Pappelflüstern im Märzenwald

Am Morgen saß ein Rotkehlchen auf der Weidenfrau. Die Frühlinsstürme hatten ihr ein wenig zugesetzt. Heute wollte Blaue Feder ihr noch ein paar Arme zaubern und eine Schüssel in die Hände geben. Sie hatte noch Weidenstöcke gefunden. Die waren nun aber in der Zwischenzeit eingetrocknet und brachen beim Flechten. Sie legte sie in die Badewanne und weichte sie ein.

Dann wurde Blaue Feder Zeugin der Rotkehlchen-Balz. Das Rotkehlchenhähnchen plusterte sich ordentlich auf und sang. Das Rotkehlchenhühnchen zeigte ihm seine Bereitschaft, in dem es sich runterduckte. Danach verschwanden die Beiden zusammen im Gebüsch.

Es war die Tage wärmer geworden und so langsam kamen Frühlingsgefühle auf. Alle waren ein wenig jeck. Von der Tigerin war nur noch der Schwanz zu sehen. Sie hing mal wieder im Efeu auf Mäusejagd.

Blaue Feder ging mal eine Runde durch ihren Garten. Hier und dort sprossen nun die Kräuter und Blumen aus dem Boden. Das war jedes Jahr ein Wunder, wie aus dem Nichts neues Leben keimte.

Die Krokusse rund um die Dorfeiche leuchteten in der Sonne. Manchmal, kam am Morgen, wenn es noch ganz still war im Dorf, ein Reh zur Eiche und tauchte in das Krokus-Meer.

Blaue Feder wollte heute im Wald schauen, ob die Duftveilchen schon blühten. Sie traf ihre Nachbarin und ihre Freundin. Ihnen gehörte der kleine Acker im Wald. Sie fragte, ob sie vielleicht einen freien Acker zu pachten wüssten. Blaue Feder träumte seit einiger Zeit von einem kleinen Acker, wo sie Gemüse anbauen konnte. Sie meinten, sie solle mal Holler fragen und erzählten von ihren Erfahrungen mit dem Acker im Wald, auf dem viel Franzosenkraut wuchs. Blaue Feder vergaß nachzufragen, was Franzosenkraut war. Sie war nur in der Nacht im Traum in Frankreich gewesen. Vielleicht schaute sie sich noch einmal ihren Traum der Nacht genauer an. Tatsächlich streckten schon vereinzelt die ersten Duftveilchen ihre Köpfchen der Sonne entgegen.

Blaue Feder ging zur Wiese mit den kleinen Weißdornsträuchern und der Alten Holler. Auch die Weißdorne bekamen schon Knospen. Blaue Feder fragte die Alte Holler, ob sie sich zu ihr setzen dürfte. Das Gras war moosig weich und warm. Sie hatte wieder etwas Rückenschmerzen und setzte sich mit den Rücken an den Stamm. Sie schloß die Augen und gleich turnten einige weiße Weißdornelfen und der kleine grüne Elf auf ihr herum. Es fühlte sich sehr lebenig an. Blaue Feder lauschte in den alten Tannenwald. Sie hörte viele Vögel, Eichelhäher, Krähen, einen Bunstpecht und viele mehr. Sie erkannte nicht alle. Es hörte sich nach Frühling an und einige waren wohl auf Brautschau. Sie hörte auch wieder Kraniche übers Land ziehen. Sie öffnete die Augen und sah wieder ein Gespann von Vieren. Es war schön, einfach hier zu sitzen und den Vögeln zu lauschen.

Blaue Feder verabschiedete sich und wieselte weiter zur Hornveilchenwiese. Hier war aber noch nichts zu sehen. Sie wieselte durch den Schlehengang und erinnerte sich, wie sie hier ihr neues Kleid bekommen hatte. Dann leuchtete schon aus der Ferne das gelbe Scharbockskraut. Es wies ihr den Weg zum Maiglöckchenwald. Es war ja noch nicht ihre Zeit, aber sie könnte mal die alte Silberpappel besuchen. Auf dem Boden lagen wieder blaue Kachelstücke. Sie lagen dort wie Brotkrumen, denen sie folgen konnte.

