‚Mit dem Garten wachsen‘

‚Als Gärtner oder Gärtnerin weiß man mehr als alle anderen, wie gut das Leben es eigentlich mit uns meint, dass das, was wir säen seine Pracht entfaltet, wenn die Zeit dafür gekommen ist. Das vieles jedoch auch ein Geschenk ist, wir das wenigste selbst machen und schon garnicht erzwingen können. Gerade der Garten lehrt uns dieses wie kein anderer. Und doch müssen wir deshalb nicht auf unsere Träumen, unsere Vorstellungen verzichten. Wenn wir uns dem Spiel des Lebens anverstrauen, dann geschehen viele Dinge von ganz allein. Vielleicht nicht gerade zu dem Zeitpunkt und an dem Ort, wo wir uns das wünschen, aber sie geschehen und – das ist das Schönste daran – dann oft ganz mühleos und viel schöner, als wir es uns vorgestellt haben.‘

Blaue Feder hatte in der Woche einem Interview mit Katrin Schumann gelauscht. Sie sprach ihr aus der Seele. Vieles was Katrin erzählte, konnte sie nachempfinden. Sie hat ein schönes Buch geschrieben über ihre Erfahrungen mit ihrem Garten. Es heißt ‚Glück kann man pflanzen‚.

Was in der Widderphase ungestüm ans Licht drängte, sucht jetzt im Stier seine Form. Die Wurzeln werden kräftiger und ernähren und stabilisieren das neue Frühlingsleben. Düfte, Farben und Klänge bilden ein einziges Fest für die Sinne. Sinnlichkeit und Spüren eröffen neue Erfahrungen.

Blaue Feder war unter der Woche in der Großen Stadt. Dort gab es eine Straße, die von Mandelbäumen gesäumt war. Sie standen kurz vor der Blüte und Blaue Feder fand es schade, dass sie dieses kurze Feuerwerk der Blüten wohl dieses Jahr nicht miterleben konnte. Doch als sie wieder heim kam in ihren Garten, sagte ihr Mandelbäumchen: ‚Dafür erlebst Du dieses Jahr mal meine Blüte mit. Sie ist klein aber fein!‘

Blaue Feder musste lachen und setzte sich zu ihrem kleinen Mandelbäumchen. Nach der Hektik in der Stadt kam sie in kürzester Zeit zur Ruhe und fand wieder Frieden mit sich selbst. Es sind wohl die Rosengewächse, die unser Herz ansprechen, tragen sie die Schwingung der Venus selbst in sich. Seine wunderschönen Blüten verbanden sie im Nu wieder mit ihrem Herzen und sie fand Freude, Wärme und Zärtlichkeit in sich.

Schon der Weißdorn, auch ein Rosengewächs, hatte sie mit seinem zarten Grün berührt. Zur Familie der Rosengewäschsen gehören viele bekannte Obstarten wie Apfel, Kirsche, Schlehe, der Mandelbaum und viele, viele mehr. Machten nach den Hahnenfußgewächsen nun die Rosengewächse auf`sich aufmerksam?

Blaue Feder war gerade wieder viel in ihrem Garten. Sie war nicht mit einem Grünen Daumen geboren. So versuchte sie von ihrem Garten zu lernen. Dieses Frühjahr ging sie es schon ruhiger an. Der Rock der Weidenfrau hatte sich mit zartem Grün überzogen. Sie hatte noch einmal nachgebessert. Sie hatte gesehen, die Osterweidenzweige, die sie ins Wasser gestellt hatte, hatten Wurzeln geschlagen. Die hatte sie nun dazu gepflanzt. Die Sternmagnolie dahinter war erblüht. Ihre Blüten schauten sich die Weidenfrau an und freuten sich an den Vögeln, die zu Besuch kamen.

Blaue Feder schaute erst einmal, was in ihrem Garten wuchs und war überrascht, was sich schon alles angesiedelt hat. Als sie das alte Laub im Vorgarten vorsichtig wegnahm, war sie sehr berührt vom Anblick der vielen Duftveilchen und der Sternhyazinthen, die ihre Köpfe durch das alte Laub steckten.

Als der Alte Vater noch regelmäßig kam, hatte er immer den Vorgarten bereitet. Nun hatte er die 90 überschritten. Er war immer noch sehr rüstig, hatte aber sein Auto verkauft, weil er mit einem Auge Problem hatte. Wie gut er immer für sich sorgte, auch wenn er sich jetzt an die neue Situation erst einmal gewöhnen musste, fuhr er doch seit seinem 18. Lebensjahr Auto. Immer wieder verändert sich das Leben, auch mit 90 Jahren.

Nun war es an Blaue Feder sich auch dem Norden ihres Gartens zuzuwenden und sie freute sich über den Storchenschnabel und auch die Silbermontaler, die sich fleißig vermehrt hatten.

Aus einer Laune heraus hatte sie Erdbeeren gekauft, wohl nur, weil sie ‚Ostara‘ hießen. Erdbeeren sind übrigens auch Rosengewächse. Nun bereitete sie ein Hochbeet vor. Sie entfernte den Löwenzahn aus dem Beet und gleich tat es ihr Leid. Warum konnte sie die Erdbeeren nicht einfach drumherum pflanzen und den Löwenzahn dort lassen, wo er sich ausgesät hatte?

Ihre Vorstellungen kollidierten manchmal mit dem, was sich ihr zeigte. Doch wuchs sie langsam mit ihrem Garten und lernte dazu. Eine Erdhummel summte die ganze Zeit um Blaue Feder herum, als sie mit ihrer Kamera durch den Garten ging.

‚Wenn wir die Dinge liebevoll betrachten, verändert sich vieles von alleine. Was sehen wir, wenn wir mit dem Herzen schauen? Wie entfaltet sich das Leben – von Innen nach Außen?‘

Überall im Garten gab es kleine Wunder zu entdecken, die aus der Erde drangen, ob Scharbockskraut, Feenhandschuh, Gundelrebe, Gänseblümchen und Vergiß-mein-nicht

Blaue Feder bestaunte die Gartensenfrauke, die sich wieder von allein vorm Kellerfenster ausgesät hatte. Sie hatte im vergangenen Jahr ihre Samen eingesammelt und zog nun ein paar Pflanzen vor, die später ins Hochbeet kommen sollten.

Da staunten auch der Spatz, der mit seiner Gattin in das neue Vogelhaus eingezogen war, die Turteltaube, die mit ihrem Gemahl in der Dorfeiche nistete und die Stare, die unterm Dach der Milchkammer wohnten.

Dieses Fest der Sinne fand seinen Höhepunkt im ersten Spargel-Essen für dieses Jahr. Brauner Bär und Blaue Feder schwebten im Siebten-Schlemmer-Himmel.

Die Mondin nahm schon wieder ordentlich zu. Vielleicht fragte Blaue Feder ihr Mandelbäumchen nach ein paar Blüten. Die Vollmondblüten könnte sie in ein Mandelöl geben und sich später eine wunderbare Creme daraus kochen – das war doch eine schöne Idee!

Blaue Feder und ihr Mandelbäumchen wünschen Dir eine schöne Vollmond-Zeit!

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