Mit der Sonne im Rücken

Die Kälte war Blaue Feder ein wenig in die Knochen gekrochen. Sie hatte das Gefühl, sie wurde garnicht mehr warm und sie hatte wieder Schmerzen im Körper. Es ging ihr die Tage nicht so gut. Sie kam gerade schnell an ihre körperlichen Grenzen. Das machte sie traurig.

Sie nahm an einem Online- Kurs zu Body-Mind-Centering teil. Sie wollte mal ausprobieren, was hinter dieser Körperarbeit stand, mit der die unterschiedliche Ebenen menschlichen Seins erforscht werden.

Der Online-Kurs tat ihr gut. Die Körperübungen und das Tanzen fielen ihr grad schwer. Es gab auch einen kreativen Teil . Es ging um das Thema Faszien und Bindegewebe. Das im Tanz erlebte, bildnerisch umzusetzen, hatten sie einen Holzrahmen, eine elastsichen Binde oder eine alte Nylonstrumpfhosen, Hammer und Nägel. Es ging darum, nachzuspüren wie wir innerlich und äußerlich im Raum vernetzt sind. Durch die kreative Arbeit wurde Blaue Feder der Körperprozeß erst richtig bewusst.

Beim Gestalten wurde Blaue Feder warm. Da kam sie in den Fluß und ins Tanzen. Das war schön wahrzunehmen. Die Kursleiterin sprach davon, dass auch Knochen und Blut im Grunde Bindegewebe seien. Als Blaue Feder den roten Stoff in ihr Netzwerk band, kam Leben in ihren Körper.

Weiß wie Schnee – Rot wie Blut – Schwarz wie Ebenholz

Am kommenden Morgen tat ihr zwar wieder alles weh, aber sie fühlte sich lebendiger. Sie ging gleich morgens ins Moor, immer mit der Nase im Wind. Sie sah schon von Weitem den Winterläufer aus dem Heckrosenhaus mit seinen Hunden. Er machte Gymnastik auf der Brücke. Jeder versucht auf seine/ihreWeise beweglich zu bleiben. Die Hunde begrüßten sie freudestrahlend und schwanzwedelnd. Sie schnackten eine Runde.

Dann ging Blaue Feder ins Moor und entdeckte, dass die Weiden entlang des Weges alle ratzekahl abgeholzt waren. Blaue Feder war traurig bei diesem Anblick. Sie waren noch nicht einmal vernünftig abgeschnitten. Es sah eher aus wie ein Weiden-Massaker. Und doch waren es die Weiden in ihrem erbärmlichen Zustand, die ihr Mut zusprachen und sie trösteten.

‚Wir schlagen wieder aus. Wir lassen uns nicht unterkriegen. Lass Du Dich auch nicht unterkriegen!‘

Blaue Feder dankte den Weiden für ihren Zuspruch. Sie würde dranbleiben, bis sie wieder weicher und beweglicher war, wie die Weiden. Sie nahm ein paar Kätzchenzweige mit und einen Stecken von der Weide. Im Moor ging die Sonne auf.

Als sie zum Großen Mondsee kam, schien ihr schon die Sonne wohlig in den Rücken. Mit der Sonne im Rücken, sah sie ihren Schatten.

Sie sah eine Frau mit einem Stock in der Hand. Sie sah aus wie eine Kriegerin, eine Herzenskriegerin, dachte sie, sanft und doch bestimmt zugleich.

Wer mehr über Body-Mind-Centering wissen möchte, kann hier mal schauen:

Leibreise

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