Ein Nebel-Lied

Einen schönen Traum hatte Blaue Feder in der Nacht.

Diese Nacht war es mal die Frau von Holler, die mit ihrem Pferd Furchen auf einen Acker zog und Samen für Wurzeln säte. Dann war sie vielleicht ‚Frau Holle‘? Blaue Feder musste manchmal schmunzeln, welche Bilder ihre Seele malte, um ihr Inhalte zu vermitteln. Ihre Seele war da oft sehr kreativ und manchmal auch recht lustig. Sie selbst saß mit einem großen Sack Federn im Gebüsch. Sie hatte sich versteckt, als sie jemanden kommen hörte. Dann kam eine wunderschöne, große und strahlende Frau des Weges. Sie hieß Clarissa. Die Beiden kannten sich aus alten Tagen. Sie sprachen eine Weile. Sie war gekommen eine Schuld zu begleichen. Blaue Feder sagte ihr:: ‚Lass die alten Geschichten ruhen!‘ Dann ging Clarissa ihres Weges und Blaue Feder sah, es war auch ihr Weg. So gingen sie gemeinsam diesen Weg.

Die Begegnung mit Clarissa hatte Blaue Feder sehr im Herzen berührt. Blaue Feder ließ den Traum nachschwingen. Mit den Tagen würde sie seine Botschaft wohl verstehen.

Es war wieder kalt geworden, gefühlte Minus-Zehn-Grad. Das Thermometer zeigte Minus-Zwei-Grad. Blaue Feder zog sich warm an. Frau Holle war tatsächlich da gewesen und hatte die Natur mit Eis und Rauhreif überzogen. Das Rotkehlchen saß schon vor ihrem Fenster und fragte, wann sie rauskäme? Auch die Tigerin saß schon ungeduldig vor ihrem Fenster und wartete.

Die Nebelfrau hatte das tal der BroklandSau in ihre Schleier gehüllt. Blaue Feder mochte die Nebel und zog mit guter Laune ins Moor. Es war nicht viel zu sehen, aber viel zu hören. Zwei Gänse begrüßten sie und wünschten ihr einen schönen Tag.

Alle Bäume nickten ihr ein Guten-Morgen entgegen. Zuerst stand sie vor einer Weide, deren Kätzchen mit Eis überzogen waren.

Dann begrüßte Blaue Feder die Alte Holler, die an einem Ableger der BroklandSau stand. Die Holler legte ihr einen Stein in die Hände, sozusagen einen Hollerstein. Sie sagte: ‚Den passenden Stein hast Du bereits zuhause!‘ Und Blaue Feder wusste, welcher Stein gemeint war. Sie bedankte sich für das schöne Geschenk.

Blaue Feder tauchte immer tiefer in die Nebel.

Dann stand sie vorm Birkenwald und sah das Birkenmädchen fliegen. Sie sah wunderschöne Gespinste. Nach und nach zog sie das Zaubergarn in den Birkenwald hinein. Durch ein Birkentor musste sie gehen, einen schmalen Pfad entlang.

Rund um eine Buche hatte sich das Moosvolk versammelt und sie stimmten ein Lied an; ein alt vertrautes Lied.

Blaue Feder freute sich und war berührt. Sie bedankte sich und ging weiter zum Erlensee, noch ein wenig mit der Nebelfrau dahinzuschmelzen.

Dann schlenderte sie zum Großen Mondsee. Sie genoß die Stille im Moor. Manchmal hörte sie in der Ferne Kraniche fliegen. Ihre Stimmen verloren sich im Nebel.

Auf dem Großen Mondsee schwammen ein paar Gänse. Mit ihnen reiste sie eine Weile durch die Nebel wie in Avalon. Wieder hörte sie das Lied – ein Nebel-Lied

Die Gänse verabschiedeten sich mit lautem Geschnatter und wünschten ihr noch ein schönen Tag.

Blaue Feder blieb zurück mit einem Zaunkönig. Eine Engelwurz schenkte ihr noch eine Blüte und Blaue Feder ging reich beschenkt nach Hause.

Sie besuchte noch ‚Ayla‘, ihre Eiche. Bald würde ein Meer von Krokussen zu ihren Füßen erwachen.

‚Na, wie geht es Dir?‘ fragte Ayla.

‚Ganz gut, nur die Knochen knarzen.‘

‚Meine auch! Wir sind ja auch nicht mehr Jüngsten!‘ sagte Ayla und beide fingen zu lachen.

Mittlerweile schälte sich die Sonne aus den Nebeln und die beiden Alten sitzen noch immer unter ihrer Eiche. Wer Ohren hatte zu hören, hörte die beiden alten Damen lachen und sich auf die Schenkel klopfen, dass sich die Äste bogen und knarzten.

4 Kommentare zu „Ein Nebel-Lied

  1. Wunderschön, das Moor im (eisigen) Nebel. Was für eine zauberhafte Stimmung! Dann die vereisten Pflanzen, die Vögel, und deine Filme geben die Atmosphäre so gut wieder. Hach, ich bin ganz hin und weg, nein, verzaubert! Vielen Dank! LG

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    1. Liebe Almut, ich frage mich gerade, wo meine Antwort geblieben ist. Es scheint so, als wenn ich vom Handy antworte, sich meine Antworten in Luft auflösen. Spannend! Dann ist es wohl besser, vom Computer aus zu antworten. – Ich liebe das Moor. Dort verbringe ich Stunden und lasse mir meine Geschichten erzählen. Herzliche Grüße, Susanne

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