Dann ging ihr das Herz auf. Der Maigöckchenwald war verwandelt in einen Märzenbecherwald. Die Frühlingsknotenblumen standen hier in Grüppchen und flüsterten. Nun platze auch der Frühingsknoten in Blaue Feders Herz und es war ihr, als würden 1000 Glocken erklingen.

Sie begrüßte ihre Freundin, die alte Silberpappel. Sie war schon eine imposante Erscheinung. Blaue Feder umarmte sie, kuschelte sich an ihre Rinde. Lange hatte Blaue Feder nicht gewusst, dass Pappeln auch zu den Weidengewächsen gehören. Sie erinnerte sie an ihre sieben Pappelschwestern aus ihrer Geschichte von der Winterkönigin. Vor kurzem hatte ihr eine Schwarzpappel einen Stock geschenkt, als sie nicht so gut laufen konnte. Blaue Feder empfand es so, wenn sie mit einem Baum in Kontakt ging, sie mit allen Bäumen seiner Art in Verbindung stand. Es war wie ein Morphogenetisches Feld. Sie musste auch nicht unbedingt etwas von den Bäumen mitnehmen, es sei denn, sie schenkten ihr etwas. Es reichte, in ihre Aura zu tauchen und mit ihnen aus dem Herzen heraus zu kommunizieren. Blaue Feder sprach mit den Bäumen, wie mit anderen Freunden auch. Sie schloß dabei die Augen und schaute, was sie mit ihrem Herzen sah und hörte.

So an ihre Rinde gekuschelt, fühlte sie sich auch von der Silberpappel umarmt. Die Pappel bestärkte sie darin, alles loszulassen, was sie nicht mehr brauchte. Blaue Feder wusste, was gemeint war. Mal wieder fühlte sie, es war alles da, was sie brauchte. Sie blieb noch eine Weile und lauschte dem Märzenklang. Als sie wieder heim ging, die schöne Allee, die zum ihrem Dorf führte, sah sie all die Pappeln am Wegesrand stehen. Sie hatte sie vorher nie so wahrgenommen und die Pappeln freuten sich.

Daheim stellte Blaue Feder fest, dass es nichts gebracht hatte, die Weiden einzuweichen. Allerdings hatte sich ein schöner Weidenduft im ganzen Badezimmer ausgebreitet und sie nahm eine Nase voll. Dann band sie ein paar Stecken mit einem Band zu Armen zusammen. Eigentlich hatte sie ein Osternest flechten wollen, aber das ging nicht. So schaute sie, ob sie einen fertigen Korb fand. Sie wurde fündig. Nun war die Weidenfrau bereit, die Mondensstrahlen in ihrem Korb aufzufangen. Blaue Feder würde noch ein, zwei Rankblumen einpflanzen. Das sah bestimmt schön aus, wenn Blumen die Weidenfrau umrankten.

Ostrohe ist nach der Göttin Ostara benannt. Die Frühlingsgöttin schließt nun mit ihren Schlüsseln die Frühlingstore auf. Blaue Feder würde nun wieder viel in ihrem Garten sein und am Abend mit der vollen Mondin tanzen.

10 Kommentare zu „Pappelflüstern im Märzenwald

  1. Sooo viele Krokusse! Ich hab leider kaum welche im Garten. Doc h sie sind wunderscvhön und auch die kleinen Veilc hen. Hier in DK hat man sie früher kandiert und für Konfekt genommen. Muss mal sehen, ob bei uns schon welcvhe da sind… aber ich galkube, wir sind klimabedingt etwas hinter euch…
    ganz leibe Grüsse und eine schönen Sonntag wünscht Liv

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    1. Liebe Liv, leider war Dein Kommentar im Spam-Ordner gelandet und ich habe ihn erst jetzt gesehen. Beim Pflanzen der Krokusse hat das ‚halbe‘ Dorf mitgeholfen. Ich liebe auch die kleinen Duft-Veilchen. Mache mir gerne mal einen Tee oder auch eine Creme mit Duftveilchen-Duft. Herzliche Grüße, Susanne

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