Sheela na Gigs ‚Free Hug‘

Fortsetzung ‚The Tri-coloured House‘ 26

Am kommenden Morgen erwachte Blaue Feder aus einem tiefen und heilsamen Schlaf. Von der Mutter hatte sie geträumt, die im Traum eine tiefe Heilung erfuhr. Das war ein wunderbarer Traum, die Mutter so lebendig und gesund zu sehen. Blaue Feder war aufgebrochen in das Land ihrer Mutterseele. Sie verstand nicht alles, was sie auf dieser Reise erlebte. Mit der Zeit würde sie vielleicht mehr verstehen. Es war aber ein schönes Gefühl in ihr, ein tiefes Gefühl von ‚Heimkommen‘.

Nach dem Frühstück gab es einen tränenreichen Abschied. Auch der Bruder kämpfte mit den Tränen. Sie sahen sich einfach viel zu selten. Dann brachen sie wieder auf zum Castle Archdale, zu der Fähre zur White Island. Heute sollten sie nun ‚Sheela na Gig‘ besuchen.

Wer ist denn eigentlich diese ‚Sheela na Gig‘?

‚Sheela na Gig‘ ist eine irisch-keltische Göttin. Alle ihre Darstellungen ähneln einander sehr. Sie zeigen eine nackte Frau, meist eher mager und alt mit einem zu ihrem kleinen Körper verhältnismäßig großen Kopf. Sie hockt oder steht mit gespreizten Beinen und präsentiert ihre Vulva. In vielen Fällen hält diese kleine Figur mit ihren Händen ihre Schamlippen auseinander. Meist grinst oder lächelt sie dabei mit übergroßen geöffneten Augen.

Die Vulva, der Eingang zur Gebärmutter, gilt in ursprünglichen Kulturen als Symbol für Leben und Tod. Sie verkörpert in der keltischen Mythologie die Kraft der uralten Erdgöttin, die mit ihrer Vulva Kinder gebärt und auch wieder in ihren Schoß aufnimmt. Sie ist auch die keltische Göttin Cailleach, die alte und weise Todes- und Schöpfungsgöttin. An vielen Gebäuden wurde die untere Hälfte des Körpers unkenntlich gemacht. Doch nicht alle ‚Sheela na Gig‘-Darstellungen wurden zerstört und so lebt der Geist dieser alten Göttin weiter. Sie initiiert uns in ihre wilde Urkraft.

Lassen wir uns in ihren Schoß fallen, kehren wir in ihren Bauch zum Ursprung zurück. Wir befinden uns gerade in der Imbolc-Zeit, was wohl ‚im Bauch‘ heißen könnte. Im Dunkel – im Schoß von Mutter Erde beginnt alles neue Leben. Imbolc umschreibt die Zeit, in der der Same im Schoss von Mutter Erde heranreift. Sie hält ihr „Tor“ weit offen und lädt uns zu einer inneren Reise ein. Sie lebt in Harmonie mit den Gesetzen der Natur und lädt uns ein, uns in diesen Kreislauf des Lebens einzureihen und das sterben zu lassen, was aktuell nicht mehr förderlich ist. Damit wir uns selbst jederzeit neu schaffen können, schenkt sie uns Kraft, Wildheit, Selbstachtung und Lebenslust. – Ja, so Eine ist sie!

Clarissa P. Estès sagt es in der ‚Wolfsfrau‘ mit folgenden Worten:

‚Die wilde Frau in uns mag unter zahlreichen Schichten überzivilisierter oder schamhafter Verdrängung begraben liegen, ihre jahrtausendalten Namen mögen uns entfallen sein, aber im Mark unserer Knochen spüren wir sie noch und sehnen uns nach ihrem Wissen. Wir spüren, dass sie untrennbar von uns ist und wir eine seltsamer Verkörperung von ihr sind.‘

Blaue Feder und Brauner Bär erfuhren dann, dass die Fähre im Juni garnicht fährt, sondern erst ab Juli. Das hätte man ihnen wohl auch schon am Vortag sagen können, aber dann wäre die Enttäuschung natürlich nicht so groß gewesen. Da saßen sie am Yachthafen und wunderten sich eigentlich nicht mehr wirklich. Ein paar Enten lagen am Anleger. Vielleicht ein Gruß von Sheela na Gig.

