Der Hexenbesen

Meistens sind es die Vögel, die Blaue Feder auf einen Walk einluden. Mit ihnen fühlte sie sich sehr verbunden. Am Morgen waren sie wieder zahlreich im Garten. Kein Wunder sie wurden auch wie die Weltmeister gefüttert. Ein kleiner Zaunkönig war da, der im Kirschlorbeer wohnte. Die Tauben machten einen Spaziergang auf der Straße. Eine Krähe klopfte ans Fenster und ein Rotkehlchen fragte: ‚Wann kommst Du endlich raus spielen?‘ Eine Amsel saß einfach nur still da und schaute ihr mitten ins Herz.

Blaue Feder hatte lang geschlafen und im Traum einen alten Fisch, wohl ein altes Thema, verspeist. Es wurde ihr auch ein Pinguin angeboten, doch das fand sie ziemlich abstrus. Sie erforschte gerne neues Land, aber genauso gern ging sie vertraute Wege. Sie liebte ihren alten Rundweg, auf dem es auch immer wieder etwas Neues zu entdecken gab. ‚Hermine‘ war in wilder Jagd über das Land gezogen. Es war kalt und nass. Sie begrüßte ‚ihre‘ Ulme.

Als sie auf das freie Land kam, rief die Graue ihr zu: ‚Wo bleibst Du nur?‘ Sie hatte lang geschlafen – war wohl nötig! Die Glocken in Heide läuteten schon den Mittag ein. Sie ging den Weg zum Schlangensee. Heute fielen ihr besonders die Weißdorne auf. Manche trugen noch roten Beere. Ansonsten hoben sich ihre kahlen Äste stark vom grauen Himmel ab.

Blaue Feder begegnete zwei Amazonen und sie grüßten sich. Dann stand sie am Schlangensee und begrüßte die Graue, die etwas vorwurfsvoll und still am Ufer stand. ‚Du lässt Dich schnell ablenken, gelle? Du lässt Dich auch schnell beeinflussen und gibst schnell das Zepter ab, gelle?‘

‚Jaja, Du hast ja recht!‘ brummelte Blaue Feder vor sich hin. Sie hatte begonnen ein Bild zu malen. Brauner Bär sagte, Blau wäre einen schöner Kontrast. Also malte sie Blau, um dann unzufrieden alles wieder überzumalen. Auch ließ sie sich gerne von allem Möglichen ablenken. Manchmal ist es echt nicht einfach den eigenen Weg zu gehen. Immer wieder ging es darum zu unterscheiden, wo etwas ihre Inspiration stärkte und wo etwas sie von ihrer inneren Führung wegbrachte – hach!!!

Eine Möwe flog über den See und kündigte etwas Neues an. Sie hörte im Hintergrund viele Möwen. Es hörte sich an wie ihr Heimathafen. Auf dem Weg lag ein Hexenbesen. Den hatte wohl ‚Hermine‘ runtergefegt. Blaue Feder freute sich und hob ihn auf. Sie bekam einen Hexenbesen; war sie dessen schon würdig? Immer wenn sie das Gefühl hatte, sie machte gerade alles verkehrt, bekam sie ein Geschenk. Das war schon merkwürdig. Ein Bussard saß auf einem Weißdorn und schaute herüber.

Dann begrüßte sie die Alte vom Weißdorn. Ihr gegenüber stand ein alter Berg-Ahorn, der auch gerne etwas Aufmerksamkeit haben wollte. Der Berg-Ahorn war der Lieblingsbaum des alten Mannes.

Blaue Feder hatte Nüsse und Körner dabei. Die verteilte sie im wilden Wald, oder was davon übrig war. Der alte Mann hatte hier viel gerodet und neue Bäume gepflanzt. Es blieb trotzdem ihr Wilder Wald. Der alte Mann redete auch mit den Bäumen, hatte er ihr anvertraut. Vielleicht war es ja sein Job, hier einen Mischwald anzulegen. Er hatte viele neue Bäume gepflanzt. Bisher hatte sie ihn etwas belächelt, aber sie mochte den alten Mann und sicherlich folgte er einem gut gemeinten Impuls, so wie sie selbst auch ihren Impulsen folgte.

Sie besuchte noch ihre Birken-Freundin, die sich wie einen Schlange über den Boden schlängelte.

Dann setzte sich auf ihren neuen Besen und flog wieder heim. Ein Rotkehlchen begleitete sie. Früher hatte sie Hexenbesen für Misteln gehalten – mit der Zeit lernte sie dazu. Diese Hexenbesen wuchsen hier auf den Birken. Ein Eichelhäher hatte die Körner entdeckt und rief ihr seinen Dank hinterher. Der Bussard war einen Baum weitergeflogen und schaute ganz in Ruhe.

Nun freute sie sich auf das warme Feuer. Es war wirklich kalt und ungemütlich draußen. Ihre Lektion hatte sie wohl gelernt, oder? Der Hexenbesen kam auch in das Narrenkastl.

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