Irish Folk – Lieder einer Stadt

Es waren wohl die Elfen auf ihrer Fensterbank, die Blaue Feder erinnerten, ihre ‚Irland-Elfen-Geschichte‘ weiter zu erzählen.

Fortsetzung ‚The Tri-coloured House‘ 23

Die Irland-Reisenden waren in Belleek gelandet. Hier wohnt der Bruder mit seiner Familie. Sie wohnen im Grenzland. Ein Teil des Dorfes liegt im County Fermanagh in Nordirland und ein kleinerer Teil in der Republik Irland im County Donegal. Es konnte vorkommen, wenn man im Hause der Bruders ins Badezimmer ging, sich das Handy meldete und der Telefonanbieter wechselte – je nach Land.

Blaue Feder hatte wie eine Königin geschlafen. War das ein Wunder, wurden sie von ihrer Familie in einem Kingsize-Bett wie Königin und König gebettet. Sie hatte viel geträumt, kriegte es aber nicht zu fassen. Als sie den Vorhang öffnete, stand dort eine kleine Elfe auf dem Fensterbrett. Das berührte Blaue Feder sehr.

Sie war nach Irland gekommen, ins Land der Feen und Elfen, um mehr mit dem kleinen Volk in Kontakt zu kommen. Nun stand da diese kleine Elfe auf der Fensterbank im Hause ihres Bruders. Blaue Feder spürte auch ein wenig Enttäuschung, weil sie keine Elfen gesehen hatte, obwohl sie die Kette mit dem vierblättrigen Klee um den Hals trug. Sie hatte die Elfen aber an vielen Orten gespürt. Es gibt wohl verschiedene Möglichkeiten mit den Elfen und dem kleinen Volk in Kontakt zu treten. Manche Menschen können sie wohl bloßen Auges sehen. Blaue Feder sah sie, wenn sie die Augen schloß und es ganz still in ihr wurde. In der Natur bemerkte sie ihre Anwesenheit, weil sich die Athmosphäre änderte. Es wurde lebendiger um sie herum und manchmal hatte sie auch das Gefühl, sie sah sie huschen.

Ihre Großnichte Saoirsa kam, um sie zu wecken und sah Blaue Feder am Fenster stehen. ‚You are Tinkerbell‘, sagte sie. Blaue Feder schaute sie verwundert an. Ja, ja, sie war schon so eine Elfe, dachte sie, vielleicht etwas abwertend, bei sich. Doch sehen Kinder oft mehr, als wir Erwachsenen. Und tragen wir nicht alle eine Elfe in unserem Herzen? Oft suchen wir im Außen, was sich nur in unserem Inneren finden lässt.

Warum hatten sie diese Reise gemacht? Vielleicht würde sie es mit der Zeit verstehen. Blaue Feder hatte das Gefühl, sie wurde auf dieser Reise tief im Inneren beeindruckt. Was gab es für sie im Westen auf dem Wild Atlantic Way zu lernen?

Im Jahresrund befinden wir uns im Westen im Herbst unserer Reise, der Zeit der Ernte, die uns Gelegenheit gibt, unser Reisegepäck sorgfältig zu prüfen, auszusortieren und zu entscheiden, was wir wirklich für die, vor uns liegende Reise brauchen. Das Wasser ist das Element, das die Essenz des Westens ausmacht. Wasser nährt, reinigt und erfrischt uns. Der Westen ist auch eine Würdigung an das Weibliche, das uns die Kraft der Intuition schenkt. Die Gabe des Weiblichen ist der Zauber der Innenschau. Der Westen lädt uns ein, in die Tiefe zu tauchen und das Bewusste und das Unbewusste in uns zu vereinen. Im Westen reflektieren wir, was wir bereits erreicht haben und machen uns bewusst, was noch vor uns liegt. Vielleicht ging es auch um die Erfahrung, dass das Göttliche in allem enthalten ist.

