Eiszeitliche Spuren im Auenwald

In der Nacht hatte Blaue Feder viel geträumt. Am Ende ihres Traumes band sie eine große weiße Ziege hinter ihrem Haus an. Das Bild ließ sie mit einem wohligen Gefühl aufwachen.

Noch schien die Sonne. Es war etwas diesiger, als die letzten Tage. Ein Wetterwechsel war zu spüren. Blaue Feder und Brauner Bär wollten das schöne Wetter noch einmal nutzen und fuhren wieder in das Grüne Herz Dithmarschens zu der Frau mit der Hellebarde und zu den alten Bäumen. Eine Rotdrossel begrüßte sie am Mühlenteich. Blaue Feder hatte die Tage viele Rotdrosseln gesehen. Doch diese war allein unterwegs.

Auf dem Mühlenteich waren Spuren von Eisläufern zu sehen. Sie folgten der Rotdrossel in den Auenwald.

Das grüne Herz, der Auenwald, war mit Zuckerguß überzogen. Erst umfing sie Stille, doch dann fingen die Buntspechte an zu trommeln. Der Klang der Trommeln trug sie mit sich in eine andere Zeit – trug sie in die Eiszeit. Ein Chor von Vögeln stimmte in den Trommelschlag ein. Sie fanden Spuren einer längst vergangenen Kultur. Liebesbekundungen ins Holz der alten Buchen geschnitzt. Blaue Feder sah junge Paare verliebt hand in hand durch den Auenwald tanzen.

Sie folgtem dem Lauf der Au. Sie folgtem dem Klang ihres Singsangs. Immer tiefer in den Wald hinein. Mal gänzte die Au silbern und glitzerte zwischen tiefgrünen Ilex-Zweigen.

Dann nahm sie einen satten Goldton an, goldbrau wie die Erde. Die Auenforscher ließen sich von ihrem Glanz verzaubern.

Dort, wo das Eis gebrochen war, zauberten Eiskristalle eine eigene Welt. Überall hörten sie das Murmeln und Glucksen des Baches.

Die Au schwang sich tanzend mal mit rechtsausladenden und mal linksausladenenden Hüften durch den Waldboden. Die alten Bäume nickten ihr im Takt zu oder tanzten still mit.

Angekommen in der Sohle des Tales wurde Blaue Feder ein Stuhl angeboten. Brauner Bär erforschte derzeit einen anderen Teil des Waldes. So setzte sie sich nieder, fühlte sich wie eine Königin auf ihrem Thron.

Sie schloß die Augen und lauschte dem Auenklang.

Sie sah Rehe durch das Tal laufen. Ein alter Elefant entstieg dem Wasser der Au. Ein riesengroßer Reiher landete vor ihren Füßen. War es ein Reiher? Etwas erschrocken öffnete Blaue Feder die Augen. Der eiszeitliche Reiher war verschwunden, doch seine Spuren waren deutlich im Schnee zusehen. Blaue Feder wollte es kaum glauben was sie gesehen hatte.

Doch dann hörte sie einen Schrei. Sie schaute zum Himmel hoch und sah den Auenreiher davonfliegen.

Blaue Feder rieb sich die Augen, saß noch eine Weile auf ihrem Thron und schaute sich noch ein wenig wie zur Beruhigung die zarten Eiskristalle an. Ihr Herz schlug etwas schneller. Sie dachte, sie würde wiederkommen im Frühjahr, allein oder mit der Freundin, zeichnend oder malend wieder in den Zauber tauchen.

– Was wurde aus dem Elefanten? Er blieb an Blaue Feders Seite, dort, wo er schon immer gewesen war.

Von allen Seiten trommelten nun Buntsprechte. Ihr Trommeln holte sie ins Jetzt zurück. Sie waren schwer auszumachen in dem Geäst und doch waren sie da.

Zartes Grün der Lilien und Beeren aus alten Tagen lugten durch die Schneedecke.

Gemeinsam folgtem sie dem Lauf der Au zurück. Gingen den Weg zurück, den sie gekommen waren.

Das Licht brach sich durch die Bäume.

Der Mühlenteich hatte sich belebt. Anstelle der Gänsesäger tanzten nun viele bunte Eisläufer auf dem Eis mit lustigen Masken. Sie tanzten wohl in den Rosenmontag hinein.

Die Rotdrossel empfing sie wieder beim Mühlenteich, als wäre nichts gewesen. Sie verabschiedete sich und flog davon.

Die beiden Eiszeit-Forscher blieben zurück mit einem Lächeln auf dem Gesicht.

2 Kommentare zu „Eiszeitliche Spuren im Auenwald

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