Binsen-Weisheiten

Der Ostwind wehte eisekalte Luft über das Tal der BroklandSau. Alle Wege waren mit Eis überfroren. Die Menschen zogen sich die Mützen und Schals tief ins Gesicht.

Ein Rotkehlchen lockte Blaue Feder trotzdem raus. Sie wollte Brigid-Kreuze flechten, hatte es aber noch nie gemacht. Die Vögel bekamen gerade eine Extra-Portion Futter; die Amseln Äpfel, die Krähen und Eichelhäher Erdnüsse. Die Fasane kamen immer öfters ins Dorf auf Futtersuche.

Sie ging ihren kleinen Rundweg. Sie konnte nur am Rand laufen, dort wo noch Schnee lag. Der Rest des Weges war mit Eis überzogen. Sie musste langsam und achtsam laufen, Schritt für Schritt, damit sie nicht ausrutschte.

Ein silberner Reiher begrüßte sie auf der Suche nach Futter in einem offenen Graben. Im Weißdorn saßen ein paar Wacholderdrosseln, suchten nach Weißdornbeeren im Schneemantel. Sie sangen ein stilles Lied. Eine flog weiter in die Krone einer Birke.

Die Birken riefen Blaue Feder. Auf dem Weg lag ein Halm. Vielleicht konnte sie aus Schilf ein Kreuz flechten? Am Wegesrand und im Birkenwald stand überall Schilf. Sie schnitt sich ein paar Halme ab.

Die Graue flog hinüber zum kleinen Weiher. Blaue Feder folgte ihr. Ein Tretboot lag im Schnee. Wie wohl die Reise weiter ging? Welche Wege würde sie erkunden?

Dann rief der kleine Birkenwald. Sie ging hinein und dann war Stille. Blaue Feder lauschte in die Stille. Die Birken erzählten ihr die Geschichte vom Birkenmädchen.

Gemeinsam mit ein paar Gras-Hobbits lauschte sie den Worten der Birken und wurde für eine Weile in eine andere Welt getragen.

Ein Schwarm Schwanzmeisen holte sie zurück in diese Welt. Ihr sanftes Ziepen und lebendiges Treiben beendete den Traum. Blaue Feder bedankte sich für die schöne Geschichte. Sie würde sie aufschreiben und erzählen, so gut sie konnte, wenn die Zeit reif war.

Blaue Feder ging weiter ihre Runde. Der Weg sah aus, als wäre eine Wildschweinrotte hier entlang gelaufen und hätte den Weg aufgewühlt. Daneben fand sie ein Gras, dass ihr für das Kreuze-Flechten geeigneter schien, weil es biegsamer war, als die Schilfstecken. Sie nahm etwas von dem Gras mit.

Es war ungemütlich draußen. Sie traf noch Pelle und sine Fru. Aber auch Pelle wollte schnell wieder nach Hause, weil seine Pfoten kalt wurden beim Warten.

Blaue Feder schaute noch einmal zurück. Die Sonne hatte einen Hof. Das sah sehr schön aus.

Daheim kuschelte sie sich ans Feuer und übte sich im Kreuze-Flechten. Sie wollte gerne eine Triskele flechten. Das Schilf erwies sich als ungeeignet, da war sie wohl in die Binsen gegangen. Mit dem Gras funktionierte es und dann nahm sie noch Wolle, das ging auch prima.

Sie schaute noch einmal nach, was Binsen eigentlich waren. Sie kannte sie vom Sehen, aber sie wusste ihren Namen nicht. Es fanden sich Binsen in ihrem Garten und so flocht sie noch ein Kreuz aus immergrünen Binsen. Vermutlich kannten alle Binsen, nur sie nicht. Erzählte sie hier vielleicht Binsen-Weisheiten, die eh schon alle kannten? Doch nun wusste Blaue Feder, was Binsen waren. Sie verteilte ihr Kreuze im Haus. Brigid-Kreuze werden zum Schutz von Haus und Tier aufgehängt.

Hier findet Ihr eine Anleitung für die Triskele:
https://www.youtube.com/watch?v=QCHJmYlJO78

9 Kommentare zu „Binsen-Weisheiten

    1. Liebe Nina, ich habe gerade Deinen zauberhaften Blog entdeckt. Bei uns auf dem Schwalbenhof nisten nicht nur Schwalben – auch Lisa Wippsteert kommt jedes Jahr zum Brüten zurück und ist mir eine liebe Freundin. Herzliche Grüße aus dem Tal BroklandSau

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