Cliffs of Magho

Es wird schon seinen Sinn haben, dass sie hier waren. Der Bruder hatte ‚Rücken‘ und konnte schlecht laufen. So machten sie einen Ausflug mit der Schwägerin. Sie fuhr mit ihnen auf die Cliffs von Magho. Die Kalkstein-Klippen erstrecken sich über 9 Kilometer und bilden einen Teil des Marble Arch Caves Global Geoparks. Ein beliebter Aussichtspunkt auf den Klippen war durch einen Waldweg zu erreichen. Von hier hatten sie einen wunderbaren Blick über den Lough Erne.

Lough Erne (irisch Loch Éirne)

‚Lough‘ heißt übersetzt ‚Loch‘. Der Lough Erne mit seinem tiefblauen Wasser zog sie in seinen Bann. Im Grunde sind es zwei Seen, die sich über eine Länge von etwa 80 km im Flussgebiet des Erne erstrecken. Auch wenn an diesem Tag Wolken den Loch einhüllten, war der Blick überwältigend. Blaue Feder begeisterte sich auch für die Flora. In Gesellschaft fand sie nur nicht die Ruhe alles zu erkunden.

White Island (irisch an tOileán Bán)

Es gab im Lough eine Insel, die Blaue Feder gerne besuchen würde, die White Island. Auf der Insel gab es eine ‚Cailleach‘ oder ‚Sheela na Gig‘ Statue. Die Figuren von White Island sind behauene Steinfiguren. Über ihre Geschichte ist wenig bekannt. Auf der kleinen unbewohnten Insel haben die alten Kelten, christliche Mönche und plündernde Wikinger alle schon ihre Spuren hinterlassen – wie die wilde Mischung aus heidnischen Steinen und Kirchenruinen bezeugen kann. Die erste Figur ist vermutlich eine Sheela na Gig – eine Statue einer grinsenden, nackten weiblichen Figur mit ihren Händen, die auf ihren Oberschenkeln ruhen. Sie hätte Blaue Feder gerne besucht.

Bild aus Wikipedia

Wieder daheim in der ‚White Island Road‘ wurde mit dem Bruder zusammen Tee getrunken und leckere Scones gegessen. ‚Scones‘ ist ein Gebäck der Schwägerin, das zusammen mit Marmelade zum Nachmittagstee gereicht wird. Beim Tee wurde darüber gesprochen, welche Orte sie sich noch anschauen könnten. Nach dem Tee machten Brauner Bär und Blaue Feder dann allein einen kleinen Ausflug.

Ballyshannon (irisch: Béal Átha Seanaidh)

Zuerst fuhren sie nach Ballyshannon ‚The mouth of Seannach’s ford‘. In Ballyshannon spielt die Musik. Und das nicht nur, wenn alle Jahre wieder das legendäre Ballyshannon Folk & Traditional Music Festival steigt. Bei Ballyshannons berühmtestem Sohn handelt es sich um die Rockmusik-Legende Rory Gallagher, dem zu Ehren mitten in der Stadt ein Denkmal errichtet wurde. ‚Follow me‘ stand unter seiner Statue und sie folgten seinen Liedern und schauten sich die verschiedenen Gesichter seiner Stadt an. Zuerst landeten sie auf dem Friedhof. Begraben ist er hier allerdings nicht. Der Friedhof soll aber der älteste Friedhof der grünen Insel sein.

Sie bummelten durch die bunten Straßen und kauften noch Geschenkpapier. Der Bruder hatte am kommenden Tag Geburtstag und das Geschenk musste noch eingepackt werden.

Bundoran (irisch: Bun Dobhráin)

Von Ballyshannon fuhren sie weiter nach Bundoran, einer Küstenstadt, die nur wenige Kilometer südlich von Ballyschannon liegt. Bundoran hat sich bis heute den Charakter eines Badeortes bewahrt. Von dort konnten sie den Ben Bulben wieder sehen und einen runden Blick auf das Meer werfen.

Mullaghmore (Irisch: An Mullach Mór, ‚Der große Gipfel‘)

Sie fuhren weiter zum Mullaghmore Head. Das Herzensland von Yeats lachte sie noch einmal an. Hohe Wellen rollten auf die beschauliche Küste. Aber ihre Herzen wurden heute nicht so richtig berührt. Blaue Feder war heute etwas traurig. Ihr gefiel der Bruder mit seiner Rücken-Geschichte nicht. Das erste Mal hatte sie auch etwas Heimweh.

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