waren. Das waren oft die liebsten Geschichten, die erzählt wurden – nicht so sehr die ‚Helden-Geschichten‚, sondern mehr die ‚Narren-Geschichten‚.

Auf dem Rückweg lag die kleine Wollsammlerin angekuschelt an ihre Mutter auf der Wiese und grinste herüber. In Schottland gehört der Regen wohl einfach dazu. Wenn der Regen fällt, sehen wir die Welt mit anderen Augen. Unser Herz öffnet sich manchmal genau dann, wenn mal nicht alles nach Plan läuft. Am Fahnenmast hing noch ein wenig Lindenbast von der Schatzsuche. Blaue Feder konnte nun schon ein wenig lächeln. Der Humor kehrte langsam in ihr Herz zurück.

Sie hatte von der Schwägerin eine kleine Schlüsselblume geschenkt bekommen. Sie pflanzte sie heute ein. Vielleicht war es der Schlüssel für die Schatztruhe oder zu ihrem Herzen – wer weiß, wer weiß?

2 Kommentare zu „‚Wenn der Regen fällt‘ – Eine Schatzsuche

    1. – und in Irland und jetzt auch hier. Manchmal mag ich Regen ganz gerne, dann kann ich den Garten, Garten sein lassen und mich ins Atelier verkrümeln, was ich jetzt mal tun werde. Ich wünsche Dir auch schöne Pfingsten, Susanne

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