So what!!! – Sie stiegen wieder in ihre goldene Kutsche und fuhren weiter Richtung Dublin. Zur Mittagspause fuhren sie nach Cavan rein. Sie gingen die Einkaufsstraße entlang und suchten sich ein kleines Café. Auf dem Bürgersteig war eine Ansammlung von Menschen. Blaue Feder, noch immer etwas enttäuscht, nahm sie erst garnicht wahr. Dann drehte sie sich doch noch einmal um und las ‚Free Hug‘ auf ihren T-Shirts. Was für eine coole Aktion, dachte sie und kam aus ihrer Glocke raus. Sie lief zu den Menschen und nahm sie alle in den Arm. Das war total schön. Manchmal zeigt sich ‚Sheela na Gig‘ vielleicht in einer anderen Form.

Blaue Feder umarmt gerne Menschen. In Zeiten von Corona mag uns das grad sehr fehlen. Doch kann ein Lächeln auch eine Umarmung sein. Wir können trotzdem füreinander da sein. Vielleicht hat Blaue Feders kleine Geschichte Dich auch ein wenig umarmt. Den Duft von Irland in Dein Haus getragen. Eine kleine Elfe in Dein Herz gesetzt. Oft sind es die einfachen Dinge, die wesentlich werden, in besonderen Situationen. Da liegt uns das Wohl des Anderen und das eigene Wohl näher, als großartige Abenteuer. Das Besondere im Einfachen zu erfahren, kann sehr erfüllend sein.

Blaue Feder fragte die ‚Free Hug‘-Menschen, ob sie ein Foto machen dürfte und sie durfte. Nun war Blaue Feder wieder versöhnt mit sich und der Welt. Die Reise nach Dublin ging weiter. Allerdings verfuhren sie sich gleich wieder und fanden die Hauptstraße nach Dublin nicht. Unterwegs hielten sie an und fragten einen Mann nach dem Weg nach Dublin. Er antwortete nur: ‚Was wollt ihr in Dublin? Schaut Euch um, wie schön es hier ist!‘ Recht hatte er. Sie fuhren durch eine wunderschöne grüne Landschaft. Also blieben sie einfach auf dem Weg und siehe da, gleich hinter dem nächsten Hügel, waren sie wieder auf der Hauptstraße nach Dublin.

Als sie endlich beim Airport angekommen waren, sollten sie an der Abgabestation für das Auto 2 Euro pro Liter Benzin bezahlen. Blaue Feder hätte heulen können, als Brauner Bär wieder losfuhr eine andere Tankstelle zu suchen. Wieder fuhren sie in den Dubliner Autoverkehr und fanden nach einer ganzen Weile eine Tankstelle. Dann endlich gaben sie ihre goldene Kutsche ab. Zum Glück hatte ihre Kutsche nicht eine Beule bei der wilden Fahrt auf dem ‚Wild Atlantic Way‘ abbekommen. Sie gaben ihre Koffer auf und fuhren mit einem Chattel-Bus zu einem B&B. In der Nähe gab es ein Restaurant, wo sie noch schön essen konnten. Noch einmal schauten sie in Irland Fußball. Um 4 Uhr mussten sie schon wieder raus zu ihrem Flug.

9 Kommentare zu „Sheela na Gigs ‚Free Hug‘

      1. Ihr habt Sturm?! Hier ist es nur grau.
        Ich denke die ganze Zeit darüber nach, wie der Name einer japanischen Göttin lautet, die auch ihre Vulva zeigte und eine andere damit zum Lachen brachte. Weißt du es, ich komme nicht drauf 🤔

        Gefällt 1 Person

    1. Einen guten Morgen aus dem stürmischen Ostrohe. Ich öffne jetzt auch mal die Vorhänge meiner Höhle und schaue mal, was da draußen vor sich geht. Viele Geschichten erzählen heute vom ‚Blau‘. Dann wünsche ich Dir einen schönen ‚Blauen Tag‘.

      Gefällt 1 Person

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